Auch ein Termin beim Bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) brachte in der Auseinandersetzung um den Schulverband Hallerndorf-Hirschaid keine Lösung. Die Bürgermeister der beiden Gemeinden, Klaus Homann (CSU) und Torsten Gunselmann (FWG), waren in Begleitung von Staatsministerin Melanie Huml (CSU) und MdL Michael Hofmann (CSU) aus Forchheim vor dem Minister erschienen, weil seit Jahren auf der Ebene des Bezirks Oberfranken keine Entscheidung über den Wunsch der Marktgemeinde getroffen wird, die Schüler aus den westlichen Ortsteilen um Rothensand nach Hirschaid umlenken zu dürfen. Nun droht Hirschaid den Gang vors Verwaltungsgericht und eine Untätigkeitsklage an.


"Ein Trauerspiel"

Bürgermeister Homann spricht unterdessen von einem Trauerspiel und schimpft auf seiner Homepage: "Weiterhin weigert sich die politische Seite, den Schulverband mit Hallerndorf aufzulösen und Hirschaid zahlt sinnlos weiter über 60.000 Euro im Jahr Schulgeld, obwohl genug Platz für unsere Schüler in Hirschaid und Sassanfahrt ist". Das Ministerium habe sich laut Homann auf den Standpunkt zurückgezogen, man könne im Rahmen der Bildungsinitiative keinen Schulstandort durch Abzug von Schülern gefährden. Gemeint ist der Mittelschulstandort Hallerndorf. Dabei wird seitens der beteiligten Kommunen offenbar mit unterschiedlichen Schülerzahlen und -prognosen operiert.

Homann wurde gebeten, eine Auflösung des Schulverbands erst für 2019 in Betracht zu ziehen, um die Entwicklung der Schülerzahlen noch länger zu beobachten. Dies hat der Hirschaider Bürgermeister nach eigenem Bekunden abgelehnt: "Wir können die Schülerzahlen jetzt schon für sechs Jahre ermitteln und hier ist keine Gefährdung der Mittelschule Hallerndorf zu erkennen."

Angst vor einer angekündigten Kabinettsentscheidung hat Homann nicht. Er gab den Ministerialen prompt zur Kenntnis, dass die Frage vor dem Verwaltungsgerichtshof landen werde, wenn sie nicht im Sinne der Marktgemeinde Hirschaid gelöst werde. Homann hat in der Sache inzwischen anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen und den Rat erhalten, eine Untätigkeitsklage gegen die Regierung von Oberfranken anzustrengen.


Noch eine letzte Chance

Zuvor aber will Homann Bayreuth mit zweimonatiger Frist noch eine Chance geben, endlich eine Entscheidung zu treffen. "Danach geht es in die Klage", kündigt der CSU-Politiker an und kommentiert: "Traurig, wie unser Beamtenapparat tickt. Politikverdrossenheit ist hier vorprogrammiert."

Hallerndorfs Bürgermeister Torsten Gunselmann bedauert, dass sein Hirschaider Amtskollege keinerlei Kompromissbereitschaft erkennen lässt. Gunselmann wünscht sich zum Beispiel ein Entgegenkommen der Hirschaider Seite, um den Mittelschulverbund, zu dem Hirschaid, Hallerndorf und Strullendorf gehören, zu verbessern. Und dieser Verbund mit Schulen an drei Standorten müsste auf jeden Fall erhalten bleiben.

Hallerndorf widersetze sich einer Änderung des Schulsprengels neben den Existenzsorgen um die eigenen Schulen auch mit Blick auf die gewachsenen Beziehungen, so Gunselmann. Seit etwa 1970 gehörten die Kinder aus Rothensand und Umgebung zum Schulsprengel Hallerndorf. Außerdem gebe es seit alters her kirchliche Verflechtungen und weit ins Vereinsleben reichende Beziehungen. Gunselmann: "So etwas gibt man doch nicht einfach auf!"