Am heutigen Afrikatag steht das westafrikanische Nigeria im Fokus - das Heimatland von Modestus Adimekwe, der seit 2013 in Bamberg lebt. Inzwischen hat er fast kein Heimweh mehr, dafür Sorgen um seine Angehörigen.

Er ist Priester mit Leib und Seele. Zelebriert die Gottesdienste in den Kirchen St. Martin und St. Josef-Hain mit Herz und brillanten Predigten. Diese leitet Adimweke stets mit den Worten ein "Geliebte Schwestern und Brüder".

Studium in Würzburg

"Reverend", also Hochwürden, wird der 50-Jährige in seiner Heimat respektvoll genannt. Hier in Bamberg trägt er außer der Bezeichnung "zur seelsorglichen Mithilfe" keinen Titel. Jedenfalls noch nicht. Denn er absolviert an der Uni Würzburg ein Promotionsstudium, schreibt im Fachbereich Praktische Theologie und Religionspädagogik seine Doktorarbeit über ein Thema zu den Menschenrechten.

"Vier von sieben Kapiteln habe ich schon fertig", erzählt er munter nach einer bis acht Uhr früh durchgearbeiteten Nacht. Dabei ist es nicht der Ehrgeiz nach einer Dissertation mit Auszeichnung, der ihn treibt, sondern der Gehorsam dem Bischof der Diözese Okigwe im Südosten Nigerias gegenüber: "Er hat mich zur Promotion nach Deutschland geschickt. Und ich definiere Gehorsam nicht als das, was ich will, sondern was mein Bischof will", betont er.

Natürlich habe er einen Traum, was seinen weiteren Lebensweg angehe, so Adimekwe. So könne er sich vorstellen, nach seiner Rückkehr in Nigeria als Uni-Dozent zu wirken. Doch das entscheide nicht er, betont er nachdrücklich. Zumal "die priesterliche Aufgabe für mich immer die erste ist".

Aufgewachsen mit sechs Geschwistern - beide Eltern waren Lehrer - reifte in ihm schon früh der Wunsch, Priester zu werden. Er studierte Theologie und Philosophie, erhielt 1997 die Priesterweihe. Jahre als Kaplan und Pfarrer folgten, ehe er für einige Jahre Spiritual in einem regionalen Priesterseminar im Tschad wurde. 2008 kehrte er nach Nigeria zurück, um Direktor eines kirchlichen Gymnasiums und zugleich Dekan des Dekanates Onimo zu werden.

Ohne ein Wort Deutsch

Und dann kam der bischöfliche Auftrag, nach Deutschland zu gehen: "Ich hatte vorher noch nie von Bamberg gehört!", blickt Adimekwe auf die unerwartete Chance zurück, mit Hilfe eines Stipendiums des Erzbistums Bamberg einreisen zu können - "ohne ein einziges Wort Deutsch zu kennen", lacht er über die Anfangsschwierigkeiten in der neuen Umgebung.

Inzwischen spricht er fließend Deutsch, hat fast nebenbei noch an der Bamberger Uni Soziologie studiert und mit einem Master abgeschlossen, sich an die winterliche Kälte in diesen Breitengraden gewöhnt. Auch der zunächst für ihn so ungewohnte Speisezettel ist vollends akzeptiert: "Ich liebe Schäuferla und Rouladen", streicht er sich über sein Bäuchlein.

Sorgen um Angehörige

Nein, Heimweh nach Nigeria plagt ihn höchst selten. Dafür sind die Sorgen da. Sorgen um seine Mutter, vier Brüder und zwei Schwestern mit ihren Familien, die zum Teil im Norden Nigerias leben. Dort also, wo die islamistische Terrormiliz Boko Haram Anschläge verübt, Menschen mordet, entführt und versklavt. "Niemand wird Boko Haram aufhalten", befürchtet Modestus Adimekwe die totbringende Krake auch im Süden des Landes. Der nigerianische Staat scheine den Islamisten gegenüber hilflos. Oder unterstütze diese durch Geld und Verrat: "Die Regierung weiß nicht, was sie tut", bleibt er diplomatisch. Da sei die Kirche "ein letzter Strohhalm für die Bevölkerung", die den Ärmsten der Armen hilfreich zur Seite stehe.

Der Afrikatag wurde 1891 von Papst Leo XIII. eingeführt und ist die älteste gesamtkirchliche Kollekte der Welt. Sie wurde ins Leben gerufen, um Spenden für den Kampf gegen die Sklaverei zu sammeln. Heute steht die Kollekte für Hilfe zur Selbsthilfe. Der Afrikatag wird traditionell rund um den 6. Januar gefeiert, da der Besuch der Sterndeuter im Stall von Betlehem mit dem afrikanischen Kontinent in Verbindung gebracht wird. Im Fokus des Afrikatages steht diesmal Nigeria, und dort die Arbeit einheimischer Ordensfrauen.

