Der Firmenboss kommt höchstpersönlich. Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Brose und in dieser Funktion mitverantwortlich für 19 000 Arbeitsplätze weltweit, rührt die Werbetrommel für ein Konzert in der Stechert-Arena. Warum ein solcher Aufwand? "Die Aufgaben, die ich mache, möchte ich richtig machen", sagt der 65-Jährige.

Worte, die man ernst nehmen muss. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Weltkulturerbe Bamberg hat schon im vergangenen Dezember für Aufsehen gesorgt, als bekannt wurde, dass er ein Sozialprojekt in Bamberg mit einer Millionensumme aus seiner Privatschatulle unterstützt.

Bei einem Pressegespräch in der Stechert-Arena erwähnt er beiläufig, dass der Antragsberg bei der Förderung von privaten Bausanierungen aus der Weltkulturerbestiftung von 176 Projekten auf null gesunken ist.
Stoschek sagt nicht, wie viel ihn die Intervention gekostet hat. Sicher ist: Angesichts des normalen Ertrags der Stiftung, 150 000 Euro im Jahr, hätte es Ewigkeiten gedauert bis die privaten Bauherren zum Zug gekommen wären.

Doch Stoschek ist nicht nur ein Förderer Bambergs. Er fordert es auch. Beispiel Benefizkonzert der Bamberger Symphoniker am 19. Juli dieses Jahres in der Stechert-Arena. Sieben Wochen vor dem kulturellen Großereignis sind erst 2000 Karten verkauft. 2000 weitere Karten müssten noch über die Ladentheke wandern, um das Projekt zu einem Erfolg zu machen. Deshalb lädt Stoschek alle Bamberger ein, sich das Ereignis nicht entgehen zu lassen. Er setzt auf die Solidarität der Bamberger für ihre Heimatstadt.

36 Euro kostet ein Stehplatz, für 52 Euro sind Plätze in den vorderen Reihen zu haben. Das ist nicht gerade wenig für ein nicht allzu langes Konzert. Doch es gibt gute Argumente, am 19. Juli mit dabei zu sein in der Stechert-Arena. Zum Beispiel jenes, dass man die Carmina Burana von Carl Orff in dieser Wucht wohl so schnell nicht mehr wird hören können. 80 MItglieder der Bamberger Symphoniker und 527 Sängerinnen und Sänger haben sich bereit erklärt, das berühmte Chorwerk aufzuführen. Dafür muss die Arena dafür mit einem Riesenaufwand in einen Konzertsaal umgewandelt werden.

Mindestens genauso zählt aber der ideelle Aspekt. Wer das Kulturereignis besucht, trägt damit zum Erhalt eines der größten Bamberger Wahrzeichens bei - eine Herausforderung, die noch größer zu werden scheint als dies noch Ende 2012 zu befürchten war. Denn beim Schadenbild, das sich nach dem Herausbrechen eines Putzbrockens aus einem Fenstergewölbe abzeichnete, ist es nicht geblieben.

Es sind nicht nur die barocken Bausünden, die verhängnisvolle Schubkräfte in dem mittelalterlichen Gebäude auslösen. Auch der Baugrund scheint zur dramatischen Lage in der Klosterkirche beizutragen, wie Stiftungsreferent Bertram Felix auf unsere Nachfrage sagte. Felix, sonst kein Mann der scharfen Formulierungen, spricht von einem "Totalschaden" auf dem Michaelsberg. Denn es müssen so gut wie alle Bauteile überholt werden: Der gewaltige barocke Dachstuhl, an dem die Gewölbedecke mit dem berühmten Himmelsgarten und seinen 600 Pflanzendarstellungen aufgehängt ist; ebenso das Mauerwerk des Langhauses, das die barocken Baumeister auf 14 Meter hochzogen, ohne für eine statisch wichtige Abstützung durch Pfeiler zu sorgen.

Zuletzt: die Dientzenhofer-Fassade, die den Türmen um 1700 vorgeblendet worden war. Sie droht das Langhaus förmlich zu zerreißen, weil sie keine ausreichende Gründung besitzt und wie ein Rucksack an den Türmen hängt.

Wie viele Millionen die Sanierung kosten wird und wie lange die Kirche aus Sicherheitsgründen gesperrt sein wird, lässt sich wegen der komplexen Schadensbefundes zur Zeit nicht einmal abschätzen. Unzweifelhaft ist nur: Die Bürgerspitalstiftung, der St. Michael gehört, sieht sich außer Stande, diese Aufgabe alleine zu schultern. Sie braucht jede Hilfe, die sie bekommen kann.