Rassistische Übergriffe haben sie nie erlebt. Gewalt gegen Homosexuelle sahen sie allenfalls in den Nachrichten. Auch mit einer aggressiven Neonazi-Szene bekamen es die Franken nie zu tun. Warum also schlossen sich Andreas Eckschmidt, Johannes und Christian Lurz zusammen, um für Ideale wie Toleranz und Menschlichkeit zu kämpfen? "Weil rechtes Gedankengut in vielen Köpfen lebt, obwohl sich die meisten dessen kaum bewusst sind", sagt Eckschmidt. Im stillschweigenden Einvernehmen würden auf diese Weise Andersgläubige, Andersartige und Andersdenkende ausgeschlossen, nur weil sie aus dem Raster fallen. "Das erleben wir seit Jahren, kritisieren wir seit Jahren und wollten irgendwann nicht länger zusehen", so der 18-Jährige: "Hardcore for a positive lifestyle" ist die Antwort des Trios auf die schleichende Fremdenfeindlichkeit und Homophobie, die hinter vorgehaltener Hand gepflegt wird, aber das Miteinander bestimmt.

Aus der Reserve locken
Allerdings ist's schwer, in einer Gesellschaft Gehör zu finden, die die steigende Kommunikations- und Informationsflut kaum bewältigen kann. Flyer verteilten "Hardcore 4 a positive lifestyle", um Menschen aus der Reserve zu locken. "Viele glauben ja blind, was Politiker ihnen vorsetzen statt das Geschehen zu hinterfragen und sich eigene Gedanken zu machen." In Kürze nun die erste Veranstaltung mit Bands, die für die gleichen Ideale wie die drei Freunde eintreten: Save Today, die als Bamberger Band Melodic Hardore spielen, Emma Stoned, die sich als Hofer Formation zwischen Punk und Alternative Rock bewegen, und No Surender als Kissinger Hardcore-Vertretern.


Um 19.30 Uhr beginnt am 29. August das Konzert im Morph Club, dem die Organisatoren mit einigen Erwartungen entgegen sehen. "Wir möchten mehr Leute erreichen, die uns und unsere Initiative unterstützen", sagt Eckschmidt, der beruflich als Finanzkaufmann tätig ist, während Christian Lurz als Student und Johannes Lurz als Azubi noch für ihre Abschlüsse büffeln müssen. Ein Bindeglied, das das Trio zusammenschweißt, ist schließlich auch die Musik: "Hardcore Punk ist mehr als ein Stil. Es ist eine Philosophie, für die auch Bands wie Madball oder Sick Of It All stehen." Mit Nihilismus oder Anarchismus hat deren Intention wenig gemein. "Wir setzen auf konstruktive Kritik, die mehr bewirken kann als Ablehnung oder Resignation." So beobachten die Hardcore-Punk-Fans eben auch die wachsende Gleichgültigkeit, mit der viele auf politische und gesellschaftliche Missstände reagieren.




Subtile Form
Die subtile Form der Fremdenfeindlichkeit, die nicht in Pöbeleien oder offene Gewalt ausartet, hat Andreas Eckschmidt übrigens im eigenen Bekanntenkreis erlebt. "Eine Familie aus der Ukraine hatte sich aus dem Nichts eine Existenz aufgebaut und irgendwann sogar ein Häuschen auf dem Land leisten können." In zwei Jobs zehrte sich der Vater jahrelang auf. "Jetzt aber wurden die Leute schief angesehen und geschnitten. Dabei konnte keiner die Familie als ,Sozial-Schmarotzer' abstempeln, was man Zuwanderern ja gerne unterstellt."

Wie Eckschmidt, Johannes und Christian Lurz vor dem Hintergrund über die Intoleranz von Stars wie Bushido gegenüber Homosexuellen denken, dürfte jedem mittlerweile klar sein. "Es ist schlimm, welchen Einfluss Idole haben. Sie prägen das Weltbild vieler Jugendlicher: Erst hörst du Bushido, dann denkst du wie Bushido, Kollegah oder Farid Bang."

Der Konzerterlös fließt übrigens dem Jugendmigrationsdienst Oberfranken zu. So möchten "Hardcore 4 a positive lifestyle" die Bildungsarbeit unterstützen, mit der die nächste Generation interkulturell auf eine Weise sensibilisiert wird, dass sie sich ein eigenes und mehr als oberflächliches Bild vom Geschehen machen kann.