Zwei Drogenhändler müssen nach einem Urteil des Landgerichtes Bamberg für jeweils vier Jahre und drei Monate in Haft. Sie hatten in den vergangenen beiden Jahren mehrere Kilogramm Haschisch erworben und in der Stadt Bamberg und im Landkreis Haßberge weiterverkauft. "Sie sind den Versuchungen der Marktwirtschaft erlegen. Nur dass sie nicht mit Kartoffeln, Bohnen oder Antiquitäten gehandelt haben."


Geständnisse halfen

Auch nach zwei Verhandlungstagen hatte Rechtsanwalt Dr. Norbert Brandl (Bamberg) seinen Humor noch nicht verloren. Obwohl es für seinen Mandanten um sehr viel ging. Die 22- und 30-jährigen Angeklagten profitierten bei der Verurteilung von ihren umfassenden Geständnissen, die dazu führten, dass "Dinge aufgeklärt werden konnten, die sonst nie bekannt geworden wären," wie es der Pflichtverteidiger schilderte. So konnten weitere Täter ermittelt und ihnen inzwischen auch der Prozess gemacht werden.


Viel selbst geraucht

Zudem waren die beiden Flüchtlinge aus dem Norden Syriens nicht vorbestraft und hatten einen erheblichen Teil des Haschischs selbst geraucht. Zu ihren Lasten gingen die "nicht erheblichen Mengen" und der längere Zeitraum von Oktober 2016 bis April 2017, in dem immer wieder Straftaten verübt worden waren. Der ältere Angeklagte hatte zwar "nur" vier begangen, dafür aber "die ganze Sache in der Hand", indem er für seinen jüngeren Komplizen auch die Verhandlungen führte und den Transport organisierte. Der sei die Achillesferse der syrischen Asylbewerber, die oft keinen Führerschein hätten, so ein Polizeibeamter. Deshalb müssten sie Busse und Bahnen nutzen und könnten dabei wegen des Geruchs und der Entdeckungsgefahr keine wirklich großen Mengen befördern. "Das Problem wird dann größer, wenn sie eine Fahrerlaubnis und ein Fahrzeug zur Verfügung haben werden."


Aussage gegen Aussage

Nachdem einige Vorwürfe aus der Anklageschrift eingestellt waren, weil sie trotz erheblichen Aufwandes nicht restlos aufgeklärt werden konnten, blieben immer noch vier bzw. sieben Fälle übrig. "Die haben wir mengenmäßig zugunsten der Angeklagten grob geschätzt," so Manfred Schmidt, der einer vierköpfigen Strafkammer vorsaß. Die Erleichterung war Rechtsanwalt Dr. Norbert Brandl indes anzumerken, als der Vorsitzende Richter den größten Brocken aus dem Weg geräumt hatte. Denn bei den im Raum stehenden Vorwurf gegen den älteren Angeklagten, die ungeheure Menge von 15 Kilogramm besessen und weitergegeben zu haben, stand am Ende Aussage gegen Aussage. Handfeste Beweise fehlten.


Im Fernbus transportiert

Dennoch blieben nach Berechnungen des Staatsanwaltes Stephan Schäl noch 8,4 bzw. 4,9 Kilogramm Haschisch übrig, die mithilfe von Fernbussen entweder in Berlin abgeholt oder von dort mit einem Kurier nach Franken gebracht worden waren. "Die Fahrten mussten sich ja auch lohnen," bescheinigte eine Polizeibeamtin im Zeugenstand.

Der zweitägige Prozess brachte auch einige aufschlussreiche Einblicke in das Rauschgiftmilieu mit sogenannten "weichen Drogen" in und um Bamberg. Wie ein Kriminalhauptkommissar aus Bayreuth berichtete, gebe es zwei Gruppen von syrischen Asylbewerbern, die Drogen an die Regnitz schleusten. Die eine bekäme ihren Stoff aus Stuttgart, die andere aus Berlin. Da gehe es um Mengen von zehn bzw. mehr als 20 Kilogramm. "Inzwischen gibt es an der Spree Dumpingpreise von 850 Euro pro Kilogramm Haschisch von durchschnittlicher Qualität."

Besonders im Bereich der Bamberger Berufsschulen werde das Haschisch an die Jugendlichen und jungen Erwachsenen verkauft. "Die Qualität ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden." Auf die Schliche war man den Gruppen durch andere Beschuldigte und eine umfassende Überwachung der arabisch geführten Telefongespräche und Messengerdienste gekommen. "Mit dem Verstecken haben des die Syrer nicht so. Die sprechen ganz offen - geradezu unprofessionell," so der Kriminalbeamte.

Inzwischen steht auch der "Großhändler" aus Berlin vor Gericht. Er soll die ganze Bundesrepublik mit hochwertigem Haschisch versorgt haben. 126 Kilogramm konnten ihm bislang zugeordnet werden.


Therapie als Chance

Der ältere Angeklagte erhielt dank des forensischen Sachverständigen Dr. Christoph Mattern (Bayreuth) die Möglichkeit, seine Suchtmittelabhängigkeit mit einer fast zweijährigen Therapie in einer Entziehungseinrichtung in den Griff zu bekommen. "Dann ist damit zu rechnen, dass er nicht weiter straffällig wird." Allerdings bescheinigte der Neurologe dem Duo auch, voll schuldfähig und durch den Haschischkonsum nicht aus dem seelischen Gleichgewicht geraten zu sein.

In seinem Schlusswort hatte der ältere Angeklagte, wohlgemerkt in deutscher Sprache, um eine zweite Chance gebeten, um ein vorbildlicher Bürger und Familienvater zu werden. Die bei ihm beschlagnahmten 7500 Euro, die teilweise aus dem Drogenverkauf stammen sollen, wurden mit seiner Zustimmung eingezogen, um davon die Gerichtskosten zu bezahlen. Beiden wird die neunmonatige Untersuchungshaft bei der Strafverbüßung noch angerechnet.