Ein von Musik und Kunstperformances begleiteter Demonstrationszug bahnt sich am Samstag seinen Weg durch Bamberg. Wir erklären, worum es dabei geht - und welche Rolle das Kesselhaus des ehemaligen Krankenhauses dabei spielt. Wofür demonstrieren die Kunstschaffenden? Kultur braucht Raum - unter diesem Motto wollen Bamberger Kulturschaffende und -interessierte am Samstag ab 14 Uhr demonstrieren. "Seit zehn Jahren gibt es zu wenig Räume für Kultur in Bamberg, in den letzten sechs Jahren sind es immer weniger geworden", beklagen die Veranstalter. Es gebe kein Kulturzentrum in Bamberg, Auftrittsorte für Bands seien ebenso rar wie Proberäume, Bühnen für Darstellende Künste und Ausstellungsmöglichkeiten für zeitgenössische Kunst. "Unsere Route führt an Kulturräumen entlang, die mal bespielt worden sind oder in Zukunft gut genutzt werden könnten", sagt Michael Schmitt vom Kontakt-Festival, einer der Organisatoren. Der Demonstrationszug beginnt an der Alten Seilerei, führt über den ehemaligen Morphclub zum Sound-N-Arts und wird schließlich im Kesselhaus enden. An den Stationen soll es kurze Redebeiträge und künstlerische Performances geben, der Zug wird von DJs begleitet.

Neben einer großartigen Szene freier Künstler, Bands, Theater- und Tanzgruppen sowie Initiativen für zeitgenössische Kunst, gebe es Tausende, die diese Angebote nutzen möchten. In Räumen wie dem Kesselhaus oder auf der Lagarde-Kaserne. Christiane Toewe von der Initiative "Kunstraum jetzt!" fordert die Demonstrationsteilnehmer auf, goldene Rettungsdecken mitzubringen, "als äußeres Zeichen für die prekäre Situation für Kulturschaffende". Wie geht es weiter mit dem Kesselhaus? Mit klarer Mehrheit hatte sich im Juli 2019 der Kultursenat dafür ausgesprochen, zum Kesselhaus eine Machbarkeitsstudie für ein "profilträchtiges Kulturhaus mit einem Ausstellungsschwerpunkt und verschiedenen weiteren Nutzungen" in Auftrag zu geben. Das steht auch im Zusammenhang mit der Villa Dessauer, die mittelfristig als Ausstellungsort wegfallen soll, weil sie sanierungsbedürftig und nicht barrierefrei sei . In gleicher Sitzung wurde beschlossen, auch für die Posthalle auf dem Lagarde-Gelände ein Nutzungs- und Betriebsmodell zu erarbeiten. Kulturschaffende hatten immer wieder davor gewarnt, diese beiden Projekte gegeneinander auszuspielen. "Wir wollen beides", sagt Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU), der sich seit langem für ein Kulturhaus im Kesselhaus einsetzt. Dabei wird er inzwischen auch von Staatsminister Bernd Sibler (CSU) unterstützt wird.

Im aktuellen städtischen Haushalt wurden 50 000 Euro für eine entsprechende Potenzialanalyse bereitgestellt. Sobald die Regierung den Haushalt genehmigt hat, kann sich das Kulturamt laut Lange an die Studie machen. Wer nutzt das Gebäude derzeit? "Wir haben das Kesselhaus vor zehn Jahren erstmals erobert", sagt Christiane Toewe. Damals hatten der Architekturtreff, der Kunstverein und ihr Berufsverband Bildender Künstler (BBK) zusammen die "Initiative Kesselhaus" gebildet. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten, vielen Verhandlungen und Diskussionen, zwischenzeitlicher Schließung wegen "baulicher Mängel", Gründung der neuen Initiative "Kunstraum jetzt!" und Wiedereröffnung des Kesselhauses im Jahr 2015 sind diese drei Organisationen bis heute Hauptnutzer des Kesselhauses. Allerdings laufen die bestehenden Mietverträge 2021 aus.

"Wir haben Sorge, dass eine Lücke entsteht und wir ohne Räume dastehen", sagt Toewe. Sie wünsche sich eine dauerhafte Lösung, wo auch die nächsten 20 Jahre zeitgenössische Kunst gezeigt werden kann. Welche Ansätze gibt es für den zukünftigen Kulturbetrieb im Kesselhaus? Das Kesselhaus ist für Christiane Toewe ein Raum, der offen ist für Bilder, Skulpturen, Performances und Experimente. Sie sieht die Shedhallen als Heimat der bildenden Künste, mögliche Konzerte im großen Raum und darüber hinaus viele weitere Möglichkeiten. "Dieses Gebäude hat richtig Potenzial, aber die bildende Kunst müsste immer ein festes Element darstellen", sagt Toewe.

Einen Ort für die Veranstaltung und Präsentation internationaler Kunst sieht Felix Forsbach. Er zählt seit Jahren zu den Veranstaltern des FK:K, eines Festivals für Kunst, Performance und experimentelle Musik im Kesselhaus. Forsbach würde sich statt einer Machbarkeitsstudie zum baulichen Zustand lieber Stellen für die Kuration und den Aufbau eines "Kesselhaus 2.0" wünschen. Er habe bereits viel Rückenwind für die Vision von "Laborphasen" und den Aufbau eines künstlerischen Produktionshauses bekommen. Forsbach fürchtet nun, dass viel Geld in Planungen und Sanierungen fließe - das dann für künstlerische Inhalte fehle. Was ist am Gerücht dran, dass das Kesselhaus Parkplätzen weichen sollte? Die Gerüchte nähren sich zum einen aus einer schon älteren Diskussion um eine Quartiersgarage, für die laut städtischer Pressestelle mittlerweile ein anderer Platz gefunden wurde. Zum anderen überraschten im Oktober Pläne des Baureferenten Thomas Beese, die am Standort des Kesselhauses eine Haltestelle für Transferbusse der Flusskreuzfahrtschiffe vorschlugen. "Diese Pläne sind inzwischen irrelevant, das Kesselhaus soll eine Kultureinrichtung sein. Kein Abriss, kein Hotel, kein Busparkplatz", beteuert die städtische Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar. Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) stünde hinter der im Kultursenat beschlossenen Studie. Was könnte einem Kulturhaus außerdem noch im Wege stehen? Fehlendes Geld und politischer Wille. Kämmerer Bertram Felix hatte bereits im Dezember deutlich gemacht, dass es "keinen Spielraum für weitere größere Sonderprojekte, egal ob aus dem kulturellen, sportlichen oder infrastrukturellen Bereich" gebe. Kulturbürgermeister Lange glaubt aber, dass sich finanzielle Möglichkeiten ergeben, auch das Kesselhaus weiterzuentwickeln. Für die Förderkulisse wäre es hilfreich, wenn das Sanierungsgebiet Sand auch die umworbene Industriebrache umfassen würde. Doch bislang endet die imaginäre Linie kurz davor.