Die drei Kneipengänger aus dem Landkreis Haßberge waren in jener Mai-Nacht 2015 wohl zur falschen Zeit am falschen Ort. Einer muss eine falsche Bemerkung gemacht haben, als sie kurz nach Mitternacht zwei junge Männer passierten, die beide T-Shirts mit Runenschrift trugen.

Es blieb nicht lange beim Wortwechsel, es folgten ein Gerangel, Tritte und zumindest ein Faustschlag ins Gesicht eines heute 25-Jährigen. "Ich kann mich kaum erinnern, aber am Ende waren zehn bis 15 Leute in die Rangelei involviert", sagt der Geschädigte.

Schlägereien wie diese sind am Wochenende zwischen Langer Straße und Sandstraße nicht allzu selten und würden sonst nicht unbedingt die Zweite Strafkammer des Landgerichts Bamberg beschäftigen. Doch einer der damals Beteiligten, der aus dem östlichen Landkreis stammende Oliver B. (Namen geändert), wird von der Staatsanwaltschaft dem harten Kern der "Weissen Wölfe Terrorcrew" zugeordnet. Und es soll in der Nacht vom 14. auf 15. Mai 2015 nicht die letzte Auseinandersetzung geblieben sein, an der B. laut Anklageschrift beteiligt war.

Auch Pfarrern Schläge angedroht

Die Beweisaufnahme ist allerdings dreieinhalb Jahre nach den Vorkommnissen nicht leicht. An viele Details können sich die Zeugen nicht mehr erinnern, zudem waren Geschädigte und Schläger in der Nacht nach dem Vatertag erheblich alkoholisiert. Was die erste Schlägerei angeht, beschreiben die Zeugen B. als den Passiveren. Die Hauptaggression sei von Johann K. ausgegangen, der wegen dieser Sache bereits vom Amtsgericht verurteilt wurde und im aktuellen Prozess nur als Zeuge vor Gericht steht.

"K. hat geschlagen, B. wollte verhindern, dass wir eingreifen", sagt der Geschädigte vor Gericht aus. "Von denen ist nur Aggressivität ausgegangen. Die wären gegen jeden gegangen, der sie nur falsch anschaut", sagt ein anderer Zeuge. Von einem weiteren Geschädigten, einem "Halb-Italiener", der den Streit schlichten wollte und dessen Brille zerschlagen wurde, fehlt jede Spur. Bleibenden Eindruck hat die Schlägerei auch bei einigen Augenzeugen hinterlassen.

So wurde zwei Pfarrern ebenfalls angedroht, dass sie "auch eins auf die Fresse kriegen, wenn sie ein Problem haben". Einer der Geistlichen sagte aus, ein derartiges Maß an Aggressivität noch nie erlebt zu haben, auch was die späteren verbalen Entgleisungen gegen ermittelnde Polizeibeamte angeht.

Kurz darauf nächste Schlägerei

Während in diesem Fall hauptsächlich B. eine Rolle gespielt hat und es nur am Rande um die "Weissen Wölfe" ging, soll sich nur zwei Stunden später eine weitere Schlägerei unter Beteiligung aller Angeklagten abgespielt haben. Bei der wurde laut Staatsanwaltschaft mit Flaschen geworfen, mit Lederhandschuhen zugeschlagen und nach am Boden Liegenden getreten. Unter anderem um diese Vorkommnisse soll es im weiteren Verlauf der Hauptverhandlung gehen, die heute um 9 Uhr fortgesetzt wird.