Für Alten- und Pflegeheime gelten in diesen Corona-Zeiten besondere Schutzmaßnahmen. So müssen Besucher eine FFP2-Maske tragen - und vor allem ein negatives Testergebnis vorlegen. Letzteres brachte bislang Angehörige von Bewohnern in die Bredouille. Denn ein Abstrich (PCR-Test) darf höchstens 72 Stunden vor dem Besuch vorgenommen werden. Dabei dauert es allein schon drei bis fünf Tage, bevor etwa von der Bamberger Abstrichstelle am Sendelbach beziehungsweise aus dem Labor das Ergebnis eintrifft.

Ein POC-Antigen-Schnelltest darf höchstens 48 Stunden alt sein. Doch wo bekommt man so einen Schnelltest, fragten viele Angehörige verzweifelt. Kaum ein Hausarzt in Bamberg bietet einen solchen auf Wunsch an, während rund 100 Ärzte in Stadt und Landkreis Bamberg Testungen bei Symptomen durchführen. Eine Adressenliste dieser Ärzte ist auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern zu finden: www.kvb.de (links unten auf Ärzte/Psychotherapeuten und Coronavirus-Tests klicken).

Doch nun ist der Hilferuf nach Schnelltests für alle auf offene Ohren gestoßen: Ab Mittwoch, 13. Januar, bietet die Gemeinnützige Krankenhausgesellschaft (GKG) des Landkreises Bamberg Antigen-Schnelltests an: "Das ist eine zusätzliche Möglichkeit zu den Abstrichstellen im Kampf gegen die Pandemie", erklärt GKG-Geschäftsführer Udo Kunzmann. Zudem könnten Schnelltests "die zeitliche Komponente entzerren". Gedacht sei diese Möglichkeit für Angehörige von Alten- und Pflegeheimbewohnern, für Reiserückkehrer und Einreisende, so Kunzmann.

Genutzt wird dafür der leer stehende ehemalige Netto-Markt gegenüber der Juraklinik in Scheßlitz. Während der Öffnungszeiten - werktags montags bis freitags von 11 bis 13 Uhr - können Bürger der Stadt und des Landkreises Bamberg Schnelltests durchführen lassen. Die Testung erfolgt durch die Nase und erfordert bis zum Ergebnis eine Wartezeit von etwa 15 Minuten.

Nicht kostenlos

Allerdings ist dieser Schnelltest nicht kostenlos zu haben: Er schlägt mit 30 Euro zu Buche. Auch die Wunsch-Schnelltests ohne Symptome bei Hausärzten sind kostenpflichtig: "Selbst durchgeführte Schnelltests sind keine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)", lautet die Auskunft des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen auf Anfrage. Bei einer medizinischen Indikation sei zur diagnostischen Abklärung in der Arztpraxis der PCR-Test der Standard, der selbstverständlich von der GKV bezahlt werde, so Verbandssprecher Florian Lanz.

Rein theoretisch hat jeder Träger einer Alten- und Pflegeeinrichtung nach der Testverordnung des Bundes und der Länder seit Dezember 2020 die Chance, jedem Besucher einen Schnelltest anzubieten und diesen abzurechnen. Doch die Praxis sieht anders aus: In der Stadt Bamberg gibt es nur ein Seniorenheim, das entsprechend agiert. Im Landkreis sind es die Seniotels der GKG, die Schnelltests ermöglichen.

Warum nicht alle Heime den Angehörigen entgegenkommen, liegt für Claudia Steblein (Amt für soziale Angelegenheiten der Stadt Bamberg - Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen) auf der Hand: "Mit ihrem ohnehin schon ausgelasteten Personal schaffen das die Häuser nicht, das ist ein logistischer Riesenaufwand an Vorbereitung, Desinfektion, Dokumentation, Wartezeit bis Testablesen", so Steblein. Ganz davon abgesehen seien die Einrichtungen auch nicht dazu verpflichtet, für Besucher Testungen durchzuführen.

Anders sieht es für das Personal aus, das verpflichtend zwei Mal pro Woche mittels Antigen-Schnelltest auf SARS-CoV2 getestet werden muss. Um diese Mammutaufgabe schultern zu können, wurden und werden Mitarbeiter von Ärzten geschult. Eine solche Schulung können alle niedergelassenen Ärzte in Bayern anbieten, erklärt Dr. Thomas Fugmann, Facharzt für Allgemeinmedizin in Memmelsdorf. Fugmann ist koordinierender Arzt im Rahmen der Pandemie und bezeichnet sich als Bindeglied zwischen den niedergelassenen Ärzten vor Ort, der KVB und dem Krisenstab von Stadt und Landkreis Bamberg.

Geschulte Mehrheit

Es gebe kein systematisches Verzeichnis von bereits geschulten Einrichtungen, räumt Fugmann ein. Nach einer "nicht strukturierten Umfrage bei Kollegen" gehe er jedoch davon aus, dass bereits die deutliche Mehrheit der Einrichtungen an einer Schulung zur Durchführung und Auswertung von Antigen-Schnelltests teilgenommen hat.

Im Klinikum Bamberg finden diese Schnelltests keine Verwendung, Patienten dürfen pro Tag einen Besucher für maximal 45 Minuten empfangen, sagt Brigitte Dippold, Sprecherin der Sozialstiftung Bamberg, auf Anfrage. Von der generellen Besuchserlaubnis seien jedoch besonders vulnerable Patienten ausgenommen. Das Zentrum für Senioren der Sozialstiftung auf dem Michelsberg begrüße die Einführung von Corona-Tests für Besucher, sehe sich aber nicht in der Lage, "diese Aufgabe auch noch zu schultern", so Dippold, "gottfroh, dass es bisher im Zentrum kein Corona-Ausbruchsgeschehen gab trotz des besonders arbeitsintensiven Demenzzentrums".