Vor einem halben Jahr hätten Gerhard Olesch und Heike Schinzel nicht darauf gewettet, dass der Verein Rosengarten-Serenaden eine Zukunft in der Neuen Residenz hat.

Umso glücklicher wirken der Erste Vorsitzende und die Kassiererin jetzt: Die Hausherrin, die Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (SSV), stellt dem Verein 2013 an sieben Abenden ihren schönsten Bamberger Raum zur Verfügung, den Kaisersaal - ohne zusätzliche Kosten.

"Es war uns nicht bewusst, dass wir bei der Schlösserverwaltung so einen Stellenwert genießen!" schwärmt Olesch. Mit so viel Wertschätzung und Entgegenkommen hat auch Heike Schinzel nicht gerechnet.

Sie spricht von einer "absolut irren Unterstützung" aus München bzw.
Schloss Nymphenburg, dem Sitz der SSV und ist, wie sie versichert, "nur noch glücklich". Man gehe jetzt ganz entspannt an die neue Konzertreihe heran.

Das war in den vergangenen Jahren ganz anders. Stress pur sei jede Veranstaltung für die Vereinsvertreter vor Ort nur noch gewesen. Das sagte Olesch, als er sich im Spätsommer 2012 Hilfe suchend an die Schlösserverwaltung als Hausherrin und an die Öffentlichkeit wandte.

Es waren die ständigen Auseinandersetzungen und ungerechtfertigte Mietforderungen mit dem und durch den Pächter des Cafés, denen sich der Verein nicht länger gewachsen sah. Zu viel verlangte Gebühren musste der Gastronom inzwischen an den Verein Rosengarten-Serenaden zurückzahlen: Letzterer hatte erfolgreich gegen ihn geklagt.

Das Tischtuch zwischen Verein und Pächter scheint irreparabel zerrissen. Eine weitere Zusammenarbeit, wenn man es überhaupt noch so nennen kann, kommt für den Verein nicht mehr in Frage. Daran lassen der Vorsitzende und die Kassiererin keinen Zweifel.

Deshalb erstand Olesch erst kürzlich noch 200 preiswerte Klappstühle, um die diesjährigen Konzerte gegebenenfalls im gepflasterten Innenhof der Neuen Residenz bestreiten zu können - also vor dem Rosengarten, statt in ihm. Dazu kommt es nun nicht, weil die Schlösserverwaltung dem Verein zwischenzeitlich den Kaisersaal angeboten hat.

"Alles ist auf einem sehr guten Weg" glaubt SSV-Pressesprecher Thomas Rainer. Er betonte im Gespräch mit dem FT, dass der Hausherrin viel daran liegt, die Rosengarten-Serenaden zu erhalten.

Sie seien ein "zentraler Bestandteil des Bamberger Kulturlebens". An einer längerfristigen Lösung, die wieder Serenaden im Rosengarten zum Ziel hat, wird laut Rainer noch gearbeitet.


Auf Besucher-Reaktion gespannt
Gerhard Olesch ist jetzt erst einmal gespannt, wie das Publikum auf die Interimslösung reagieren wird. Der große Vorteil des Kaisersaals als festem Domizil 2013 ist die Unabhängigkeit vom Wetter.

Die Besucher müssen weder Regenschutz noch Wolldecke mitbringen. Und der Vorsitzende kann sich an Konzerttagen den bangen Blick aufs Regenradar im Internet sparen: Jeweils bis 13 Uhr musste er entscheiden, ob das Konzert unter freiem Himmel riskiert werden kann oder nicht.

Trotzdem hofft er, "dass wir wieder in den Rosengarten können". Ganz müssen die Konzertgänger nicht auf das botanische Kleinod über den Dächern der Altstadt verzichten. Der Verein will die Abendkasse jeweils eine Stunde vor Konzertbeginn öffnen, so dass sich Besucher zwischen den Rabatten ergehen können. Auch in den Pausen ist die Anlage zugänglich.

Die Bewirtung der Gäste übernimmt der Verein heuer selbst. Die Kassiererin hat auch schon eine Idee, wie sie daraus eine kleine zusätzliche Einnahmequelle machen könnte: Der Wein soll in kleinen Glaskrügen ausgeschänkt werden, die das Vereins-Emblem tragen und käuflich erworben werden können.

Schinzel betont: "Wir sind auf eine gute Saison angewiesen." Sie erwähnt einen Verlust von 7500 Euro, mit dem die Jubiläumssaison 2012 zu Ende ging.

Das 50. Jahr ging ins Geld, weil man mehr Konzerte veranstaltet hat als üblich, und diese aber relativ schwach besucht waren. Die Ursache sieht Schinzel im unbeständigen Sommerwetter und der "Konkurrenz" durch die Landesgartenschau.

Sollte heuer ein kleines Plus herausspringen, möchte der Verein seine Bühne herrichten lassen - im Hinblick auf künftige Veranstaltungen im Rosengarten. Mit der Konstruktion werden die Stufen vor dem Café-Pavillon überbrückt.