Sie halten Volkslieder für altbacken? Und lehnen Werke der deutschen Romantik als verstaubt, nicht mehr zeitgemäß ab? Mit derartigen Vorstellungen räumen Bobo & Herzfeld gründlich auf, die am 1. Februar in die Alte Seilerei kommen. Sie bieten Besuchern innovative Klangerlebnisse: Weltmusik, die längst Vergangenes ins 21. Jahrhundert zieht. So ist Christiane Hebold alias Bobo keine Künstlerin des Mainstreams. Die mittlerweile 50-Jährige, die übrigens auch den himmlischen Part von Rammsteins "Neue-Deutsche-Härte"-Hit "Engel" übernahm, blickt auf einen interessanten Werdegang zurück.



"In meiner Kindheit hatte ich zu Volksliedern dank meiner Mutter einen Bezug, danach aber über viele Jahre nicht mehr", sagt Bobo, die mit 17 Jahren an der Musikhochschule Weimar Operngesang und später Tanzmusik studierte. Nach der Wende gründete die aus der Nähe von Halle stammende Pfarrerstochter in der regen Ostberliner Musikszene Bobo In White Wooden Houses: Die erste ostdeutsche Indie-Popband, die im gesamten Bundesgebiet für Aufsehen sorgte.


Rammsteins "Engel"

Zu Rammstein kam die Sängerin, weil sie mit der Band befreundet war, wie sie im Interview berichtete. Eine weitergehende Zusammenarbeit blieb aus. "Aber viele Leute kennen mich bis heute von ,Engel'. Und es ist eine schöne Vorstellung, dass meine Stimme mit Rammstein noch immer durch die Welt reist."


Mit traditionellem deutschen Liedgut hatte Bobo lange nichts am Hut. Der Musik von Joan Baez konnte die Künstlerin deutlich mehr abgewinnen. "Irgendwann aber kam ich zurück zu meinen Wurzeln", sagt die Wahl-Berlinerin, deren Mutter sich als Kirchenmusikerin engagierte. Und der Erfolg gab der singenden Lyrikerin Recht, nachdem sie sich mit dem Filmmusik-Komponisten Sebastian Herzfeld zusammenschloss: Gleich ihr Album "Lieder von Liebe und Tod" gewann 2008 den Weltmusikpreis "Ruth".


Die großen mystischen Themen

"Es Fiel Ein Reif In Der Frühlingsnacht", "Schwesterlein", "Der Schwere Traum": Gerade düster-romantische Volkslieder interpretieren Bobo & Herzfeld. "Wir greifen die großen mystischen Themen auf", sagt die Frontfrau des Duos. Aber keine Angst: Ins Schwermütige gleiten die "Lieder von Liebe und Tod" nicht ab, die zuweilen entrückt - wie einer fremden Welt entsprungen - scheinen.



Zwei neue Alben

Neben Volksliedern leben in der Alten Seilerei Gedichte der deutschen Romantik auf, die die beiden Künstler besonders berührten. So widmeten sich Bobo & Herzfeld, die heuer übrigens zwei weitere Alben auf den Markt bringen, in "Liederseelen" Werken von Friedrich Rückert, Conrad Ferdinand Meyer und Joseph von Eichendorff. Wobei der Soundtrack, den der aus Halle kommende Multiinstrumentalist mit präpariertem Klavier, Harmonium und Metallinstrumenten entwickelte, irgendwo zwischen Folk, Pop und Jazz anzusiedeln. Unterstützt wird das Duo in Bamberg von Yegor Zabelov als Akkordeonisten aus Minsk, der Bobo und Herzfeld seit zwei Jahren begleitet.



Für eine zeitgemäße, unvergreiste Volksmusik steht in Bamberg natürlich in erster Linie David Saam, der Erfinder des "Antistadls". Mit ihm waren Bobo & Herzfeld schon im Kinofilm "Sound of Heimat" zu erleben. Jetzt präsentieren sich die Musiker gemeinsam in der Alten Seilerei. "Von Antistadl-Seite werden moderne Volkslied- und Kerwaliedla-Bearbeitungen zu hören sein", berichten Saam - und Res Richter, der am Mittwoch ebenfalls mit von der Partie ist: Gewagte und unerhörte Mischungen seien zu erwarten. Auch ein "Hauch vom Geist der Mahrsmännchen" würde durch die Seilerei wehen.


Zum Konzert

Bobo & Herzfeld gastieren mit David Saam als Support am 1. Februar, 20 Uhr, in der Alten Seilerei. Tickets liefert der BVD.