Was waren wir schon einsam mit den Stühlen herumgesessen. Für Wattendorf schwante mir nichts Gutes. Doch gerade als ich einmal diagonal durch das Dorf gefahren war, um herauszufinden, wo hier wohl die Ortsmitte sein könnte, winkte FT-Fotografin Barbara Herbst am Straßenrand. Sie hatte jemanden gesichtet. Super! Schnell den Polo parken und anpirschen. Die Frau im Hof hat keinen FT und weiß auch nichts von der Sommertour. Aber - was für ein Glückstreffer - sie hat Zeit und lässt sich auf das Interview ein. Jetzt rasch die Stühle herbeischaffen. Die werden von Mal zu Mal irgendwie schwerer. Passt, im Hof haben wir den Kirchturm im Blick, also haut das mit der Ortsmitte hin.

Bevor Susanne Maldonado das FT-Team reinlässt, bringt sie ihre "Gina" ins Haus. Doch fühlt sich der Betrachter von Gina-ähnlichen Geschöpfen umgeben: Überlebensgroß an der Fassade, auf dem Shirt der Frau und, tatsächlich, sogar auf deren Schuhen. "Ja, ich hab' wirklich überall Hunde", gesteht sie amüsiert. "Sogar auf der Unterwäsche?, unsere prompte Frage. "Sogar da", lacht die 48-Jährige amüsiert.

Die Stühle sind positioniert. Los geht's. Ob sie denn eine echte Wattendorferin sei? "Nein." Sie lebe erst seit zehn Jahren hier. Sie kannte den Ort, weil die Eltern früher immer hierher zum Essen sind, "auch weil ihnen das Bier schmeckte". Susanne Maldonado kommt aus Memmelsdorf und ist dort als ältestes von drei Kindern aufgewachsen. Eine schöne Zeit, zumal sie "zum Spielen zum Schloss" ging. Also Schloss Seehof. Das war zwar zugesperrt und es gab noch kein Café, aber der "Park war toll". Im Labyrinth konnte man super Versteck spielen.

Nach neun Jahren Schule wurde es Zeit für die Lehre. Susanne machte eine als Zahnarzthelferin. Obwohl sie eigentlich Floristin hatte werden wollen. "Aber damals war nicht die Zeit, wo man fünfmal gefragt wurde, was man denn machen will", erinnert sie sich. Zahnarzthelferin machte sie deswegen, weil es ihr angeboten wurde: Der Nachbar war Zahnarzt und hatte gefragt.

Praktisch sei es gewesen, meint die pragmatische Frau: "Ich hatte keine weiten Wege, konnte immer zum Essen heim, und habe kein Auto gebraucht." 33 Jahre arbeitet sie in diesem Beruf, die letzten acht davon in Drosendorf und drei dabei in Teilzeit. Weil sie Zusatzausbildungen gemacht hat, findet sie die Tätigkeiten abwechslungsreich und schön. Schon ihre Tante war Zahnarzthelferin. Das nahm dem Kind die Angst, schließlich ging sie nur zu Tante.

Als sie alt genug dafür war, ging sie in der Freizeit in die Sandstraße. Da hat sie vor 17 Jahren in einem Lokal Tony kennengelernt, ihren heutigen Mann. Was hat ihr gefallen, die Zähne? "Nein, die waren es nicht, sondern die Augen, und dass er brav war." Zwei Jahre später haben die beiden geheiratet, in Hallstadt im Gewölbekeller. Im damaligen alten Memmelsdorfer Rathaus fand das Paar es nicht so schön.

Maldonados wohnten zur Miete und die Verträge hatten jeweils die Haltung von Haustieren untersagt. Vor zehn Jahren machte sich der Mann als Stukkateurmeister selbständig. So suchte man ein Anwesen - "was Größeres mit Lagerhallen", das genügend Platz bieten würde. Rund um Bamberg war das aus finanziellen Gründen nicht zu realisieren. So wurde die Distanz von der Domstadt immer größer und Tony Maldonado schließlich in Wattendorf fündig. "Drei Wochen habe ich mich geweigert, es überhaupt anzuschauen. Denn ich wusste, was mich erwarte, sehr viel Schnee im Winter und nicht einmal Handyempfang. Ich wollte schließlich Action." Letztlich hat sich Ehemann Tony durchgesetzt , und man erwarb das Anwesen auf dem Jura.

