Während nördlich von Bamberg schon bald die Baumaschinen anrollen sollen, scheint bis dahin im Süden noch viel Zeit zu sein. "Nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens für den Abschnitt beginnen die Baumaßnahmen Ende 2016." So steht es auf der Internetseite zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) über den "Planfeststellungsabschnitt 21 Altendorf - Hirschaid - Strullendorf". Eine trockene Verwaltungssprache, die manchmal verschleiern kann, was sich wirklich dahinter verbirgt.

Mindestens zwei Jahre Baulärm, Tag für Tag, rund um die Uhr. Und danach pro Tag, meist zu nächtlicher Stunde, bis zu 400 Güterzüge, die durchs Regnitztal rollen. So lautet die wenig rosige Vision, wie sie das "Aktionsbündnis Bahntrasse" vorhersagt. Die Weichen, wie es entlang der Bahntrasse in Altendorf, Buttenheim, Hirschaid und Strullendorf weitergeht, werden wohl in den kommenden Monaten gestellt.
Schließlich wurde schon für 2014 mit der Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens gerechnet. Nur in diesem sind dann Einwendungen möglich. Klagen gegen eine Baugenehmigung, die möglicherweise noch in diesem Jahr erteilt wird, kann nur wer seine n Widerspruch dann rechtzeitig kundgetan hat. Dafür will das "Aktionsbündnis Bahntrasse" die betroffenen Bürger sensibilisieren.

Zeitplan steht noch nicht
Was den tatsächlichen Ausbau betrifft, so kann es bis dahin noch dauern. Die Bahn schreibt zwar auf ihren Internetseiten: "Nach Abschluss des Planfestellungsverfahrens für den Abschnitt beginnen die Bauarbeiten Ende 2016." Doch im Gegensatz zu anderen Streckenabschnitten wird eine konkrete Zeitschiene bislang nicht genannt. Auch wird der Abschnitt wohl nicht im Bundesverkehrswegeplan 2015 auftauchen, der in diesem Frühjahr beschlossen werden soll. Im Entwurf, der Mitte letzten Jahres öffentlich wurde, werden nur die Abschnitte bis Forchheim genannt, dazu Stellwerke und Bahnhof-Umbauten in Strullendorf und Eggolsheim im Landkreis Forchheim, wo die Ausbaustrecke durch den südlichen Landkreis Bamberg beginnt.

Und dort stellt sich die Situation aktuell so dar: Das Planfeststellungsverfahren steht vor dem Abschluss. "Der Beginn der bauvorbereitenden Maßnahmen ist im Jahr 2015 geplant", so die Bahn. Für 2016 sei dann der Baubeginn für den viergleisigen Ausbau zwischen Baiersdorf und dem Bahnhof Forchheim vorgesehen. Mit der Fertigstellung dieses Abschnitts folge ab 2019 der Ausbau zwischen Forchheim und Eggolsheim."

Unter rollendem Rad
Die Anwohner von Altendorf bis Strullendorf müssen sich jedenfalls schon mal auf eine recht lange Bauphase einstellen. Zumal die Arbeiten laut Bahn "unter rollendem Rad" also bei laufendem Zugverkehr erfolgen sollen. Eine mehrmonatigen Streckensperrung, wie sie für 2016 zwischen Bamberg und Lichtenfels erfolgen soll, ist im Landkreis für die Verbindung Bamberg - Nürnberg also nicht vorgesehen. Gelegentliche Totalsperrungen mit Schienenersatzverkehr sind aber sehr wohl, vor allem an Wochenenden und nachts geplant. Der Bahn zufolge sollen "bestimmte nicht lärmintensive Arbeiten" auch in den Nachstunden ausgeführt werden.

Die Anwohner sehen das aber mit großer Skepsis. Und es wird ja nicht nur beim Baulärm bleiben, da auf der ausgebauten Strecke ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen - vor allem von lauten Güterzügen erwartet wird. Fast zehn Kilometer Schallschutzwände sollen entlang der Trasse gebaut werden, teilweise sogar in Dreierreihe. Dennoch sind nach Angaben der Bahn "bei zirka 1900 Wohnungen, die besonders betroffen sind, sind passive Maßnahmen vorgesehen (Zum Beispiel der Einbau von Schallschutzfenstern und Lüftern)". Das alles beruht auf Berechnungen und Lärmschutzgutachten der Bahn. In den Anliegergemeinden geht man jedoch davon aus, dass die tatsächliche Lärmbelastung noch viel höher sein wird.

Zehn Kilometer Schutzwände
Insgesamt sind fast zehn Kilometer Schallschutzwände geplant (4,5 Kilometer in Hirschaid, je 2,5 in Altendorf und Strullendorf. Zum einen werden sie die Anwohner vor den schlimmsten Lärmimmissionen schützen, zum anderen aber auch die Gemeinden teilen. Besonders drastisch sieht man das in Altendorf, wo zugleich der bisherige Bahnübergang in der Jurastraße verschwinden soll. Die Gemeinde wehrt sich heftig dagegen, dass hier künftig nur noch Fußgänger und Radfahrer von einem Teil des Ortes in den anderen gelangen sollen.