Ines Holzmüller hat wohl ein Stück weit recht, wenn sie sagt: "Ich habe den Eindruck, die Pokémon-Go-Spieler starren konzentriert auf das Handydisplay und nehmen weniger die Schönheit unserer Parks wahr." Was das bedeuten kann, erläutert die Sprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung auch gleich: zertrampelte Blumenbeete, Spieler in abgesperrten Bereichen oder, sich selbst gefährdend, auf Mauern balancierend.

Holzmüller betont: "Wir haben nichts gegen Pokémon-Spieler." Nur sei es eben schade, wenn die Anlagen, "in die wir viel Geld und Pflege stecken", leiden. Oder Angestellte Überstunden machen müssen, weil sie mit dem Schließen des Parks auf Pokémon-Jäger warten müssen, die "noch schnell" digitale Monster fangen wollen.
Das Handyspiel lockt die Leute nach draußen, mancherorts sind besonders viele Spieler und Tierchen unterwegs. Weil gewisse Parks unter den Füßen und dem Müll der "Jäger" leiden, hat die Schlösserverwaltung beim Spiele-Hersteller Niantic Labs beantragt, vier Anlagen in Franken für das Spiel zu sperren, darunter der Rosengarten in der Neuen Residenz sowie Schloss und Park Seehof in Memmelsdorf. In beiden Anlagen ist laut Holzmüller vor allem die Sorge ausschlaggebend, dass nachts Menschen eindringen.

Ein anderer Rosengarten, nämlich jener vor der Tourist-Info in der Geyerswörthstraße, ist bereits zum Sammelpunkt für Pokémon-Spieler geworden.

Ein Anwohner wandte sich an den FT, um von nächtlichen Ruhestörungen durch laute Rufe, Flaschenklirren und Musik zu berichten. Der Mann, der lieber anonym bleiben möchte, hat schon zwei Mal die Polizei gerufen. "Es sollte nicht Sache der Anwohner sein, regelmäßig nach 22 Uhr um die Einhaltung der Nachtruhe bitten zu müssen", sagt der Mann im Gespräch.

Manche Spieler wären verständnisvoll und würden die Musik leiser drehen, andere würden dagegen frech reagieren. Der Großteil der Pokémon-Gemeinde bestünde indes tatsächlich aus harmlosen, jungen Menschen. Doch dann gebe es eben auch jene, die sich nicht an die Regeln halten würden.


Wildpinkler und "Vermüllung"

Was der Anwohner neben Wildpinklern auch noch anspricht: Die "Vermüllung" habe deutlich zugenommen, "es ist unfassbar, wie viele Zigarettenkippen auf dem Boden liegen". Gleichzeitig lobt er Spieler, die blaue Säcke organisieren und an ihre Mitspieler appellieren, den Platz sauber zu halten.

In der Tat ist in der Facebookgruppe "Pokémon Go Bamberg" zum Beispiel Folgendes zu lesen: "(...) war wirklich schockiert wie zugemüllt es dort wieder war. Ich weiß, dass die Mülleimer dort chronisch überladen sind, aber das ist keine Entschuldigung, seinen Dreck nicht wenigstens in die Gegend eines solchen zu bewegen."
Können die Abfalleimer nicht einfach häufiger geleert werden? Die Frequenz wurde laut Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt, bereits erhöht, sei aber nicht beliebig steigerbar. "To-Go-Becher, Pizzaschachteln und sonstige Papp- oder gar Plastik-Behältnisse füllen die Mülleimer meist rasch und ungewöhnlich voluminös", erläutert sie zudem. Die Stadt bittet darum, den eigenen Müll wieder mitzunehmen. Die blauen Müllsäcke, die manche Pokémon-Spieler neben Mülleimern postieren seien "hilfsweise ein sehr netter Ansatz".

Eine Pfandregelung, wie ebenfalls in der Facebookgruppe vorgeschlagen, hält Jens Müller nicht für umsetzbar. Der Geschäftsführer des Aposto sagt: "Ich kann nicht Pfand auf Pizzakartons oder Becher erheben. Da müsste ich ja jeden einzelnen fragen, ob er Pokémon-Spieler ist." Außerdem betont der Gastronom: "Der Müll kommt aus unglaublich vielen Quellen." Manche würden Bier und Pizza auch von anderswo holen. Es sei schwierig, das auseinander zu klamüsern. "Ich zahle als Privatperson und Geschäftsmann Steuern dafür, dass der Müll entsorgt wird."


Abfall überall vor dem TKS

Dass vor allem morgens Müll im Umfeld des Tourismus- und Kongress-Service (TKS) herumliegt, daran stört sich Tourismusdirektor Andreas Christel. "Das ist für unsere Gäste und Besucher kein Wohlfühlareal." Und: "Es ist nicht der Job meiner Leute, jeden Morgen den Müll einzusammeln." Da ein Teil der "Einwegbehältnisse" offenbar vom benachbarten Restaurant stammt, möchte Christel demnächst ein Gespräch mit Gastronom Jens Müller führen. Dieser sagte gegenüber dem FT, dass er noch keine Idee habe, wie das generelle Müllaufkommen in den Griff zu kriegen sei. "Es hätte keiner gedacht, dass da 80 Leute rumhängen."
Deren Anwesenheit hat übrigens durchaus auch positive Folgen, wie Ulrike Siebenhaar bemerkt: Bisher hätten uneinsichtige Hundebesitzer beim nächtlichen Spaziergang die Tretminen ihrer Haustiere nicht aus den Rasenstreifen zum Weg entfernt. "Die kommen da jetzt gar nicht mehr hin, denn dort sitzen die jugendlichen Pokémon-Spieler."

Kommentar von Redakteurin Anna Lienhardt


Auf die Mitmenschen achten

Einerseits ist die Freude darüber groß, dass ein Spiel junge Menschen wieder hinaus zieht an die frische Luft und zur Bewegung animiert - um ein Pokémon-Ei auszubrüten, muss der Spieler zum Beispiel eine bestimmte Anzahl von Kilometern laufen. Andererseits bringt das Handyspiel für große Menschenmengen oft typische Auswirkungen mit sich: Kein Anwohner sollte nachts auf zu laute Musik hinweisen müssen. Und Hinterlassenschaften in Form von Müll oder menschlichen Ausscheidungen müssen ebenfalls vermieden werden.

Dass einige Pokémon-Fans bereits Müllsäcke aufgehängt haben, selbst den Abfall - auch anderer Spieler - sammeln und Plätze sauber hinterlassen möchten, ist der richtige Weg. Wer Hunger oder Durst stillt, soll seine Verpackung wieder mitnehmen und entsorgen. Oder einfach zu Hause essen. Die beste Lösung jedoch: Müllvermeidung. Das Spiel für eine halbe Stunde unterbrechen, um in einem Restaurant in der Nähe Platz zu nehmen und zu essen - so viel Zeit muss sein.