"Bitte eintreten zu dürfen!" Alte Schule spricht aus den Worten des älteren Herren, der gekommen ist, um bei 18-Jährigen "in die Schule zu gehen," zumindest was den Umgang mit neuen Medien betrifft. Auch sieben weitere Leute im Alter ab 57 (bis 82) treten an, und freuen sich auf Lukas und Dominik. Eine kurze Begrüßung von Damaris Hans genügt, und schon sind die Grenzen zwischen Großeltern- und Enkelgeneration verschwunden. Es gibt nur noch rauchende Köpfe vor Laptoop und Smartphone, die mit einander über Problemlösungen brüten. Generationen treff in Reinkultur. In der Bamberger Straße 4 im "Mittendrin".

Den Generationentreff in der Horst-Bieger-Begegnungsstätte, so der komplette Titel, gibt es erst seit vergangenem Oktober. Doch die Wege dafür wurden bereits ein ganzes Stück früher geebnet, erklärt Damaris Hans, die diese Begegnungsstätte auf einer 20-Stunden-Basis (pro Woche) leitet.

2010 habe es eine Umfrage bei den Senioren und bei Familien in der 8000-Einwohner-Gemeinde gegeben, bei welcher der Bedarf abgeklopft worden war. Ergebnis: Eine solche Einrichtung braucht es. In dem Haus in der Bamberger Straße war der passende Ort gefunden, nachdem es die Horst-Bieger zur Hälfte vererbt bekommen und den Rest erworben hat. Auf rund 100 Quadratmetern im Erdgeschoss findet Begegnung der Generationen statt: Neben dem knapp 40 Quadratmeter großen Begegnungsraum, sozusagen dem Herz der Einrichtung, umfasst "Mittendrin" eine moderne Teeküche, das freundliche Leitungsbüro und natürlich auch behindertengerechte WC's, neben dem barrierefreien Zugang über den Hof, der im Sommer weitere Möglichkeiten der Begegnung gestattet.

Von Beginn an mitgestaltet

Als besonders angenehm hat es die Leiterin empfunden, sich bei Gestaltungsfragen einbringen zu können. Dazu hatte sie bereits ab Pfingsten vergangenen Jahres Gelegenheit. Die Kosten für den Betrieb der Stätte - jährlich etwa 35 000 Euro - teilen sich die Horst-Bieger-Altenstiftung und die Gemeinde. Einmal im Monat, so merkt die 28-Jährige durchaus angetan an, hält Bürgermeiser Gerd Schneider hier auch eine Seniorensprechstunde ab.
Zufrieden zeigt sich Damaris Hans auch mit den ersten Erfolgen. Dazu zählt sie, dass die Einrichtung derzeit regelmäßig von knapp 50 Leuten genutzt wird. Angeboten werden regelmäßige Öffnungszeiten am Dienstag (14.30 bis 16 Uhr) und Donnerstag (10 bis 12 Uhr), sowie verschiedene Projekte wie Basteln, Backen, Singen und jüngst eben der Computerkurs.


"Kennen das von zuhause"

Den konnte der Treff dank der Verbindung (man ist über den Verein für innovative Sozialarbeit vernetzt) zum gemeindlichen Jugendpfleger Daniel Dummert anbieten. Sofort hatten sich aus den jungen Leuten vom Jugendtreff Lukas Schmitz und Dominik Wieczorek bereit erklärt, zu den Senioren zu kommen. "Wir kennen das von zuhause," merkt Lukas zu Fragen rund um PC und Smartphone an. Der 82-Jährige Herr am Laptop wiederum hat derzeit nicht mehr so den "Zugriff" auf seine Enkel, seit die auswärts studieren. Berührungsängste gibt es nicht. Im Gegenteil, der Kurs hinterlässt eher den Eindruck eines Treffs in der Familie.

Damaris Hans nimmt das geschäftige Treiben mit Wohlwollen zu Kenntnis. Man befinde sich noch in der Anfangs- und Aufbau- und Erprobungsphase, zeigen ihre Schilderungen. Es gelte Netzwerke aufzubauen und sich in der Gemeinde zu etablieren. Sie rechnet damit, dass dieses Phase wohl sicherlich zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen wird und macht sich ihrerseits mit Elan ans Werk, "eine Herausforderung", bei der sie sich bereits jetzt wohl fühle. "Ich muss jetzt erst einmal Leute kennen lernen", formuliert sie ein kurzfristiges Ziel, um dann langfristig eine funktionierende Vernetzung der Generationen zu schaffen.

Als einen wichtigen Schritt in diese Richtung bezeichnet Damaris Hans die Beteiligung am Weihnachtsmarkt. "Wir sind noch in der Aufbauphase", wiederholt die 28-Jährige begeistert. Sie sei jemand, dem gerade so etwas Spaß machen. Auch weil man bei so einer Einrichtung etwas ganz Individuelles schaffen könne.

Interesse ist da

Was sie bereits nach kurzer Zeit feststellen konnte ist das Interesse der Memmelsdorfer an dem Haus und dessen Betrieb haben und: "Sie rennen mir die Bude ein mit Ideen." Genau das, was Begegnung belebt. Für Leben sorgen indes auch diverse Krabbelgruppen, die hier derzeit ein Zuhause gefunden haben. "Mittendrin" soll nach dem Wunsch von Damaris Hans ein "Ort werden, wo man sich wohlfühlt, der Anlaufstelle wird, wo man Dinge fürs Gemeinwesen einbringen kann und der Menschen zusammenbringt." Der Computerkurs war ein kleiner Vorgeschmack.



