Feuerspeiende Drachen jagen durch die Lüfte. Wassergeister tummeln sich in den Tiefen der Weiher, Seen und Flüsse. Verborgen vor den Augen der Menschen leben fabelhafte Wesen, deren Zauberkräfte gute oder böse Mächte heraufbeschwören. Wie gelangt man ins fantastische Land, das den grauen Alltag vergessen lässt? Kein Leser muss in die Ferne schweifen, um Hans-Manfred Mildes Märchenreich zu bereisen: Schließlich ist Franken die Welt, die der Autor in sagenhaften Geschichten auf gänzlich unbekannte Weise vorstellt.

Zurück in die Vergangenheit
Genügen die Zauberworte "Es war einmal", um Fenster in ferne Zeiten zu öffnen? Zu Menschen, die noch an Magie glaubten und an den Lippen von Erzählern hingen, wie sie auch in "Frankenland - Märchenland" zu Wort kommen. "Herbei, ihr Leut'" , ruft der Mann mit dem großrandigen schwarzen Hut, den Hans-Manfred Milde von der schönsten Seerose im Bamberger Hain schwärmen lässt. Und wie die einsame Prinzessin, um die sich die Geschichte rankt, blickte auch ihn aus der Tiefe eine Gestalt an, deren Bann sich der Autor nicht zu entziehen vermochte. "Ja, ich stelle mir so manches beim Spaziergang durch die Natur und die mittelalterlichen Gassen vor - gerade frühmorgens, bevor die Stadt erwacht", sagt der Wahlbamberger, der dem Leben mit Phantasie und Liebe zur Poesie geheimnisvolle Seiten abgewinnt. "Statt Bussen rollen wieder Pferdewagen und statt Radfahrern sehe ich Reiter nahen, wie einst vor langer Zeit."

Von der Kösseine im Fichtelgebirge bis hin zum Kreuzberg in der Rhön, wo ein Zwerg mit goldenem Herz unter dem Spott normalwüchsiger Zeitgenossen leidet, lässt Milde den Blick schweifen. Von der Quelle des Mains reisen Leser mit ihm ins Tal der Tauber und begegnen einem verstoßenen Königssohn, der lieber Lieder sang als das Schwert zu führen. 13 Geschichten für Erwachsene und Kinder beschwören in "Frankenland - Märchenland" als Nachfolgeband von "Märchen aus Franken" Ideale wie Bescheidenheit, Selbstlosigkeit und Treue. Wobei das Gute siegt und das Böse den Kürzeren zieht - anders als im wahren Leben.



Die Welt der Sagen und Legenden bannte HaMaMi, wie Freunde den kreativen Kopf nannten, schon als Kind. Am Rande des Riesengebirges wuchs der heute 83-Jährige auf. Auf hohem Fels erbaut, thronte über seinem Heimatdorf Burg Fürstenstein und wurde wie der geheimnisvolle Fürstengrund mit dem pechschwarzen Wasser des Hellebachs zur Inspirationsquelle Mildes. 13 Geschichten flossen in den Band "Märchen von der verlorenen Krone" ein, mit dem sich der Autor auf literarisches Neuland wagte. Im vergangenen Jahr folgten die nun schon in der zweiten Auflage erschienen "Märchen aus Franken" und anschließend "Frankenland - Märchenland".

Wahre Geschichte
So verzauberte die Domstadt HaMaMi, um nun ebenfalls im Blickpunkt diverser Erzählungen zu stehen - bis hin zum Müller, der ein Mädchen aus dem Wasser zog, in seiner Mühle gefangen hielt und erst frei gab, nachdem er selbst in den Fluten der Regnitz verschwand. Indes liegen der Fiktion wahre Heldentaten eines Bambergers zu Grunde: "Der Vater einer früheren Studienkollegin, der am Mühlwörth wohnte, rettete zwei Nichtschwimmern im Lauf der Jahre das Leben", berichtet der Autor. Natürlich ließ er sie anschließend nicht für sich schuften wie jener teuflische Müller, den am Ende die gerechte Strafe für seine Taten ereilt.

"Ja, Märchen stehen für Moral und viele Wahrheiten, die sie auf zauberhafte Weise vermitteln", meint der Autor, dessen eigenes Leben genügend Stoff für einen Roman böte. So versuchte Milde nach Kriegsende und der Vertreibung aus der schlesischen Heimat als Weber im Frankenwald sein Glück, engagierte sich später als Journalist und Fotograf in Brasilien, und leitete nach seiner Rückkehr zwei Jahrzehnte lang ein SOS-Kinderdorf.
Aus dieser Zeit weiß der Pädagoge auch, wie viel Sagen und Legenden Jungen und Mädchen geben können - sofern man sie nicht mit den immer gleichen wohlbekannten Geschichten langweile. Und Neues zu präsentieren, hat sich Milde in seiner Wahlheimat mit über 80 Jahren vorgenommen.

Wie aber kam HaMaMi in Bamberg zum Märchenschreiben? Und schon sind wir dabei, die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft zu beleuchten, von der die Bücher des Autors nur zwischen den Zeilen erzählen. So führte das gemeinsame Interesse für Literatur an der Regnitz zwei Seelenverwandte zusammen, die beide eben nicht aus Franken stammen: "Ich traf Märchenerzähler Hans-Otto Holzapfel, der mich zum Schreiben animierte und mich so gut beriet, dass ich sicher auch ihm die Resonanz auf meine ersten beiden Bände verdanke." Und was sich aus der Zusammenarbeit noch entwickelt, das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt wird.


Auf einen Blick: Mildes Märchenbücher

Franken als Land sagenhafter Geschichten erleben große und kleine Leser in den beiden Bänden "Märchen aus Franken" (ISBN 978-3-936897-90-6) und "Frankenland - Märchenland" (ISBN 978-3-944002-14-9). Erschienen im FT-Buchverlag, enthält das im vergangenen Jahr veröffentlichte erste Buch 16 und das gerade in den Handel gekommene zweite Buch 13 Erzählungen aus der Feder des Wahlbambergers.

Im Netz findet man weitere Informationen und Angebote des Wahlfranken unter der Homepage des Buchverlags und der Homepage des Autors.


Buchvorstellung

Wer mehr über die Geschichten und den Autor Hans-Manfred Milde erfahren möchte, sollte sich seine Buchvorstellung am 15. April, ab 16.30 Uhr, im Konferenzraum des Fränkischen Tags (Bamberg, Gutenbergstraße 1, Obergeschoss) nicht entgehen lassen.