Erzbischof fordert Religionsfreiheit in allen Staaten

Als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz stellte sich Erzbischof Ludwig Schick den Fragen unserer Zeitung zum Afrikatag 2021.

Der Afrikatag 2021 steht unter dem Motto "Damit sie das Leben haben". Was gehört denn zu einem erfüllten Leben in Afrika?

Ludwig Schick: Zum Leben gehört das tägliche Brot, Gesundheit, Freiheit, Sicherheit und Friede, Familienleben; für Kinder und Jugendliche, Spielen, Lernen, sich entwickeln; für Erwachsene Arbeit und Selbstbestimmung in Religion, Beruf und gesellschaftlichem Leben. Das gilt für alle Menschen, auch in Afrika. Wir müssen uns gegenseitig helfen, dass überall die Menschen das Leben haben.

Afrika wird in der Öffentlichkeit zumeist als Krisenkontinent wahrgenommen. Trifft diese Einschätzung überhaupt zu?

Afrika ist der reichste Kontinent. Die meisten Bodenschätze der Erde gibt es in Afrika: Öl, Lithium, Kupfer, Gold etc., herrliche Landschaften, fruchtbaren Boden, Wasser und Meer, viele junge, kräftige Menschen, die in Afrika blühende Landschaft errichten und einen Beitrag für das Gemeinwohl in der ganzen Welt leisten könnten.

Afrika ist zugleich der Krisenkontinent, weil die Afrikaner an ihrer Entwicklung gehindert werden. Der Reichtum Afrikas macht die reichen Länder Europas und Nordamerikas reicher und belässt die Afrikaner in ihrer Armut. Das muss sich ändern. Afrika den Afrikanern, die ihren Beitrag zum internationalen Wohl beitragen!

Länder wie das diesjährige Schwerpunktland des Afrikatages Nigeria leiden unter islamistischem Terror. Welche Rolle können in dieser Situation die Christen, die Kirche, übernehmen, um Dialog und Versöhnung zu schaffen? Nigeria, besonders der Norden, leidet unter schrecklichem islamistischem Terror, der Menschen tötet, Felder und Ernten zerstört, Flucht verursacht. Er muss mit allen Mitteln beendet werden. Dazu ist eine Dreifachstrategie nötig.

Erstens: Die terroristischen Gruppen müssen mit allen Möglichkeiten durch Polizei und Militär bekämpft und ausgeschaltet werden. Sie dringen oft von außen nach Nigeria ein. Dazu sind Nigeria und die Internationale Staatengemeinschaft nötig. Leider Gottes gibt es nicht genügend Einigkeit unter den Staaten Afrikas und auch nicht in der Internationalen Staatengemeinschaft für dieses Ziel. Da muss sich was ändern!

Zweitens: Alle Staaten müssen die Religionsfreiheit nicht nur in die Verfassungen schreiben, sondern sie mit allen Möglichkeiten propagieren und einführen, die Toleranz und gegenseitige Akzeptanz einfordert. Dazu ist gute Schulbildung wichtig. Auch die Universitäten, ebenso Industrie, Verwaltung und Handel dürfen keine Diskriminierungen aus religiösen Gründen zulassen. Die Politiker müssen in all ihrem Reden und Tun die Religionsfreiheit und das friedliche Miteinander aller Gruppen einfordern.

Drittens: Die Religionen müssen den interreligiösen Dialog pflegen, um sich immer besser zu verstehen und Solidarität und Frieden, Freiheit und Einheit zu fördern. Es gibt bereits viele gute Ansätze, auch in Nigeria im interreligiösen Dialog; er muss weitergeführt werden.

Als Weltkirche-Bischof unternehmen Sie sonst Solidaritätsreisen nach Afrika. Was kann der weniger Reisefreudige an Solidarität mit den Menschen dort zeigen?

Wir in Deutschland und Europa müssen noch entschiedener Religionsfreiheit propagieren, die auch bei uns in jüngster Zeit verstärkt in Wort und Tat in Frage gestellt wird. Der wachsende Antisemitismus, Islamphobie, auch Diskriminierung von Christen, müssen geächtet und überwunden werden. Das ist ein Beitrag für den Religionsfrieden weltweit. Der interreligiöse Dialog muss auch bei uns weitergeführt werden, auch als Beispiel für Afrika und alle anderen Kontinente. Mit unserem Opfer am Afrikatag, aber auch jetzt bei den Sternsingern, werden in Afrika Projekte in Bildung, im Gesundheitswesen sowie in der Friedensarbeit gefördert, die direkt oder indirekt der Solidarität und dem gegenseitigen Verständnis der Menschen aller Religionen in Afrika dienen. Das Gebet für die verfolgten und bedrängten Christen in Afrika, das auch die Bedrängten und Verfolgten anderer Religionen und Weltanschauungen einschließt, ist ein Beitrag zum Religionsfrieden in Afrika.

Die Fragen stellte Marion Krüger-Hundrup.