Es ist das erste Mal, dass Architekten der Stadtbau GmbH eine Gebäudeachse nach der rund 5000 Kilometer entfernten Stadt Mekka ausrichten. Wer auf der Weltkugel eine Linie von der Geisfelder Straße 96 in das Herz der muslimischen Welt zieht, erhält einen ziemlich spitzen Winkel, mit dem der künftige Anbau an die Bestandsgebäude der "Muna" anschließt. Kritiker könnten von einer fragwürdigen Ecke sprechen, die hier entsteht. Aber das war nicht das Problem, das an diesem Tag im Hegelsaal dazu führte, dass sich zwei frisch gebackene Koalitionspartner eine Debatte lieferten, die einer Feindschaft würdig gewesen wäre. "Wir wollen keine Alibi-Bürgerbeteiligung", sagte Ursula Sowa von Grünes Bamberg. Und auch ihr Kollege Stefan Kurz zeigte sich kurz entschlossen: "Alle Entwicklungen auf dem Muna-Gelände stehen unter dem Bürgervorbehalt."

Was das bedeutete, konnte man an der Miene von OB Andreas Starke (SPD) ablesen: Die so genannte Tischvorlage, die am Mittwoch im Konversionssenat zum Schlagabtausch führte, drohte nicht einmal auf die Tagesordnung zu gelangen. Dabei sollte sie eigentlich das Gegenteil von Streit bewirken. Sie war mit heißer Nadel gestrickt worden, nur ein Tag lag zwischen dem Einreichen im Bauamt und der Vorlage im Konversionssenat, vermutlich Rathaus-Rekord.

Man muss wissen: Die Moschee ist mittlerweile Chefsache. Denn mit dem Ja zum Bauantrag der Stadtbau GmbH könnte ein Problem aus der Welt geschafft werden, das Bambergs OB erst beim Heroldhaus im Haingebiet und dann in der Baunacher Straße viel Kritik eingebracht hat.

Im Norden der Stadt befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft mittlerweile die türkische und die arabische Moschee. Die Nachbarn gingen wegen der zeitweise drastischen Parkplatznot auf die Barrikaden, bis sich kurz vor der Wahl im März 2020 eine Lösung abzeichnete. OB Starke machte sich persönlich für einen Alternativ-Standort im Süden der Stadt, in der Galgenfuhr, stark. Doch auch diese Hoffnung zerschlug sich wegen der Corona-Krise. Das ehemalige Bundessortenamt muss mittlerweile als Abstrichstelle für eine befürchtete zweite Infektionswelle vorgehalten werden.

Erst vor einer Woche kam wieder Bewegung in die Stand-ortsuche. Doch auch die Muna ist kein Selbstläufer. Dem Bund musste als Eigentümer sein Einverständnis abgerungen werden; auch der arabische Kulturverein und künftige Mieter formulierte Forderungen, unter anderem die exakte Ausrichtung der Räume nach Mekka. Schließlich wurde der Oktober 2020 als Einzugstermin genannt. Der Vorsitzende äußerte sich im FT-Gespräch zufrieden.

Hört man OB Starke, bedroht die "überfallartige" Verweigerungshaltung der Grünen das Verhandlungspaket in einer schwierigen Phase. Der enge Zeitplan für den Neubau könne nicht mehr eingehalten werden. "Bamberg ist keine Bananenrepublik", sagte Starke mit Blick auf Versprechungen, die er selbst gemacht hat. Die Enttäuschung Vieler wäre unvermeidlich. "Dafür lehne ich jede politische Verantwortung ab."

Doch umsonst. Auch die Argumente von Stadträten der CSU-Fraktion, die heftigen Vorwürfe von Norbert Tscherner (BBB) und das Werben von Daniela Reinfelder (BuB) konnten die Grünen nicht mehr umstimmen und von ihrem angeblich spontan gefassten Beschluss abbringen: "Wir können mit dem gefundenen Ort und dem Ergebnis zwar gut leben, doch wollen wir keine Entscheidung fällen, bevor die Bürger informiert worden sind. Das wäre undemokratisch", sagte Sowa.

Teilweise hat sich das grüne Anliegen freilich bereits erledigt, denn am Tag danach bekundet der BV Ost seine Zustimmung zur Geisfelder Straße. Stadtrat Andreas Dechant (CSU) sieht es als Vorteil an, dass sich das neue Gebäude nahe der Ankereinrichtung befindet.

Wie geht es nun weiter mit der Moschee in der Geisfelder Straße? In einer Bürgerinfoveranstaltung sollen die Bewohner des Stadtteils am 20. Juli informiert werden. Dann können sie ihre Anmerkungen formulieren, ehe der Stadtrat am 22. Juli zusammentritt. Ob das Thema dann auf der Tagesordnung steht und ob die Moschee tatsächlich noch heuer gebaut werden kann, ist fraglich. Von Horst-Peter Müller, dem Eigentümer des Heroldhauses in der Ottostraße, kam am Donnerstag der dezente Hinweis, dass er den Streit mit der Stadt beim Verwaltungsgericht Bayreuth gewonnen hat. Auch er hatte bereits Mietverträge mit dem deutsch-arabischen Kulturverein und wartet bis heute vergeblich auf seinen Baubescheid. Veit Bergmann spricht indes bereits von einer weiteren Zwischenlösung. Der Stadtbau-Chef weiß: Der Weg nach Mekka ist lang.