"Die Situation ist ernst", sagt Felix Holland. Der Personalratsvorsitzende der Sozialstiftung, die das Bamberger Klinikum betreibt, musste gestern selbst auf der Intensivstation einspringen. "Ich habe jahrelang in diesem Bereich gearbeitet. Deshalb kann ich beim ein oder anderen Handgriff helfen. Aber nach 15 Jahren Pause ist das nicht so einfach." Die Situation unter den Kollegen sei angespannt: "Die Belastung ist hoch, die Grenze erreicht - wenn nicht schon überschritten", findet Holland deutliche Worte.

Insgesamt werden aktuell 43 Covid-Patienten im Klinikum Bamberg behandelt. Von den 36 Intensivbetten sind derzeit acht mit Corona-Erkrankten belegt, wie Bernadette Kneidinger-Müller, Pressesprecherin der Sozialstiftung, mitteilt. Die Höchstzahl der vergangenen drei Wochen lag bei elf intensivbetreuten Infizierten und 50 Covid-Patienten insgesamt. Mit steigenden Infektionszahlen in der Region wurden die Intensivkapazitäten des Klinikums bereits im Frühjahr umstrukturiert, sodass ein eigener Intensivbereich mit aktuell 14 Betten für die Betreuung von Covid-positiven Patienten zur Verfügung steht.

Im Schnitt müssten etwa zehn Prozent der Covid-Intensivfälle beatmet werden, schätzt Holland. Das erschwert die Arbeit für das Personal enorm. "Ein Corona-Patient, der beatmet wird, braucht eigentlich eine 1:1-Betreuung", erklärt der Personalratsvorsitzende. Das seien etwa vier bis fünf Pflegekräfte pro Tag. Denn das Krankheitsbild ist sehr vielschichtig. Und die Patienten können nicht reden, sich also nicht bemerkbar machen. Sie müssen häufig umgelagert werden. Die Nieren- und Darmfunktion müssen stetig überwacht werden. Die Blutgerinnung kann durch das Virus beeinträchtigt werden, was weitere Medikamente notwendig macht.

Zwar hat das Klinikum aufgerüstet "und wir sind auch technisch gut ausgestattet. Aber die Ausbildung zur Intensiv-Fachkraft dauert nun mal zwei Jahre. Da konnten wir in der Kürze der Zeit wenig ausrichten", sagt Holland. Es würden immer wieder neue Kräfte eingestellt, "aber uns verlassen auch immer wieder Kollegen". So musste innerhalb des Klinikums Personal umstrukturiert werden, um die gestiegene Anzahl an Intensivpatienten versorgen zu können.

Laut Pressesprecherin Kneidinger-Müller stünde derzeit ausreichend Personal zur Verfügung. "Sollte es aber durch Infektion, Quarantäne-Anordnung oder sonstige Krankheit zu Personalausfall kommen, wird die Besetzung nur durch Mitarbeiter aus dem Frei zu gewährleisten sein." Laut Holland würde es zwar immer wieder Infektionen und Quarantäne-Verordnungen für das Personal geben, "aber zum Glück bis jetzt nur vereinzelt". Damit sich die Lage bessert, könne er nur an die Bürger appellieren, vorsichtig zu sein und sich an die aus seiner Sicht notwendigen Maßnahmen zu halten. Denn: "Jeder, der sich nicht infiziert, hilft uns weiter."

Einen Einblick, wie es Patienten in der Notaufnahme des neuen Bettenturms im Klinikum ergeht, die nicht an Covid erkrankt sind, gibt der Erlebnisbericht auf .

Die Lage in den Landkreis-Kliniken: "Angespannt, aber machbar"

Die Lage in den beiden Landkreis-Kliniken Scheßlitz und Burgebrach stuft Udo Kunzmann als "angespannt, aber machbar" ein. Der Geschäftsführer der gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg (GKG), welche die Kliniken betreibt, meint damit sowohl die Belegung der Intensivstationen als auch die Personalsituation.

Von den insgesamt neun Intensivbetten in der Juraklinik Scheßlitz sind derzeit acht belegt. Vier davon mit Covid-Patienten. In der Steigerwaldklinik Burgebrach, die über sieben Intensivbetten verfügt, sind derzeit fünf belegt. Zwei davon mit an Corona erkrankten Personen. Insgesamt befinden sich derzeit 17 Covid-Patienten in beiden Kliniken.

Triage "bisher kein Thema"

Das klingt nach einer Belegung an der Grenze. Aber zum einen seien die Zahlen "seit vier Wochen relativ stabil, weil auch immer wieder Patienten entlassen werden können", so Kunzmann. Zum Anderen könne die Anzahl der Intensivbetten im Notfall erhöht werden, so Frank Förtsch, Pressesprecher des Landratsamts. Dadurch sei die sogenannte "Triage", nach der Ärzte nach der voraussichtlichen Restlebensdauer entscheiden müssen, wer beatmet werden kann und wer nicht, bisher kein Thema, wie Förtsch und Kunzmann bestätigen.

"Das Problem ist aber nicht die Anzahl der Betten, sondern das Personal", gibt Förtsch zu bedenken. So müsste im Ernstfall Fachkräfte von anderen Stationen abgezogen werden, um die Versorgung von Covid-Patienten zu gewährleisten, sollte sich das Infektionsgeschehen weiter steigern.

Überblick: Intensivbetten-Belegung in der Region Bamberg

Klinikum Bamberg 36 Intensivbetten, davon acht mit Corona-Patienten belegt. Insgesamt werden 43 Corona-Erkrankte behandelt.

Juraklinik Scheßlitz 9 Intensivbetten, 8 belegt, davon vier mit Covid-Infizierten.

Steigerwaldkl. Burgebrach 7 Intensivbetten, 5 belegt, 2 davon mit an Covid Erkrankten. Insgesamt werden in Scheßlitz und Burgebrach 17 Covid-Patienten behandelt.