Mit dem Umzug hat sich das Leben der Maldonados komplett geändert. Vor allem mit "Hermes". Tony Maldonado wollte schon immer einen Hund, was aber wegen der Mietwohnungen nicht gegangen war. Seine Frau dagegen hatte mit Hunden nichts am Hut, im Gegenteil, seit der Kindheit Angst vor den Tieren. Abermals setzte sich der Gatte durch. "Ich durfte den Namen aussuchen", sagt Ehefrau Susanne. Immerhin. So kam die Englische Bulldogge; übers Internet und aus München. Nach einem Jahr habe es dann geheißen: "Ach, der arme Kerl, der ist so allein, ich glaube, wir brauchen noch einen." Das war dann "Gina" (aus Coburg). Und Susanne Maldonado begann, sich mit dem Thema zu befassen, ging in die Hundeschule, entdeckte Ausstellungen und "Bacon", Hund Nummer 3. Der gewann auf jeder Schau - Bremen, Nürnberg, Erfurt, Leipzig und so weiter. "Ratzfatz war er Champion."

So stellte sich die Frage: Den Rüden hergeben für die Zucht, oder selbst züchten? Maldonados entschieden sich fürs Letztere. So kam Hündin aus "Elis" aus Prag auf den Jura und so weiter, und so weiter. Jetzt leben acht Englische Bulldoggen hier. Die Obergrenze, ist sich das Ehepaar einig. Die eigenen Familien freilich deuteten bei Bulldogge Nummer drei an, dass sie die Wattendorfer für leicht verrückt halten.

Auf jeden Fall dreht sich das meiste auf dem Hof um die Hunde. Das Paar hat fast ausschließlich das, was Susanne Maldonado "Hundefreunde" nennt. Also Menschen, die sie durch Ausstellungen kennen, oder die bei ihnen Welpen gekauft haben - "Cotton Hill Delight Bulldogs".

Jährlich gibt es zwei "Familien"- also Hundefamilien-Treffen. Da kehren bis zu 30 Englische Bulldoggen, die hier geboren wurden, für ein Wochenende zurück nach Wattendorf. Der (zweibeinige) Besuch wird hier und in der Umgebung einquartiert, isst in den Gasthäusern und nimmt Bier mit nach Hause, "sogar bis nach Österreich".

So machen die Hunde der Maldonados Wattendorf bekannt. Freilich machen so viele Hunde vor allem Arbeit. "Welpenbetreuung heißt zwei Mal im Jahr zehn Wochen 24-Stunden am Tag." Wobei sich das Paar die Schichten teilt, und die 48-Jährige nur noch Teilzeit arbeitet. An den Arbeitstagen fährt sie in den zwei Stunden Mittagspause heim und geht mit den Hunden raus - in je zwei Schichten zu je drei Hunden. Denn zwei wollen gar nicht mehr außerhalb des Hofes laufen.

Ihr Mann wollte immer viele Bulldoggen und mit diesen leben. Inzwischen kann sich Susanne Maldonado ihrerseits nichts anderes mehr vorstellen Warum Bulldoggen? "Weil sie so gemütlich sind und kuschelig. " Sie ist angekommen, geht im "Hundeleben" auf. Selbst der Urlaub führt sie zu Hundehotels. Der Mann bleibt daheim, "weil er sagt, er hat schon alles gesehen", einer muss schließlich die Tiere versorgen. Susanne Maldonado wirkt zufrieden.

Vielleicht weil sie die Floristinnenseite in sich in der Deko von Hof und Haus auslebt. Inzwischen schätzt sie es, dass sich die knapp 200 Einwohner alle kennen. Und sie schätzt die Hilfsbereitschaft hier. Sicherlich trägt zur Zufriedenheit bei, dass es dank des Funkmastes Handyempfang gibt. Zufrieden verlässt auch das FT-Team mit der nun letzten Lebensgeschichte und den Redaktionsstühlen diesen Hundehof.