Fränkische Brauerei erregt Aufsehen mit Skelett an Esstisch: Die Brauerei und Wirtschaft Schmitt-Bräu in Scheßlitz (Landkreis Bamberg) hat trotz Lockdowns seit Freitag (16. April 2021) einen Gast an einem ihrer Tische sitzen - ein Skelett. Es stellt Stammgast Rudi dar, der seit November 2020 vergeblich auf eine Bewirtung wartet und deswegen "verhungert und verdurstet" ist. Hintergrund: Die Corona-Fallzahlen verhindern eine Öffnung von Gaststätten noch immer.

"Eigentlich habe ich nach einer Puppe gesucht, die ich lustig anziehen und dann als Stammgast in die Wirtschaft setzen kann, aber dann habe ich das Skelett gefunden", sagt Inhaberin Diana Vogt inFranken.de. "Es passt gut zur Situation. Es zeigt, wie traurig das ist. Es hat auch eine doppelte Bedeutung, einerseits sind die Gäste ausgehungert, andererseits aber auch die Gastronomie", erklärt sie.

Scheßlitzer Wirtin leidet unter Lockdown: "Habe keine Perspektive"

Seit November 2020 bleibt der Gastronomin nur noch der To-go-Verkauf. "Es macht mich traurig. Ich habe keine Perspektive, wann ich wieder öffnen darf", sagt Vogt. "Man merkt, dass die Leute raus wollen, dass sie sich in die Wirtschaft oder in den Biergarten setzen und dort in Ruhe essen wollen." Die Menschen wollten dort in gemütlicher, geselliger Runde "ihr Bierchen" genießen und dabei etwas Leckeres essen können. Kurzum: "Den Alltag hinter sich lassen."

Die Qualität der Speisen leide unter dem To-go-Geschäft. "Von einem richtigen Teller schmeckt es einfach besser als aus dieser Styroporbox. Auch das Anrichten geht verloren", bedauert Vogt.

Warum andere Branchen öffnen dürfen, die Gastronomie aber nicht, verstehe sie nicht. "Wir haben gute Hygienekonzepte, achten auf Abstände und können Kontakte nachverfolgen", erklärt sie. "Es macht als Gastronom keinen Spaß mehr." Manchmal habe sie wenig Lust, den Aufwand für ein paar Bestellungen zu betreiben. Durch Ausgaben für Wasser und Strom verdiene sie dabei auch nichts. 

Kritik an Corona-Politik: "Ich bin langsam verärgert"

Vogt sieht die politischen Entscheidungsträger in der Pflicht. "Ich bin langsam verärgert. Die Politiker müssen endlich eine klare Ansage machen, wann die Gastronomie wieder öffnen darf", sagt Vogt.  Bis dahin ist es ihr wichtig, mit ihren Gästen im Gespräch zu bleiben.

Ihr langfristiger Wunsch: "Ich möchte einfach mal wieder unsere Speisen auf einen Teller servieren, an den Tisch bringen und der Gast hat ein Leuchten in den Augen und sagt: 'Dankeschön, ach, schenk mir gleich noch ein Bierla ein'", hält die Schmitt-Bräu-Chefin auf der Facebook-Seite der Brauerei fest. "Und ich geh mit Freude zum Zapfhahn und zapf ein frisches Fassbier. Zum Wohl!! Kennt ihr den Spruch eigentlich noch??"

Für die Aktion mit Stammgast-Skelett Rudi habe sie indes viele positive Rückmeldungen erhalten. "Da geht mein Herz auf, das ist ein richtiges Glücksgefühl." Für sie ein Zeichen dafür, genau richtig gehandelt zu haben in dieser Zeit.

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