Drei Monate lang war es relativ ruhig gewesen um den Warenhauskonzern Karstadt und seine Filialen. Ende Oktober 2014 hatte die Unternehmensführung angekündigt, bundesweit 2000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Die Zahl blieb lange abstrakt. Wo Jobs wegfallen, war bisher reine Spekulation.

Inzwischen sind die Pläne der Essener Konzernspitze konkreter geworden. Ausschlaggebend ist ein internes 32-seitiges Strategiekonzept vom 6. Januar, das in den vergangenen Tagen seinen Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat.

Mehr als 25 Prozent

Namentlich sind darin kaum Standorte genannt. Aber die 83 Filialen sind in sechs Kategorien eingeteilt: Es gibt solche, die Null bis 4,9 Prozent Personal reduzieren sollen, bis zu denjenigen, die mehr als 25 Prozent der Belegschaft verlieren werden.

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die Personalkosten sollen um 64 Millionen Euro auf 308 Millionen Euro gedrückt werden, und es soll 1271 Vollzeitbeschäftigte weniger geben, also damit nur noch 8170.

"Die Bayreuther werden wohl beim Stellenabbau erst einmal nicht belangt", meint Dominik Datz, Gewerkschaftssekretär im Verdi-Bezirk Oberfranken-West. Auch in einer Betriebsversammlung der Bayreuther Filiale hatte es in der vergangenen Woche geheißen, dass es dort nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde.

Bayreuther Chefin schon weg

Die wichtigste Stelle in Bayreuth ist seit dem Wochenende aber vakant. Filialleiterin Ja nine-Christine Marz hat nach 15 Monaten im Amt Karstadt verlassen. Die 32-Jährige stellt sich einer neuen beruflichen Herausforderung. Womöglich kommt sie so einer Degradierung zuvor. Denn laut Datz werden die Filialleiter "auf jeden Fall Kompetenzen verlieren". Die Eigenständigkeit einer Filiale wird durch das neue "Verbund-Konzept", wie es im Strategiepapier heißt, deutlich beschnitten.

Künftig soll es bundesweit acht sogenannte Kopffilialen geben, deren Filialleiter mitverantwortlich sind für die anderen Anhängefilialen. In Bayern ist in Nürnberg so eine Kopffiliale vorgesehen, deren Chef die Geschäftsführer anderer Filialen "führt, coacht und entwickelt".

Bamberg zweite Kategorie?

Auch die Filiale in Bamberg wird danach wie Bayreuth künftig nur noch eine Anhängefiliale sein. So sei eine "direkte Durchsteuerung möglich", heißt es im inzwischen nicht mehr so geheimen Strategiepapier.

Alfons Distler, Geschäftsführer der Bamberger Filiale, wollte sich am Montag zu den neuen Plänen der Konzernleitung nicht äußern. Nach Ansicht von Verdi gehört die Filiale Bamberg zur Kategorie 5,0 bis 9,9 Prozent Personalabbau. Das heißt laut Datz aber nicht, dass es in Bamberg zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird. Über Fluktuation und Weggänge könnte ein Stellenabbau auch geräuschlos vonstatten gehen. Denn die Karstadt-Führung hat sich auch noch ausgedacht, bis zu 1100 Mitarbeiter von Verkaufsberatern zu Regaleinräumern zu degradieren - mit Lohneinbuße von rund 300 Euro im Monat. Gewerkschaftssekretär Datz verweist aber darauf, dass das Strategiekonzept aus Essen "jetzt erst einmal Verhandlungsgrundlage mit dem Gesamtbetriebsrat" ist.