G8 oder G9 - das ist die Frage. Wie geht's weiter an Bambergs Gymnasien, an denen das Turbo-Abi noch immer Realität ist. Seit man sich vor 13 Jahren vom alten System verabschiedete, gibt es Kontroversen um den neuen Weg. Und Vorstöße von Politikern, die Uhren zurückzudrehen. In welche Richtung entwickeln sich die Dinge aktuell? Welche Befürchtungen, welche Hoffnungen gibt es? Wir hakten nach.

"Ich gehe davon aus, dass in Bayern noch in diesem Halbjahr die Entscheidung darüber fällt, ob das G 8 bleibt, oder es künftig wieder das neunjährige Gymnasium gibt", meint Landrat Johann Kalb als Vorsitzender des Zweckverbands der Bamberger Gymnasien. Wobei er hoffe, dass eine einheitliche Lösung für alle Schulen kommt. Präferenzen habe er nicht, so Kalb. "Wichtig ist nur, dass es einen aufs G8 oder eben das G9 entsprechend zugeschnittenen Lehrplan gibt."


Schon wieder Geschichte

Viele Schulleiter wünschen sich dem Landrat zufolge eine Rückkehr zur Langform: Also den Abschied vom Turbo-Abi, das in anderen Bundesländern schon Geschichte ist. Niedersachsen kehrte als Pionier 2014 zum neunjährigen Gymnasium zurück. In Hessen gibt es mittlerweile die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Aber eine solche Wahlfreiheit sieht neben Kalb auch Bürgermeister Christian Lange als Bildungsreferent skeptisch, der sich gegen zwei oder gar drei parallel laufende Systeme und Zwischenlösungen ausspricht. "Ich hoffe auch, dass ein eventueller Umstieg zeitgleich für alle Bamberger Gymnasien kommt." Auf diese Weise würde man eine daraus resultierende Konkurrenzsituation von vornherein verhindern. Einig sind sich beide CSU-Politiker auch darin, Schüler bei einer Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gleich ab der fünften Klasse und nicht erst einer späteren Jahrgangsstufe in die Langform einzuführen.


Neue Herausforderungen

Vieles steht derzeit aber noch in den Sternen. Welche Herausforderungen kämen im Falle einer Rolle rückwärts überhaupt auf Bambergs Gymnasien zu? "Entscheidet man sich für eine Rückkehr zum G9, so wäre eine Umsetzung erst 2018 denkbar", so Kalb. Finanzielle Auswirkungen kämen auf den Zweckverband aber natürlich erst Jahre später zu - ob sie nun durch räumliche oder anderweitige Erfordernisse entstehen. Man werde die Entwicklung begleiten und darauf entsprechend reagieren.


Teilnahme am Pilotversuch

Eine Schule nimmt in Bambergs Bildungslandschaft eine Sonderrolle ein: das E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium. Seit dem Schuljahr 2015/16 beteiligt sich die Einrichtung - wie 46 weitere Gymnasien in Bayern - an dem zweijährigen Pilotversuch zur Mittelstufe Plus. Warum setzt Oberstudiendirektor Markus Knebel auf diese Variante? "Weil wir eine musisch ausgerichtete Schule sind und der Nachmittagsunterricht für Schüler der Langform deutlich reduziert ist." Ein Jahr zusätzliche Lernzeit bietet die Mittelstufe Plus Schülern. So hätten die Jugendlichen mehr Zeit, um Instrumente zu spielen. 96 Acht- und Neuntklässler betrifft der Pilotversuch derzeit, während 85 Gymnasiasten der gleichen Jahrgangsstufen die Kurzform besuchen.



Mehr Zeit

Könnte Markus Knebel entscheiden, so würde der Oberstudiendirektor - wie vermutlich etliche Kollegen landauf und landab - das Turbo-Abi baldmöglichst abschaffen. "Schüler brauchen mehr Zeit für die inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen, die Durchdringung der Stoffe." Auch könnten Ausflugsfahrten, Exkursionen und andere Angebote nach einer Reform der Schulreform wieder mehr als in den vergangenen Jahren den Schulalltag bereichern.