"Bamberg ist Slamberg" - und Slamberg expandiert: Gab's 2014 die erste "Slam Symphony" mit den Bamberger Symphonikern, so folgte im vergangenen Frühjahr die Premiere der "Jazz-Poetry-Slam"-Reihe. Der "Dead or Alive Slam", bei dem sich lebende mit längst verblichenen Poeten messen, sorgte für Furore. Und nun steht als weiteres Format der erste "Boogie Poetry Slam" an. "Warum nicht noch eine Note hinzufügen?" fragten sich die Initiatoren - Christian Ritter und Ulrich Zenkel, um am 14. Januar das neueste Experiment aus dem Slamberg-Kosmos als Antwort zu präsentieren. Auf der Bühne der Alten Seilerei werden fünf Poetry-Slammer mit der Band "Boogiemen's Friends" das Publikum erwarten.


Innovatives Konzept

"Die Kombination Boogie und Poetry gab es weltweit noch nie", meint der Bamberger Boogie-Woogie-Pianist Ulrich Zenkel. So sei er auf den Gedanken gekommen, die beiden Genres zu verbinden. "Zumal ich sehr begeistert vom ersten Jazz-Poetry-Slam in der Alten Seilerei war. Warum sollte das nicht auch mit Boogie Woogie funktionieren?"



Neues austesten

Offene Türen rannte der Student bei Slam-Veranstalter Christian Ritter ein: "Ich teste gerne neue Formate aus, hatte mit Boogie und Blues bislang wenig am Hut, fand das Konzept aber sehr reizvoll." Neu dabei sei auch, dass sich Musik und Wortbeiträge im Verhältnis 50:50 gegenüberstünden. Das Publikum bekäme demnach Stücke der Band in voller Länge live geboten, auf die sich die einzelnen Slamtexte beziehen. "Die Slammer haben im Vorfeld eine Liste mit 20 Titeln und suchen sich jeweils einen aus, um ihren Text daraufhin zu schreiben oder anzugleichen."



Das Publikum entscheidet

Genommen wurden auf diese Weise beispielsweise "Shim Sham Shimney", "Everyday I have the Blues" und "Baby won't you please come home". Ob sich die Texte dann nur auf den Refrain, auf bestimmte Inhalte oder die musikalische Stimmung beziehen, sei den Wettbewerbern überlassen. Die Publikumsjury würde später demnach auch den Musik-Text-Bezug bewerten. "Ansonsten ist alles wie gewohnt: Es gibt fünf Teilnehmer, eine Vorrunde nach dem erwähnten Ablauf und ein freies Finale. Ich moderiere", so Ritter.



Leipziger Stadtmeisterin


Aus Städten quer durch die Republik kommen die Slammer, die beim ersten "Boogie Poetry Slam" zu Gast sind: Angefangen bei Louise Kenn, die seit 2014 auf der Bühne steht. "Weil es mir nicht mehr ausreichte, nur meinen Freunden meine Meinung aufzudrücken", wie die Leipziger Stadtmeisterin im Poetry Slam auf ihrer Homepage sinnierte. Aus Krefeld reist Johannes Floehr an, der sich im Netz mit Zitaten aus seinem ersten Grundschulzeugnis präsentiert, um Besucher nicht mit 08/15-Pressetexten zu langweilen.



Gründer des Freiraum Slams

Flo Langbein ist als Bamberger Lokalmatador mit von der Partie: Der Gründer des Freiraum Slams und fränkische Poetry-Slam-Meister kam zu seiner Passion, weil er sich mit Freunden vor Jahren "in die Illusion hineinträumte, eine Punkband zu gründen". Das brachte den kreativen Kopf dazu, Texte zu schreiben. "Die Illusion verschwand, das Schreiben blieb", bilanziert Langbein, der nun als Performance-Poet in der Alten Seilerei neben Kenn und Floehr auftritt. Daniel Wagner aus Heidelberg und Egon Alter aus Darmstadt wurden als weitere Protagonisten des Abends gerade bekannt.



So rollen "Boogiemen's Friends" am Samstag für fünf Slammer den roten Klangtepppich aus. Poesie und Musik fließen ineinander. Und trägt "das Boogie-Poetry-Slam-Konzept Früchte", wie sich Ulrich Zenkel ausdrückte, soll es nicht bei einer einmaligen Veranstaltung bleiben. Zumal der Pianist von einem generationenübergreifenden Konzept spricht: "Poetry Slams begeistern ja eher Jüngere, während Boogie Woogie die eher Älteren anspricht." Obwohl es sich dabei "um die heißeste Musik, die je fürs Klavier erfunden wurde" handle.


Den Drive aufnehmen

Neben Zenkel gehören den "Boogiemen's Friends" , die seit 2012 gemeinsam auf der Bühne stehen, Julian Göller (Schlagzeug), Marc Hupfer und Valentin Findling (Klavier) an. Ihr Boogie Woogie Express rollt seit Jahren auch durch die Lande, um das Publikum bei großen Festivals wie Tollwood oder dem Kemptner Jazzfrühling zu becircen.


"Dead or Alive Poetry Slam" folgt

Jetzt sehen aber alle erstmal gespannt dem 14. Januar entgegen, an dem Poetry Slammer versuchen, den Drive des Boogie Woogie aufzunehmen und in eigenen Worten ans Publikum weiterzugeben.Knapp drei Wochen später steht dann auch schon der nächste "Dead or Alive Poetry Slam" im E.T.A.-Hoffmann-Theater an, bei dem Slam-Poeten mit ihren Texten gegen Klassiker der Weltliteratur antreten, verkörpert von Schauspielern des Theaters.