Gegen 5 Uhr am Mittwoch wacht Horst-Jürgen Hofmann auf. Er hört lautes Knacken und Knistern. "Ich dachte erst, da macht sich jemand an Autos zu schaffen", sagt der Bewohner der Egelseestraße. Doch als er die Gardine öffnet, wird die noch dunkle Nachbarschaft von "einer lodernden Flamme aus dem Dach des Einfamilienhauses gegenüber" erleuchtet. Hofmann ruft die Feuerwehr. Er beobachtet das Geschehen, "ich musste aber immer wieder das Fenster schließen wegen des dichten Rauchs und der über den Fenstern umherwirbelnden Glut".

Um 5.18 Uhr alarmiert die Integrierte Leitstelle die Rettungskräfte. Als Polizei und Feuerwehr wenig später in der Egelseestraße eintreffen, steht das Wohnhaus bereits voll in Brand und Flammen schlagen aus dem Dach, teilt die Kriminalpolizei mit. Auch eine nebenan liegende Scheune fängt Feuer. Über 200 Kräften der Feuerwehren, der Polizei, des Rettungsdienstes und des Technischen Hilfswerks gelingt es an diesem Tag, das Übergreifen der Flammen auf die nebenliegenden Wohnhäuser zu verhindern und die Bewohner der Nachbarhäuser zu evakuieren. Rund 50 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen. Zehn werden kurzfristig in der Wunderburgschule untergebracht, wo später auch eine Betreuungsstelle eingerichtet wird.

Von der Rückseite des Gebäudekomplexes, der aus Vorderhaus, Mittelteil und Scheune im hinteren Bereich Richtung der Gertraudenstraße besteht, beobachtet um kurz nach sechs Uhr unter vielen anderen in Aufregung versetzten Anwohnern auch Bernd Wagenhäuser die Löscharbeiten. Er sei zwischen 5 und halb sechs Uhr vom Lärm wach geworden. Der Bamberger Künstler schildert eine extreme Hitze, Funkenflug und eine große Feuerwand, die er wahrgenommen hatte. "Das Feuer hat sich sehr schnell durch den Dachstuhl gefressen." Er sei froh, dass der Wind nicht die Funken in Richtung seines nicht weit vom Brandherd entfernten Ateliers geblasen hat. Das Feuer war am Mittwoch auch noch in anderen Teilen Bambergs zu sehen.

"Stellenweise war der Wind extrem, das hat die Löscharbeiten erschwert", erklärt Stadtbrandrat Florian Kaiser, der erst wenige Tage neu im Amt ist. Zunächst war die Ständige Wache ausgerückt, es sei rasch umfassend nachalarmiert worden. Mit drei Drehleitern und in der Spitze 160 Einsatzkräften versucht die Wehr von vorne und von hinten den Gebäudekomplex abzulöschen, um auch ein Übergreifen der Flammen in der dichten Bebauung zu verhindern.

Nach gut einer Stunde sind die Flammen erstickt. Doch Entwarnung gibt es zu diesem Zeitpunkt noch keine: Gegen Mittag stellt das Technische Hilfswerk, das am Mittwoch auch Fachberatung leistete, ein Gerüst vor dem Wohngebäude in der Egelseestraße auf. Mulden werden gebracht, damit die Feuerwehrkräfte mit Atemschutz das Brandgut auch aus dem ersten Obergeschoss räumen können. Laut Stadtbrandrat Kaiser ist das Haus sehr vollgestellt. "Das hat dem Feuer Nährstoff gegeben." Weitere Glutnester müssen gesucht und abgelöscht werden. Die Arbeiten dauern bis in den Abend an.

Ein Feuerwehrmann erleidet laut Polizei im Laufe des Einsatztages leichte Verletzungen und muss ins Krankenhaus. Nach ersten Schätzungen entsteht ein Sachschaden in sechsstelliger Höhe.

Ursache - Brandstiftung?

Waren die Bewohner des ausgebrannten Gebäudes zum Zeitpunkt des Feuers zu Hause? "Dazu können wir noch keine Angaben machen", sagt Tobias Dörfler, Sprecher der Kriminalpolizei. "Dadurch, dass die Nachlöscharbeiten noch andauern, sind die kriminalpolizeilichen Ermittlungen erschwert. Eine Brandortbegehung war bisher noch nicht möglich", erklärt Dörfler am späten Mittwochnachmittag. Mit einer Drohne fliegt die Polizei zunächst die zerstörten Gebäude ab.

Während die Glut am Nachmittag noch lodert, brodelt in der Nachbarschaft indes bereits die Gerüchteküche. So gehen mehrere Anwohner von Brandstiftung aus, mit der sogar im Vorfeld gedroht worden sei. "Auch hierzu können wir keine Angaben machen", heißt es von der Kriminalpolizei. Was aber für Brandstiftung sprechen könnte: Ein Anwohner hatte beobachtet, wie das Feuer im vorderen und hinteren Teil des Gebäudekomplexes ausgebrochen ist, aber nicht im mittleren Teil. Weiteres müssen allerdings die Ermittlungen ergeben.

Für die langwierigen Löscharbeiten waren die Straßen rund um den Brandort bis in den Nachmittag weiträumig gesperrt. Zeitweise hatten die Nachbargebäude wegen des Feuers keinen Strom, die Stadtwerke waren vor Ort. Die Bamberger Feuerwehr war mit den Löschgruppen 1, 2, 3, 4, 7, 8 und 9 sowie der Ständigen Wache im Einsatz. Die Besetzung der Ständigen Wache übernahm während des Großeinsatzes die Feuerwehr Hallstadt mit ihrer Drehleiter.