Dynamik ist das Wort, das an diesem Tag im mehrfach fällt. "Bambergs Tourismus wächst mit nie da gewesener Dynamik", sagt Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) und zeigt auf die Charts, die an der Leinwand im neuen Besucherzentrum am Rosengarten Geyerswörth flimmern. Die Kurven steigen seit Jahren nach oben. Steil nach oben, muss man hinzufügen.

2003 verbuchte die Stadt, damals gerade zehn Jahre zum Welterbe der Menschheit zählend, nicht mehr als 285.000 Übernachtungen. Zehn Jahre später hat sich diese Kennziffer glatt verdoppelt. Ein einsamer Rekord in einem Jahr mit zwei Großereignissen: 2012 bezahlten rund 476.000 Gäste 564.000 Übernachtungen in der Domstadt - mehr als je zuvor. Dazu kommt: Die Dunkelziffer von Gästen in mittlerweile über 120 Ferienwohnungen kennt niemand.

Der Zuwachs bei den Gästezahlen lässt sich nicht nur durch Domjubiläum oder Gartenschau begründen, die Gaustadt über eine Million Besucher bescherte. Bamberg profitierte 2012 in ganz besonderem Maße vom Boom des Städtetourismus, und der zieht vor allem die Bewohner des eigenen Landes mit magnetischer Kraft an. Während es bei den ausländischen Gästeübernachtungen sogar ein kleines Minus gab, erfreut sich die Stadt bei den Landsleuten nicht nachlassenden Interesses. "Die Deutschen lieben Bamberg", freut sich Werner Hipelius, eine Zuneigung, die sich auf den Straßen ablesen lässt: In den letzten drei Jahren kamen 160.000 Gäste und 175.000 Übernachtungen in Bamberg neu hinzu. Das entspricht einem Plus von 45 Prozent und mehr Gästen als beispielsweise Coburg im ganzen Jahr zählt.



Als Tourismusreferent kennt Hipelius die kontroverse Debatte um den Tourismus in Bamberg nur zu gut. Da gibt es Leute, die den Tourismus über den grünen Klee loben. Sie kommen nicht immer aus der Branche: "Ich finde es super, so wie es jetzt ist. Früher war unsere Stadt eher langweilig und bieder. Jetzt ist sie fröhlich und voller Leben", sagt Jürgen Walter.

Andere wiederum verfallen in kollektives Klagen. Ja mehr noch: Seit Jahren wächst in der Domstadt der Unmut über Touristenmassen, die sich durch die Stadt mit ihren kleinen Gassen wälzen und das Alltagsleben weniger beflügeln, wie manche behaupten, als vielmehr bremsen. Zu den Kritikern eines alles dominierenden Tourismus gehört etwa Heinz Weidner, der die zahlreichen "Radauveranstaltungen" in der Innenstadt anprangert und darüber klagt, dass man in Cafes und Gaststätten heute kaum noch einen Platz findet.

Oder Gisela Schlenker vom Bürgerverein Mitte. Sie zweifelt, dass der Einzelhandel vom Tourismus tatsächlich so profitiert, wie behauptet wird. Viele Touristen hätten gar nicht die Zeit, um allzu viel Euros in den Kassen zurückzulassen, sagt sie . Aus Schlenkers Sicht ist ein großer Anteil der Bamberger Bevölkerung "schlichtweg genervt von den Massen an Tagesbesuchern, die mit Hotelschiffen ankommen und mit Bussen an der Promenade ausgespuckt werden".

Auch mit Blickrichtung in die Zukunft gibt es Sorgen. Mancher Bürger klagt, dass die Innenstadt schon heute Rothenburg übertrifft. "Hält das Wachstum an, stößt die Infrastruktur von den Gehwegen bis zu den Toiletten bald an ihren Grenzen."

Doch genau dies könnte durch die anhaltend hohen Touristenzahlen verhindert werden. Denn sollte Bamberg 2013 zum dritten Mal über der Zahl von 490 000 Übernachtungen liegen, erlaubt das kommunale Abgabengesetz, eine Fremdenverkehrsabgabe einzuführen, mit der zweckgebunden genau jene Aufgaben finanziert werden könnten, die der Tourismus den Städten in besonderer Weise abverlangt, wie zum Beispiel den Bau eines Besucherzentrums, von Rad- und Wanderwegen oder auch Toilettenanlagen.

Eine Bettensteuer wohlgemerkt, ist damit nicht gemeint. Die Touristenabgabe würde in einer vom Stadtrat festzusetzenden Höhe alle Selbstständigen treffen, die direkt oder indirekt vom Tourismus profitieren.

Klar, dass die Hoteliers, die von Touristen und Kongressbesuchern leben, von einer neuen Abgabe nicht gerade begeistert sind. "Eine solche Steuer trifft vor allem die Hoteliers und ihre Gäste und sie verschont die Tagestouristen, aber auch die Gäste der Hotelschiffe. Das wäre sehr ungerecht", kritisiert Ursula Medenwald vom Romantikhotel Messerschmitt die Pläne. Zudem sei schon jetzt abzusehen, dass die Belegung im 2013 deutlich schwächer ausfallen werde als im Vorjahr. "Es kommen auch wieder schlechtere Jahre."

Nichtsdestotrotz könnte der Bamberg-Boom diese Debatte unvermeidlich machen, glaubt Bürgermeister Hipelius. Dazu sei die Aussicht auf zusätzliche Steuereinnahmen bei zurückgehenden Gewerbesteuereinnahmen zu verlockend. Derzeit sieht der CSU-Politiker im Stadtrat weder eine klare Mehrheit für noch wider die Steuer und will sich auch selbst nicht festlegen. Für eine Entscheidung fehlen noch die nötigen Informationen, sagt Hipelius. Schon jetzt ist aber klar: Die wenigsten Städte in Bayern sind überhaupt in der Lage, diese Gebühr einzuführen. Denn eine Voraussetzung ist, dass die Zahl der gewerblichen Übernachtungen die der Einwohner um das Siebenfache übertrifft.

Wie wird es mit dem Tourismus 2013 weitergehen? Andreas Christel vom Tourismusservice erwartet in einem Jahr ohne Großereignis keine weiteren Rekorde, sondern im Gegenteil eine "Konsolidierung auf hohem Niveau". Voraussetzung für noch mehr Besucher wären aus seiner Sicht vor allem neue Bettenkapazitäten. Doch die sind derzeit nicht in Sicht.