74 Kommunen aus ganz Bayern sind in diesem Jahr beim Landeswettbewerb "Modellhafte Stadt- und Ortssanierung - Lebensräume für die Bürger" angetreten. Fünf davon wurden für ihre städtebaulichen Projekte als Sieger gekürt: Neben Kaufbeuren, Landsberg am Lech, Rosenheim und Ochsenfurt (Landkreis Würzburg) hat es auch Litzendorf in diesen auserlesenen Kreis geschafft. Dabei konnte Litzendorf als kleinste Gemeinde mit ihrem Konzept der Innenentwicklung überzeugen.

Der Wettbewerb wurde von der Oberste Baubehörde im Innenministerium für alle Kommunen Bayerns ausgerufen, die sich mit städtebaulichen Maßnahmen im öffentlichen Raum beschäftigen.
Beispielhafte Gestaltungen von Stadt- und Gemeindeplätzen, Wegen, Grünflächen, Quartierplätzen sowie des Wohnumfeldes sollten den Schwerpunkt bilden.

Die städtebauliche Weiterentwicklung der Gemeinde ist in Litzendorf bereits seit dem Jahr 2007 ein Thema, als Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) und der Gemeinderat in einer Vorstudie erste Leitlinien festlegten. Die Fragestellung war laut Möhrlein: Was sollte passieren, damit Litzendorf angesichts vieler Problemstellungen lebendiger und attraktiver für seine Bewohner würde? "Im Entwicklungskonzept trugen Fachleute Daten und Empfehlungen zusammen, Bürger fungierten als Experten vor Ort", berichtet Möhrlein. "Die ,Neue Mitte Litzendorf' sollte Menschen anziehen, Raum geben für Begegnungen und Engagement für Bürger. Sie sollte eine positive Strahlkraft nach Außen erhalten und damit den Ort stärken."

Dem Bürgermeister zufolge kamen über 150 Menschen zur Auftaktveranstaltung 2008 zum Thema "Städtebauliche Entwicklung". Mehr als 60 trugen sich in Arbeitsgruppen ein, um an den Zielsetzungen für vier verschiedene Handlungsfelder zu arbeiten. Dabei arbeiteten die Bürger selbst heraus, welche Funktionen diese "Neue Mitte" vereinen sollte.

Auf der Wunschliste ganz oben standen ein Bürgerhaus mit Bücherei, Spiel- und Sportangebote, Naherholung und Treffmöglichkeiten. Dies alles sollte sich in unmittelbarer Nähe zu bestehenden Gastronomiebetrieben, der Bäckerei, dem Dorfladen, einigen anderen kleinen Geschäften und in der Nachbarschaft des neu gebauten Seniorenwohnheimes befinden. Realisiert wurden aber auch noch weitere Aspekte.

Bürgerhaus und Bücherei

In dem früheren Bauernhaus sind jetzt Räume für Arbeitsgruppen und Projektmanagement untergebracht. Es gibt eine Küche und ein barrierefreies WC. Im zentralen Raum, der gleichzeitig Eingangsbereich ist, befindet sich ein Tourismusbüro für die "Fränkische Toskana".

Die Gemeindebücherei wird seit Jahren von mehr als 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betrieben. Sie hat nun einen eigenen Neubau erhalten. Das Konzept zeigt Erfolg: Nach dem Umzug stieg die Zahl der Ausleihen auf über 50 000 pro Jahr an, verlautet vom Büchereiteam.

Platz am Bach und "Tanzwiesen"

Der Bach, der sich zuvor verrohrt, einbetoniert oder zugewuchert zwischen Privatgrundstücken hindurch schlängelte, wurde durch die Neugestaltung erreichbar gemacht. Der Bachlauf wurde geweitet und mit großen Steinen aufgeraut. Durch den Erwerb des bäuerlichen Anwesens "Am Wehr" konnte zudem ein neuer Platz geschaffen werden, wo ein Holzdeck Sitzmöglichkeiten am Wasser bietet. Ein Steg verbindet nun beide Ufer. Am östlichen Rand der großen Grünfläche "Tanzwiesen" wurde 2009 ein neues Seniorenzentrum errichtet.

Die bestehenden Plätze für Basketball, Beach-Volleyball und Fußball mussten dafür weichen, wurden aber neu errichtet. Obwohl es Bedenken wegen einer möglichen Lärmbelästigung gab, entschied die Gemeinde, die Freizeitanlage in der unmittelbaren Nachbarschaft des Seniorenzentrums zu belassen. "Die Erfahrung zeigt, dass ein sehr gutes Miteinander der Nutzungen möglich ist", stellt Bürgermeister Möhrlein nun fest. "Die Senioren erfreuen sich am Treiben auf den Sportflächen, deren Nutzer wiederum nehmen Rücksicht auf die Ruhezeiten der Senioren."

Barrierefreiheit und Licht

Besonderer Wert auf eine barrierefreie Gestaltung wurde in Litzendorf nicht nur in den Gebäuden gelegt. Auch bei den Wegen und Plätzen wurden Elemente wie stufenlose Übergänge und Leitsysteme berücksichtigt.
Bei der Beleuchtung wollte man im Umfeld des Bürgerhauses und der Bücherei neue Wege gehen. Deshalb ließ man sich durch studentische Arbeiten des Lehrstuhls Design der Fachhochschule Coburg verschiedene Lösungen aufzeigen. Diese bildeten die Grundlage für einen Lichtplan. Das Ergebnis fasst Möhrlein so zusammen: "Die angestrahlten Fassaden und Dachflächen schaffen Atmosphäre, erleichtern die Orientierung und verhindern Vandalismus."

Es geht weiter

Auf den Lorbeeren will man sich in Litzendorf freilich nicht ausruhen. Als nächstes wird die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt angegangen. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen und sollen bis Frühjahr 2015 abgeschlossen sein. Ziel ist es, die Sicherheit für Fußgänger zu erhöhen und auch hier barrierefrei zu bauen. Es wird mehr Grün geben und das innovative Beleuchtungskonzept soll fortgeführt werden.