Du hast 'ne Band? Cool! Du singst, oder?" Diese Frage, nein, diese Feststellung kommt häufig von Leuten, mit denen ich mich über Interessen und dies und das unterhalte. Sie meinen es nett. Und die Frage ist ja auch nicht unhöflich. Aber sie geht mir seit fast 25 Jahren, in denen ich Musik mache, echt auf die Nerven!

"Female fronted" ist kein Genre

Ja, ich singe. Auch. Aber ich bin hauptsächlich Gitarristin einer Punk-Rock-Band. Meine beiden Mitmusikerinnen spielen Bass und Schlagzeug. Die singen auch. Wir sind nicht nur "female fronted", was übrigens kein Genre ist (!), wir sind ausschließlich Frauen. Wir machen Songs über das Leben, über die Liebe, wir machen laute Musik. Alles prima.

Interessant ist, dass wir in letzter Zeit öfter Auftrittsanfragen bekommen à la "Also äh, wir hätten gerne auch eine Frauenband im Programm". Häh?! Finden sie jetzt unsere Musik gut oder haben sie Angst, ohne Frauen im Programm als Sexisten dazustehen?!

Wozu dieser gefährliche Autosexismus?

Ein befreundeter Musikjournalist meinte mal, ich hätte nun mal "den Frauenbonus" (er drückte es rustikaler aus), darüber könne ich mich jetzt ärgern oder ihn als Vorteil nutzen. Hmm, tja ...

Aber warum machen so viele Leute sich überhaupt einen Kopf darum, ob da männlich/weiblich/divers auf der Bühne steht? Hier mein Vorschlag für eine ungezwungene Konversation über Musik: "Hmm, also die Band ist ja ziemlich cool/uncool und deren Musik finde ich total stark/total öde." Damit ist alles klar. Klar dürfen uns die Leute sagen, dass sie uns obendrein hinreißend finden. Nehmen wir als Kompliment. Aber: Für alle, die ihr Kompliment mit den Worten "Also für eine Frauenband ..." einleiten, regnet es ab sofort Ohrfeigen!

Schlimmer noch als öden Chauvinismus finde ich etwas, das ich Autosexismus nenne. Ich weiß nicht, ob es einen Fachbegriff dafür gibt. Dabei geht's nicht um Autos, sondern um Magazine und Festivals - ausschließlich von Frauen ausschließlich für Frauen. Auch wir bekommen oft den Tipp, uns mal bei "Frauenbandfestivals" zu bewerben und unsere Platte an "Frauenbandmagazine" zu schicken. Deswegen gab's schon Krach in der Band, denn ich empfinde das eben nicht als "tolle Chance für uns", sondern als eine gefährliche Form der Selbstausgrenzung. Warum soll ich freiwillig im Nebengebäude des Kulturbetriebs feiern?!

"Wann kommt euer Schlagzeuger?"

In den 25 Jahren, in denen ich Musik mache, hat sich viel getan. Heute fragt kein Tontechniker beim Anblick dreier Musikerinnen mehr: "Wann kommt denn euer Schlagzeuger?" Heute fachsimple ich mit Musikern über Gitarrensounds, wir tauschen untereinander Schallplatten. Alles prima. Alles auf Augenhöhe. In der Subkulturszene klappt's.

Es wird Zeit, dass Gleichberechtigung auch im professionellen Kulturbetrieb normal wird. Dank #MeToo ist viel ins Rollen gekommen. Deshalb: Künstlerinnen, verlasst das "Girls only"-Planschbecken und stürzt euch ins Schwimmerbecken - mit Anmut oder Arschbombe! Sonst verraten wir #MeToo und treffen uns alle im Neo-Viktorianismus wieder!

Die Autorin ist Redakteurin bei der Mediengruppe Oberfranken und Gitarristin der Punk-Rock-Band The Come And Go-Gos. thecomeandgogos.bandcamp.com