Bamberg
Buger Wiesen

Hecke statt Hundestrand an der Regnitz in Bamberg

Das Wasserwirtschaftsamt Kronach hat am linken Regnitzarm ein Stück Ufer gegen weitere Erosion befestigt und Laichplätze für Fische geschaffen - zur Freude des Naturschutzes, aber zum Leidwesen vieler Bamberger Hundebesitzer.
Hans-Joachim Rost steht am befestigten Uferabschnitt, der einige Sommer lang ein beliebter "Hundestrand" war. Fotos: Matthias Hoch
Hans-Joachim Rost steht am befestigten Uferabschnitt, der einige Sommer lang ein beliebter "Hundestrand" war. Fotos: Matthias Hoch
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Unter Bambergs Hundehaltern war die Stelle an der Regnitz südlich des Schwimmvereins als "Hundestrand" bekannt und ausgesprochen beliebt: Dutzende Vierbeiner tummelten sich an schönen Tagen oft in einer kleinen sandigen Bucht und im flachen Wasser. Das geschah sehr zur Freude ihrer Herrchen und Frauchen, jedoch zum Leidwesen Ruhe suchender Campingplatz-Besucher auf der anderen Flussseite, vor allem aber von Vertretern des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft.

Letztere haben die vegetationslose Zeit seit Oktober genützt, und das Stück Flussufer befestigt. Zahlreiche Weidenstöcke stecken jetzt mehrere Meter tief im Boden, verbunden durch ein Geflecht aus Zweigen und Ästen. "Da entstehen richtige Hecken!", prognostiziert Hans-Joachim Rost, der für den Raum Bamberg zuständige Fachbereichsleiter Wasserbau und Gewässerentwicklung beim Wasserwirtschaftsamt Kronach.

Der Fachmann, der federführend an der Schaffung des viel gelobten Fischpasses auf der Erba-Insel beteiligt war, spricht von einer Maßnahme, die sich nicht etwa gegen die Hunde richtet, sondern vielmehr den Fischen und dem Naturschutz diene. Der so genannte Strand war nach seinen Worten das Resultat eines größeren Uferabrisses. Die Regnitz fließe an dieser geraden "Schussstrecke" sehr schnell und habe im Lauf der Zeit immer mehr Land mitgenommen. Sie würde sich noch tiefer in die Buger Wiesen "fressen", wenn der Erosion jetzt nicht Einhalt geboten würde.

Gegen Erosion, für Fischpopulation

Zwei Aufgaben sind der neuen Hecke zugedacht: Ihre Wurzeln sollen verhindern, dass Erdreich weggeschwemmt wird. Und wo der neu angelegte Bewuchs ins Wasser reicht, soll er den Fischen Unterschlupf vor Kormoranen und anderen Fressfeinden bieten sowie geschützte Plätze für ihren Laich und die Jungbrut.

Bamberger Hundebesitzer wie Dieter Radojewski und Ingrid Wintergerst-Gaasch, die gern mit ihren Vierbeinern an die Regnitz hinter dem Schwimmverein gegangen sind, bedauern sehr, dass es jetzt in der ganzen Stadt keine Stelle mehr gebe, an denen sich die Vierbeiner an und in flachem Wasser austoben könnten.

Dass manche Vierbeiner am "Hundestrand" nach Herzenslust buddeln und bellen durften, ging freilich auch Wintergerst-Gaasch zu weit. Rücksichtslos gegenüber den Menschen vom Campingplatz sei das gewesen, findet die bekannte Tierschutz-Aktivistin, die sich als "Verfechterin eines gesunden Miteinanders" bezeichnet: "Die Leute haben ein Recht auf ihre Ruhe."

Damit sei es in den vergangenen Sommern aber nicht weit her gewesen, berichtet mit Gisela L. eine Frau, die zusammen mit ihrem Mann seit über 20 Jahren Stammgast auf dem Campingplatz ist. Sie berichtet von "weit über 100 Hunden", die sie an manchen Wochenenden im Lauf eines Tages am Ufer gegenüber gezählt habe. Nach ihren Beobachtungen nahm die Tiervielfalt am Wasser ab, wie die Beliebtheit des "Hundestrandes" zunahm.

"Rücksichtslos gegen Mensch und Natur"

Am meisten ärgert sich L. über "Gassi-Geher", die ihre Hunde ohne Rücksicht auf Wildtiere, die Felder und das nahe Wasserschutzgebiet jagen und stöbern lassen: "Wenn Hunde wichtiger sind und werden als die Natur und die Menschen, stimmt etwas nicht mehr." Mit der neu angelegten Hecke verbindet die Camping-Liebhaberin die Hoffnung auf einen Sommer, der der Natur und den Menschen am Regnitzufer wieder mehr Ruhe bringt.

Ausdrücklich begrüßt wird die Vorgehensweise des Wasserwirtschaftsamts vom städtischen Biologen Jürgen Gerdes. Das Ufer werde durch die neue Hecke aufgewertet und vielfältiger. Er erinnert daran, dass die Buger Wiesen ein hochkarätiges Biotop sind und Lebensraum für nicht weniger als 45 Vogelarten.

Da stelle es schon ein Problem dar, wenn sich oft Dutzende von Hunden gleichzeitig dort tummeln. Appelle der Stadt an die Tierhalter, ihre Lieblinge anzuleinen, seien leider selbst in der Brutzeit der Vögel oft ignoriert worden, so Gerdes.

Für die schützenswerte Tier- und Pflanzenwelt in den Buger Wiesen, aber auch aus hygienischen Gründen wegen des nahen Wasserschutzgebiets der Stadtwerke ist der Biologe daher nicht traurig, dass der so genannte Hundestrand nun Vergangenheit ist. Er verstehe aber auch die Enttäuschung der Tierhalter, sagt Gerdes.

Unterschriftenaktion für einen neuen "Hundestrand"

Nach dem Aus für den inoffiziellen "Hundestrand" machen sich Bamberger Tierfreunde bereits dafür stark, dass die Stadt einen richtigen ausweist. "Bambergs Hunde und Menschen brauchen einen Strand" lautet der Appell, mit dem anonyme Initiatoren eine Unterschriftenaktion gestartet haben.

Maßnahmen, die dem Naturschutz dienen, kommen dem Fluss selbst zu Gute, versichert der Fachbereichsleiter aus Kronach. Weil die Regnitz so artenreich ist, gilt sie als so genanntes fischfaunistisches Vorrang-Gewässer von Europa-weiter Bedeutung.

Deshalb wird seit geraumer Zeit daran gearbeitet, den Fischen in der Regnitz alle Hindernisse auf ihren Wanderungen aus dem Weg zu räumen. Der erste Schritt für die angestrebte "aquatische Durchlässigkeit" des Stadtgebiets war der Bau des Fischpasses auf der Erba: Fische können nun das Erba-Wehr umschwimmen.

Der zweite war die Umgestaltung des so genannten Steinwöhrleins im Hain, wo ein sanftes Gefälle das Hufeisenwehr ablöste. Das letzte Hindernis für kleine Fische bildet der Wasserfall an der Einmündung des Hollergrabens in den Alten Kanal. Er soll noch heuer eine Fischtreppe erhalten.