Ein Naturschutzprogramm des Bundes hat die Pläne dreier Landkreisgemeinden ausgebremst, gemeinsam mit der Stadt Bamberg ein Gewerbegebiet im Hauptsmoorwald zu entwickeln. Memmelsdorf, Litzendorf und Strullendorf hatten vor allem deshalb im August 2012 den Antrag gestellt, das mehr als 2000 Hektar große gemeindefreie Gebiet im Hauptsmoorwald in ihre Gemeindegebiete einzugliedern. Als Filetstück galt dabei das Areal am sogenannten Panzerwaschplatz, auf das zuvor schon die Stadt Bamberg ein Auge geworfen hatte.

Mit der bereits teilweise erfolgten Erschließung für die militärische Einrichtung und der direkten Anbindung an die Autobahn, schien dies ein idealer Gewerbestandort zu sein. Man verständigte sich schließlich darauf, einen Zweckverband zu bilden, um dort auf einer Fläche von etwa 60 bis 80 Hektar ein Gewerbegebiet zu entwickeln und sich die Erträge zu viert zu teilen. Noch im Sommer vergangenen Jahres wurden die Pläne forciert und die baldige Ausarbeitung einer entsprechenden Satzung angestrebt.

Naturschutz schon lang gefordert

Ein Termin bei der Regierung von Oberfranken brachte dann für alle Beteiligten neue Erkenntnisse. Ein gut 300 Hektar großes Areal, das sich im Besitz des Bundes solle unter Naturschutz gestellt für das Nationale Naturerbe (NNE) reserviert werden. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen, waren alle überrascht, von der ökologischen Hochwertigkeit der Fläche. Die Regierung gab an, man habe erst im Herbst die notwendigen Informationen von der US-Armee erhalten.

Naturschützer hatten jedoch zuvor schon gefordert, große Bereiche des US-Militärgeländes zum Naturschutzgebiet zu erklären. So hatte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz bei einem Besuch in Bamberg bereits im Oktober 2013 die Befürchtung geäußert, dass "die als Nationales Naturerbe gesicherten Flächen der ehemaligen Muna Bamberg" zur Disposition stünden, weil die Stadt das Gelände gewerblich nutzen wolle. Vom Panzerwaschplatz war bei diesem Anlass allerdings nicht die Rede.

Die Anlage selbst soll auch gar nicht unter Schutz gestellt werden. Sie ist allerdings vom Schutzgebiet umgeben. Für ein Gewerbegebiet reicht die Fläche nicht aus. Zudem ist dort von mit allerlei Altlasten im Boden auszugehen. Die aufwendige und wohl teure Sanierung müssten die neuen Eigentümer übernehmen.

Von daher hat man von Seiten des Landkreises und der Gemeinden offenbar kein Interesse mehr, das Projekt Gewerbegebiet weiter zu verfolgen. "Auf Grund der neuen Entwicklungen wird der Landkreis die Verwirklichung des geplanten gemeinsamen Gewerbegebiets an dieser Stelle nicht weiterverfolgen", teilt Steffen Nickel, Bürochef von Landrat Johann Kalb auf Anfrage mit. Die Artenvielfalt der Tierwelt und der Naturschutz in der Region seien ein hohes Gut, das es zu bewahren gelte.

Neue Konzepte müssen her

Gerd Schneider, Bürgermeister von Memmelsdorf - auf dessen beanspruchtem Gebiet die Panzerwaschanlage liegt -, stellt sich nun gar die Frage, ob der Antrag auf Eingliederung des gemeindefreien Gebietes überhaupt weiter verfolgt werden soll. "Die Frage ist, was wir dort überhaupt noch tun können", sagt er. Vorstellen kann er sich etwa eine Einbindung des Naturschutzgebietes in das Tourismuskonzept der "Fränkischen Toskana". Konkrete Überlegungen jenseits eines Gewerbegebiets gebe es aber noch nicht.

"Man hätte die Sache von vornherein nicht so blauäugig angehen dürfen", meint der seit knapp einem Jahr amtierende Bürgermeister. Ihn ärgert vor allem, dass er erst per Zufall erfahren habe, dass das Schutzgebiet im Dezember in Berlin bereits auf der Tagesordnung stand, und nur aus Zeitgründen vertagt wurde. "Das wäre eine Entscheidung über unsere Köpfe hinweg", kritisiert Schneider.

Dass man sich seitens der Gemeinden nun keine Illusionen mehr bezüglich eines gemeinsamen Gewerbegebiets macht, bestätigt auch Litzendorfs Geschäftsleiter Günter Rahm, der den Beginn der Diskussion noch als Mitarbeiter im Büro des Landrats kennt. Man stehe hinter der Entscheidung für den Naturschutz und akzeptiere das. Der Antrag auf Eingliederung eines Teils Hauptsmoors ins Gemeindegebiet bleibe vorerst bestehen, auch wenn dessen Nutzung "sehr eingeschränkt" sei.