Löwenzahnblüten. Ob sie wohl entscheidende Punkte bringen? Wer weiß... Auf jeden Fall hat sich ganz Mürsbach mächtig ins Zeug gelegt, um bundesweit zu beweisen, wie gut sich in diesem 470-Seelen-Dorf heute leben lässt und wie die Weichen dafür gestellt wurden, dass dies auch künftig so bleibt. Gestern war die Bundeskommission für den 24. Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in dem Itzgrund-Ort zu Gast. Drei Stunden hatte Mürsbach Zeit. Genauso viel wie Böbing am Montag, Sommerach am Dienstagnachmittag und jede weitere der noch folgenden 21 Dörfer, die bis Ende des Monats ebenso aufmerksamen wie fachkundigen Besuch erhalten werden.

Mürsbach hat Routine. Seit 20 Jahren bemüht man sich hier um ein immer noch schöneres Dorf, was schon etliche Male mit Auszeichnungen belohnt wurde. Im vergangenen Jahr holte Mürsbach Gold auf Landesebene und ist deswegen nun im Bundeswettbewerb mit von der Partie.

Allerdings hatte man in den vorherigen Wettbewerben zwei Stunden Zeit, um sich zu präsentieren. Auf Bundesebene kam nun eine dritte Stunde dazu, wie Ortssprecherin Sabina Sitzmann-Simon erklärt. Man musste das Programm entsprechend unterfüttern.

Am ersten Tag des Wettbewerbs hatte die vom Weyarner Bürgermeister Michael Pelzer geleitete fast 20-köpfige Kommission Dauerregen. In Böbing. Bis kurz vor Mürsbach war es am Dienstagvormittag gleichfalls feucht. Doch dann, im Ort, war alles trocken und während des Besuchs zeigte sich sogar die Sonne. Ob das ein Omen ist...?

Mit der Routine vieler Wettbewerbe, obendrein charmant und gut gelaunt, führten die Mürsbacher die Bundeskommission durch ihr schönes Dorf. Dorfsprecherin Sabina Sitzmann-Simon oblag es wieder, die Gäste willkommen zu heißen. Nachdem sie sich durch ein Spalier junger Kicker des VfL und jungem Gemüse des Obst- und Gartenbauvereins begeben hatten - zu den Klängen der von Martina Gunzelmann geleiteten Bläserklasse.
Landrat Günther Denzler ließ es sich auch dieses Mal nicht nehmen, sich für den "schönsten Landkreis Oberfrankens", also Bamberg und insbesondere für Mürsbach ins Zeug zu legen.

Mit Vehemenz tat dies natürlich auch Rattelsdorfs Bürgermeister Bruno Kellner, der dabei auf die Furore hinwies, für die Mürsbach seit seinen Wettbewerbs-Erfolgen in den Medien gesorgt hat. Liebenswert und zukunftsfähig sei Mürsbach, befand er und riet der Kommission, es mit allen Sinnen zu genießen. Dafür war das halbe Dorf auf den Beinen - vom fünf Monate jungen Jonas Heidenreich bis zu den Dorfältesten, den 93-jährigen Zwillingsschwestern Alice und Klara Rose. Die Grundschulkinder hatten wie gewohnt schulfrei und engagierten sich auf ihre Weise, wie es selbst die Kindergartenkinder schon taten.

Es waren etliche hundert Menschen, die mit der Kommission die markantesten Stellen Mürsbachs ansteuerten darunter die Verkündhalle, der Neue Brunnen, die Kirche St. Sebastian mit Friedhof, die kleine Kapelle, die Kunstmühle, Brauerei Sonne und den Goldenen Adler.#

Sabina Sitzmann-Simon hatte eine ganze Reihe engagierter Mürsbach-Botschafter an ihrer Seite, die mit Herzblut erklärten, wo die Dorfgemeinschaft auf welche Weise etwas für Mürsbachs Zukunft getan hat oder tut. "Mir sind mit Leib und Seel bei unserer Sache", macht Maria Müller deutlich, nicht nur bei der Kirche und am Kirchhof, sondern überall. Dass Mürsbach gute Integrationsarbeit macht, wird an Jörg und Inge Raddatz aus Berlin deutlich, sie wohnen seit März hier und fühlen sich bereits als Mürsbacher, die an so einem Tag natürlich mit dabei sind.

Mürsbacher verstehen sich mittlerweile gut darauf, jedes Kommissionsmitglied kompetent mit Informationen zu versorgen. Gisela Nattermüller, die einzige Dame in der Kommission, wird gleich von zwei Herren - Reinhard Buss und Heinrich Ortlauf - eskortiert. Für die "Wohlfühlatmosphäre" Mürsbachs als vielfältiges Heilmittel wirbt der ortsansässige Arzt Ulli Zuber. Den Blick auf Mürsbach als bedeutenden kulturellen Ort lenkt das Kunstmühlen-Ehepaar Eller. Wie die Kooperation zwischen ortsansässigen Firmen und Schule dafür sorgt, dass Schüler in der Gemeinde Ausbildungsplätze finden, schildert Juliane Hemel mitreißend.
Mitreißen, das ist im wahrsten Sinn die Mission von Anke Blumenröther. Sie sorgt ebenso galant wie effektiv dafür, dass die Kommission auf ihrem Weg den Zeitplan einhält. PS-starke Unterstützung bekommt sie dabei von Thomas Scheer, Stefan Schmittlutz und Norbert Storath, sie sorgen mittels Pferdekutschen für mehr Komfort für die Kommission, die Mürsbachs malerische Winkel so auch im Rollen erkunden kann. Die Versorgung mit Audio-Geräten an Bord besorgt wie immer Michael Hälterlein, seine Frau Nadja hält derweil alle Ereignisse im Bild fest. Eine von vielen vielen Helferinnen und Helfern im Hintergund.
In den drei Stunden bleibt dank guter Planung noch etwas Raum für Kulinarisches: Kartoffelsuppe, Käse, Würste und Kuchen, alles selbst gemacht oder produziert. Die Gäste dürfen sich laben, bevor Mürsbach sie mit dem Heimatlied so langsam verabschiedet. Nach unzähligen Bildern und Notizen der Mitglieder resümiert Kommissionsvorsitzender Pelzer am Ende, dass Mürsbach viel erreicht und viel vor habe, die Grundhaltung ebenso passe wie der Wertekonsens im Dorf. Mehr lässt er sich nicht entlocken.
Nach der Begrüßung mit Löwenzahnblütensirup-Sekt verabschiedet Mürsbach die Gäste aus allen Bundesländern mit einen Gläschen Löwenzahnblüten-Gelee und dem Wunsch, dass man mehr möchte als eine Teilnahme-Urkunde...
Mehr weiß man am 28. Juni, wenn die Entscheidung beklannt gegeben wird. Die Siegerehrung findet am 24. Januar auf der Grünen Woche in Berlin statt. Für die vielen Mühen seit Februar will sich de Dorfgemeinschaft mit einem Fest belohnen, das die Zeit des Wartens bis zum Ergebnis verschönern soll, lässt eine erschöpfte aber zufriedene Dorfsprecherin wissen... Viele, wie Martin Lorz oder auch Zweiter Bürgermeister Otto Schobert finden, dass es gut gelaufen sei für Mürsbach. Und Schober gilt bekanntlich als Wettbewerbsmaskottchen...