Still und andächtig bleiben immer wieder Passanten in der Langen Straße stehen, blicken auf die Blumen, die Kerzen und die Fotos in einer Laden-Passage. "Ohne dich... Zwei Worte so leicht zu sagen und doch so endlos schwer zu ertragen", heißt es auf einem der Zettel. Und auf einem großen Transparent steht "Trauer um Michael" - darunter war wohl ein weiterer Satz angefügt, doch der wurde überklebt und kann nicht mehr entziffert werden.
Den Menschen, die an dem Platz verharren, wird bewusst, dass sie am Tatort eines tödlichen Verbrechens verharren. Freunde und Kollegen erinnern so an Michael G. Der 35-Jährige ist das Opfer der Messerattacke, zu der es am Freitagnacht gegen 3 Uhr kam. Zuvor sei er laut Ermittlungen der Polizei mit einem Bekannten (ebenfalls 35) in Streit geraten. Die Auseinandersetzung eskalierte, und der mutmaßliche Täter soll ein Messer gezückt und es dem gelernten Maurer in die Brust gestoßen haben.

Michael G. brach blutend zusammen. Im Anschluss rannte der Angreifer davon. Nachbarn aber hatten die Tat mitbekommen und die Polizei alarmiert. Die Beamten konnten den mutmaßlichen Täter rasch festnehmen. Michael G. kam schwer verletzt in eine Klinik. Dort verstarb er am Sonntag aufgrund seiner schweren Verletzungen. Gegen den Tatverdächtigen erging bereits Haftbefehl. Der Mann sitzt wegen des Verdachts auf Totschlags in U-Haft. Die Betroffenheit unter den Bekannten des Opfers ist groß. Jahrelang spielte Michael G. beim SC 08 Bamberg, absolvierte trotz einer Verletzung die Trainingsvorbereitung für die neue Saison.

SC-08-Spielleiter Oliver Greim sagt gegenüber inFranken.de "Der ganze Verein ist fassungslos. Wir konnten zuerst gar nicht glauben, was da passiert ist." Er beschreibt Michael G. als umgänglichen Typen und Sportkameraden: "Auf ihn konnte man sich 100-prozentig verlassen. Wenn etwa Arbeitsdienste für den SC 08 anstanden, war er immer einer der ersten, der mit anpackte. Der Nullacht war seine Familie! Er war einer der feinsten Kerle, die ich kenne."

Noch am Donnerstag war er zum Training gekommen und hatte Spaß auf dem Platz. Das ganze Wochenende über saßen viele Mitglieder des SC 08 im Sportheim zusammen und hofften, dass Michael G. die Messerattacke überlebt. Vergebens. Oliver Greim: "Das ist eine Tat, die mich sprachlos macht. So ein Gewaltausbruch in unserer Stadt, das habe ich nicht für möglich gehalten." Michael G. spielte als Offensivmann in den letzten Jahren für den SC 08 Bamberg, aber auch für den ASV Naisa. Der wuchtige Stürmer, sein Spitzname lautete "Bull", war bekannt für seine robuste Spielweise, schonte weder sich noch seine Gegner. Er hinterlässt eine kleine Tochter. Bereits am Sonntag versammelten sich viele SC 08- Freunde am Tatort in der Langen Straße und legten dort als erste Blumen sowie auch persönliche Gegenstände von Michael G. nieder.

Schweigen über das Motiv

Über den genauen Tathergang schweigen die Ermittler. Staatsanwalt Christopher Rosenbusch: "Aus ermittlungstaktischen Gründen können wir derzeit dazu keine weiteren Aussagen machen." Darunter fällt auch das mögliche Motiv, das zu der Messerstecherei führte. Es scheint aber wohl so, dass Täter und Opfer sich kannten. Michael G. wohnte zudem in dem Haus, in dessen Eingangsbereich sich die Bluttat ereignete. Ob ihn dort auch der Messerstecher abpasste oder sich beide eher zufällig trafen, bleibt unklar.

Laut Informationen von inFranken.de soll aber der mutmaßliche Täter Michael G. kurz vorher bedroht haben. Ein Vorfall, der die Ermittler der Kriminalpolizei nun auch brennend interessiert. War nämlich bei der Tat Vorsatz im Spiel, dann könnte es sich bei entsprechender Voraussetzung sogar um Mord handeln. Die Freunde von Michael G. klammern sich derweil an die schönen Stunden und haben dazu folgende Gedanken hinterlassen: "Verloren haben wir nur die, an die wir uns nicht mehr erinnern. Die wir im Herzen tragen, leben in uns weiter." Ein Satz, der Trost spenden soll - vor allem der kleinen Tochter von Michael G., die wohl noch oft nach ihrem Vater fragen wird.