Michael Bauer singt von Krieg und Frieden. Er philosophiert über Freundschaft, Liebe, Homosexualität, den Sinn des Lebens und - Sofas. Sofas? "Ja, Sofas, die vom Sperrmüll kommen", erläutert der Bamberger Liedermacher, der am 26. April ab 20 Uhr Fans im Club Kaulberg mit "Riesen Sein" erwartet. Wir wollten mehr über den 24-Jährigen wissen, der sich seit sieben Jahren in der fränkischen Szene positioniert.

Storylines by Michael Bauer

inFranken:Reinhard Mey, Hans Söllner, Konstantin Wecker: Was zieht einen 17-Jährigen ins Liedermachergenre, das bekanntlich eher ältere Semester frequentieren?

Michael Bauer: Liedermacher wurde ich aus rein egoistischen und pubertären Gründen heraus: Ich wollte meine erste große Liebe durch eigene schnulzige Lieder davon überzeugen, dass ich ebenfalls seine große Liebe bin. Nur hat mein Vorhaben nicht gefruchtet: Ich spielte fürchterlich Gitarre, reimte "fly" auf "sky" und "pain" auf "rain". Da ich aber Spaß daran fand, meine Gefühle in Songs zu verpacken, blieb ich dabei. Und ab und zu bin ich sogar der Meinung, etwas zu sagen zu haben.


Keine Mission?
inFranken:Sie spielen also weiter aus reinem Eigennutz ohne die Welt verbessern zu wollen?

Michael Bauer: Ich habe keine Mission, kritisiere in meinen Texten aber auch manches - beispielsweise Intoleranz gegenüber Homosexualität. Ich propagiere Offenheit gegenüber allen Formen von Liebe, will dabei nur nicht unbedingt politisch werden. Ich möchte sagen, was ich zu sagen habe, und freue mich über jeden, der schmunzelnd zustimmt, weil er sich verstanden fühlt. Sollte das dazu führen, dass wir alle irgendwann gleich behandelt werden, ist das ein glücklicher Nebeneffekt. - Hmm. Weltfrieden? Wär' auch schön.

Without Water by Michael Bauer

inFranken: Ja, der Weltfrieden. Das Lieblingsthema aller Liedermacher. Sehen Sie sich etwa doch in der Tradition von Mey & Co.?

Michael Bauer: Schwierige Frage. Keine Ahnung. Ich denke, was mich von vielen Protagonisten abhebt, ist die Einfachheit meiner Lieder. Ich schreibe Popsongs und spiele sie mit Gitarre oder Klavier - ohne erhobenem Zeigefinger und nicht-enden-wollendem Selbstmitleid. Meine Musik soll Menschen glücklich machen oder melancholisch, dabei aber verständlich und nachvollziehbar sein.


Grönemeyer ohne Band

inFranken: Pop also statt Betroffenheitsrock: Gab es Kollegen, die Sie auf Ihrem Weg inspirierten?

Michael Bauer: Ich vergleiche mich gern inhaltlich mit Philipp Poisel oder auch Ed Sheeran. Zumal sie für diese Mischung aus Pop, Soul, Blues und Country stehen, die mir liegt. Dabei schreibe ich englische und deutsche Texte, wobei letztere langsam überhand nehmen. Um's für alle Generationen verständlich auszudrücken: Nimm Grönemeyer die Band und gib' ihm ne Gitarre: Das ist die Musik, die ich mache.

inFranken: Was waren die abenteuerlichsten Erfahrungen in den sieben Jahren, in denen Sie mittlerweile auf der Bühne stehen?

Michael Bauer: Mein erstes Konzert in der Blues Bar im Rahmen eines Auftritts der Royal Dentists. Bis heute bin ich Wredo als Live-Club-Betreiber dankbar, dass er mich spielen ließ (frage mich beim Hören alter Aufnahmen nur, warum?). Ein Erlebnis war auch mein Auftritt bei der Landesgartenschau als "Vorband" von Guildo Horn. Das war witzig, nachdem Guildo ein wahnsinnig wandelbarer Musiker ist. Weniger erfreulich die Resonanz bei einer Geschäftseröffnung im Landkreis, bei der ich spielte. Die Gäste sahen mich ratlos an und fragten sich offenbar, warum da ein kleiner dicker Junge sitzt und Lieder über Gefühle singt. Aber: Augen zu und durch!

Bitte by Michael Bauer

inFranken: Der "kleine dicke Junge" verbuchte inzwischen einige Erfolge.

Michael Bauer: Nun ja, ich habe an fünf verschiedenen Liedermacher-Slams in Bamberg, Fürth und Nürnberg teilgenommen - und jeden einzelnen gewonnen. Diesbezüglich bin ich tatsächlich stolz auf mich - vor allem angesichts der Konkurrenz, die nicht geschlafen hat. Sehr geehrt fühlte ich mich auch, als Arnd Rühlmann mein Lied "Still daneben" in seinem Chanson-Programm mit Jürgen Heimüller spielen wollte. Das Ergebnis war sehr bewegend. Wann sonst hört man schließlich die eigenen Lieder in der Coverversion zweier talentierter Musiker?

inFranken: Eignet sich unsere rocklastige Region aber als Sprungbrett für eine Liedermacherkarriere?

Michael Bauer: Bamberg ist eine atemberaubend schöne Stadt, eine bunte Stadt mit Flair. Als Künstler hat man hier fabelhafte Möglichkeiten, sich zu präsentieren und relativ schnell einen Namen zu machen. Dennoch möchte ich irgendwann mal erleben, wie es ist, als Fremder in eine neue Stadt zu ziehen. Wobei ich weiß, dass mich meine Liebe zu Bamberg auf absehbare Zeit doch wieder zurückbringt.

This Man by Michael Bauer

inFranken: Nun aber zu Ihrem Programm "Riesen Sein": Was verbirgt sich dahinter?

Michael Bauer: "Riesen Sein" ist mein zweites Programm mit ausschließlich eigenen Liedern nach "Wenn Zeit vergeht..." Es dreht sich um Aufbruchsstimmung, Rastlosigkeit, Fernweh. Die Transformation vom Zwerg zum Riesen wird thematisiert - und, ob so was überhaupt möglich ist. In verschiedenen Sprachen erzähle ich davon, was Menschen auf der Zielgerade heutzutage alles begegnen kann - zumal man sein Ziel oft erst erkennt, wenn man direkt davor steht. Ich werfe Fragen auf, um sie musikalisch zu beantworten. Wie etwa auch "Kann man ausbrechen, wenn man eigentlich frei ist?"

inFranken: Eine komplizierte Frage. Blieben noch die Sperrmüllsofas: Inwieweit fließen Erlebnisse damit oder darauf in "Riesen Sein" ein?

Michael Bauer: Seit ich alleine wohne, habe ich mir kein Möbelstück in einem Möbelhaus gekauft. Was für andere ausgedient hat, verwende ich weiter, wie eben Sperrmüllsofas. Nur besaß ich auf meinem nun ausgewechselten alten irgendwann so viele Erinnerungen an Abende mit Wein und Bier, tiefschürfende Gespräche und vergangene Liebschaften, dass ich mir nun ein neues Sofa sicherte: Ein neues Sperrmüllsofa, das somit zum Thema wurde.