• Ein 19-Jähriger ehemaliger Azubi-Erzieher steht derzeit in Bamberg vor Gericht. Er soll in einem Bischberger Kindergarten insgesamt neun Mädchen sexuell missbraucht haben.

  • Die Verhandlung ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht - die Eltern dürfen den Prozess nicht im Gerichtssaal mitverfolgen.

    Viele Eltern waren am Freitag ins Landgericht Bamberg gekommen, um den Prozess wegen sexuellen Missbrauchs an einem Bischberger Kindergarten zu verfolgen. Doch die Verteidiger des Angeklagten, der sein Gesicht hinter einem Ordner versteckte, stellten einen Antrag, die Öffentlichkeit auszuschließen. Das Gericht stimmte zu.

    Das heißt: Die Eltern dürfen nicht am Prozess teilnehmen - lediglich bei der Urteilsverkündung dürfen sie sich im Gerichtssaal befinden. Der Grund: Ein Gerichtspsychologe hatte dem 19-Jährigen eine unreife Persönlichkeit attestiert. Außerdem sollen so berufliche und soziale Nachteile für ihn vermieden werden, argumentierte der vorsitzende Richter Markus Reznik. Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat erst 18 Jahre alt. Der junge Mann sitzt seit Februar in Untersuchungshaft.


    Der Angeklagte besaß auch kinderpornografische Schriften



    Im September des vergangenen Jahres soll sich der 19-jähriger Angeklagte, damals angehender Erzieher, in der Bischberger Awo-Kindertagesstätte an insgesamt neun Mädchen vergangen haben.
    Dem jungen Mann aus dem Landkreis Bamberg werden insgesamt zwei Fälle schweren sexuellen Missbrauchs und acht Fälle von sexuellem Missbrauch zur Last gelegt, alle jeweils in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener. Zudem soll er Anfang Januar diesen Jahres kinderpornografische Schriften besessen haben. Die Eltern hatten im November Anzeige gegen den Auszubildenden erstattet. Ein Urteil wird am 27. Juni erwartet.
    Der 19-Jährige sitzt seit Februar in Untersuchungshaft. Nun hat am Freitag, 15. Juni, der Prozess vor dem Jugendschutzgericht begonnen. Der Angeklagte erschien geneigten Kopfes in einem gestreiften Kapuzenshirt, das Gesicht hinter einem rosa Ordner verborgen mit zwei Wahl- und einem Pflichtverteidiger vor Gericht. Mehr bekam die Öffentlichkeit von dem eher schmächtigen jungen Mann nicht mit. Einige Eltern, die nicht als Nebenkläger auftreten, bedauerten die Entscheidung des Gerichts, die Öffentlichkeit auszuschließen, und reagierten enttäuscht. "Wir hätten uns eine Entschuldigung gewünscht", sagt eine betroffene Mutter.


    Awo räumte Fehler ein

    Der Beschuldigte war letzten Herbst sofort nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe entlassen worden. Für Kritik in der Öffentlichkeit und vor allem bei den Eltern sorgte das Krisenmanagement der Awo. Diese hat in Folge diese Fehler eingeräumt, inzwischen eine Vielzahl von Hilfsangeboten auf den Weg gebracht.

    Im Umfeld der Verhandlung deutete sich an, dass es noch weitere Anzeigen geben könnte. Beim Prozess geht es um Übergriffe auf Mädchen. Aktuellen Ermittlungen zufolge könnten auch Jungs Opfer gewesen sein.

    Eine Mutter soll dem Angeklagten sogar eine Ohrfeige verpasst haben. Weitere exklusive Informationen lesen Sie hier in unserem Paid-Artikel