Wer genau hingesehen hat, konnte es bemerken: Zum souveränen Faschingszug-Profi fehlt dem Hallstadter noch ein klitzekleines Stück. Er musste gestern erst ein wenig überredet werden, bei den Bechern hoch vom Wagen droben zuzugreifen. Bei der Kamelle allerdings klappt alles schon professionell: Etliche Stoff- und Plastiktaschen waren bereit, in ihren Bäuchen das großzügig unters närrische Volk katapultierte süße Wurfgut zu verstauen. Und: Der Hallstadter kann doch Stimmung machen, wenn er nett animiert wird. Nur positiv kommentierten alte Hexen, junge Cowgirls, wilde Tiere, Monster und auch ganz und gar Unmaskierte den zweiten Hallstadter Gaudiwurum nach seiner Wiederbelebung im vergangenen Jahr. "Zeit ist es geworden, dass wir so was kriegen", findet Matthias Eichhorn (33).

Jochen Grampp aus Bischberg wiederum bedauert, dass es in seiner Gemeinde keinen Umzug gibt, deswegen ist er mit Ehefrau Claudia, Tochter Xenia und Nichte Carina heute hier und am Faschingsdienstag in Eltmann.
Wenn Hallstadt schon so einen Zug auf die Bein stellt, heißt es für fast die Hälfte der Bevölkerung, "da simmer dabei", wie Elke Baureis, Leiterin der Tagespflege. das Tages-Motto formuliert. So sitzt auch Irma Zenk (90) begeistert in der ersten Reihe, im Rollstuhl.

Begeisterung pur

Überall: Begeisterung pur ob der Veranstaltung, die der Faschingsverein da stemmt. "Die Stimmung ist super, genauso die Organisation," zeigt sich Christian Nehr angetan. Der Zug mit seinen 25 Gruppen habe genau die richtige Länge. Dem können Ingrid Helmreich und ihr Mann Gerhard nur zustimmen. Nach dem Beginn 2014 sehen sie nun eine deutliche Steigerung.

"Hallstadt ist aufgewacht und hat bei den Faschingszügen den Anschluss bekommen," freut sich der Wahl-Hallstadter Rolf Rutz. Zu einer Stadt mit dieser Größe und Narrenhochburgen in der Nachbarschaft sei die Zeit reif für einen Gaudiwurm, meint der 69-Jährige. "Hut ab, dass die Organisatoren sich im letzten Jahr an einen Anfang gewagt haben." Ein bisschen Starthilfe freilich haben sie vom Karnevals-Profi und Nachbarn aus Memmelsdorf erhalten. Der rollt mit Prinzenpaar Prinzenpaar Andrea I. und Maximilian-Paul I., Garde und Elferrat an.

MCC-Präsident Hans-Werner Müller sagt ganz selbstbewusst: "Wir sind die Obernarren." Nach dem Memmelsdorfer Faschingszug habe schließlich auch Bamberg erst nachgezogen und nun tue das Hallstadt. Selbstverständlich kommt Nachbarschaftshilfe auch aus Oberhaid. "Bevor wir arbeiten, gehen wir lieber auf den Fasching", sagt ein narrisch gut gelaunter Zweiter Bürgermeister Peter Deusel.

Oberhaid sei Hallstadt immer ein Stück voraus, stichelt er. Einer der Oberhaider Mottowagen fährt voll auf einen ausgebauten Feldweg ab, der zur Rennstrecke mutiert ist. Unterstützung kommt auch aus Kemmern: Die "Läusniegel" schicken ihren Wickie-Wagen auf die Suche nach dem Namensgeber.

Letzter Wagen abgehängt

Dass im Hallstadter Zug der letzte Wagen ein bisschen abgehängt wurde, ist das Einzige, was ein Paar aus Windischletten zu kritisieren hat. Kritisches bewegt der Gaudiwurm gleichfalls: Etwa, dass der Musikverein 35 wird und noch immer ohne eigenes Heim ist. "Gretas Stammtisch" fragt hintersinnig, was mit Hallstadts "alter Mitte" ist, und mit Humor nimmt die SPD ihre derzeitige Lage: Abgetaucht, ist sie die "Red Pearl."

Beim Finale am Marktplatz taucht dann Bürgermeister Thomas Söder - mit Konfetti im Haar - auf und will den Rathausschlüssel zurück. Nur wenn er eine Stadtratssitzung in rotem Jacket und mit grünem Schal abhält, nennt der Chef des Faschingsvereins, Manuel Reitberger die Auslösebedinungen. Gebongt. Die Narren hatten ihren Spaß. Womit der Gaudiwurm wohl weiter wächst. Vermutlich wird mit der Zeit auch das Vertrauen in die weißen Becher, die von den Wägen gereicht werden, wachsen.