Interview mit der Generationenbeauftragten

Wenn es um die Begegnung der Generationen geht, ist Sina Wicht die Fachfrau. Am Landratsamt fungiert sie seit viereinhalb Jahren als Generationenbeauftragte. Deswegen ist sie für alle Projekte wie das in Memmelsdorf eine zentrale Anlaufstelle. Wir haben mit ihr gesprochen.

Frau Wicht, bei Ihnen laufen die Fäden zusammen, was generationenübergreifende Projekte und Einrichtungen im Landkreis Bamberg betrifft. Wie viele solche Einrichtungen gibt es inzwischen und wo befinden sich diese?
Sina Wicht Mittlerweile gibt es schon insgesamt sechs Generationentreffs im Landkreis. Meines Wissens nach ist der erste in der Gemeinde Strullendorf, das Mehrgenerationenhaus entstanden. Der jüngste Generationentreff wiederum wurde im vergangenen Jahr in Memmelsdorf ins Leben gerufen. Die weiteren Treffs befinden sich in Litzendorf: ein Bürgerhaus mit Bürgertelefon "Wir für uns". Dann gibt es in Hirschaid das Familienzentrum, in Gundelsheim das Generationenbüro sowie in Burgwindheim den Bürgerbegegnungstreff "Mittendrinn", der zurzeit allerdings ruht.

Wie ist die Resonanz auf derartige Einrichtungen?
Die Resonanz in den Einrichtungen ist sehr unterschiedlich. Ob ein Treff angenommen wird, hängt von vielen Faktoren ab: Räumlichkeiten, Träger, Leitung und die Lage im Ort spielen ebenso eine Rolle wie die Aktivitäten, die angeboten werden, und die Besucher, die sonst noch kommen.

Was sind Ihrer Erfahrung nach die Erfolgs-Faktoren?
Wichtig ist, dass die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an mit einbezogen werden. Was wünschen sie sich von dem Treff? Was könnte ihren persönlichen Alltag schöner machen? Wer hätte Lust, sich mit einzubringen? Im Optimalfall begreifen die Bürgerinnen und Bürger einen solchen Treff bald als "ihren Treff", als eine Art gemeinsames Wohnzimmer, wo sie einfach sein können und das sie selbst mit gestalten können.

Und damit ist dann alles in Ordnung und der dauerhafte Erfolg garantiert?
Nein, das alleine genügt nachweislich nicht. Bürgerbegegnungsstätten sind schließlich kein Selbstläufer! Die Planung und Durchführung der Angebote, die Öffentlichkeitsarbeit, der Kontakt zu anderen Einrichtungen im Ort, ein offenes Ohr für Ratsuchende und die professionelle und dauerhafte Begleitung der Ehrenamtlichen brauchen Zeit, Kraft und auch die nötige Qualifikation. Oftmals steht und fällt der Erfolg eines Treffs deshalb mit seiner Leitung.

Könnten Sie ein bisschen beschreiben, was in so einem Treff angeboten wird?
Wie bereits der Namen signalisiert laden offene Begegnungstreffs zu Begegnung und zum Miteinander ein. Sie sind offen für alle. Man muss kein Mitglied werden und sich nicht dauerhaft binden. So werden auch Menschen erreicht, die in den bestehenden Vereins- und Verbandsstrukturen bislang keine Heimat gefunden haben. Die Begegnungstreffs wollen keine Konkurrenz für bestehende Strukturen sein, diese vielmehr ergänzen und öffnen. Und weiterentwickeln! Die Angebote hängen davon ab, was die Bürger wollen und wofür sie sich mit einbringen. Möglich ist ein breites Spektrum: von der fröhlichen Kafferunde über Spielenachmittage und Strickkurse bis hin zu Fahrrad- und Pflanzenbörsen bis hin zur Rollator-Werkstatt.

Damit verändert sich vermutlich auch das klassische Angebot für Senioren und so titulierte Seniorenarbeit?
Wir stellen fest, dass "Seniorenarbeit" sich derzeit stark wandelt. Neben den klassischen Seniorenkreisen werden immer stärker Angebote nachgefragt, die Aktivität und Gesundheit fördern und bei denen sich Senioren selbst einbringen können - von Lauftreffs über Leihgroßeltern bis hin zur Nachbarschaftshilfe. Begegnungstreffs mit ihren flexiblen Strukturen können und sollten hier Neues wagen und auch mit Angeboten experimentieren. Von den so gemachten Erfahrungen kann die ganze Ortsgemeinschaft profitieren, wenn ein enger Austausch mit Pfarreien, Vereinen und Verbänden gepflegt wird. In diesem Sinn sind funktionierende Begegnungsstätten immer auch "Zukunftswerkstätten" für ihren Ort.'

Wie schätzen Sie abschließend die Bedeutung und die Chancen dieser Treffs ein?
Beide grundsätzlich als sehr hoch. Allerdings hängt hier vieles von den jeweiligen Menschen vor Ort ab. Die Idee ist doch erst einmal einen Raum zu eröffnen und dann zu schauen, was mache ich daraus. Allerdings gibt es bisweilen oft sehr große Hürden, so kann in einer Gemeinde beispielsweise die Zeit für so einen Generationen treff noch nicht reif sein. Wo die Zeit reif ist und Menschen diese Chance erkennen und nutzen, tun sich große Möglichkeiten auf. Wie sich alles entwickelt, wird man sehen müssen. Fest steht, dass sich Bedarfe ebenso geändert haben wie das Ehrenamt. Generationentreffs eröffnen zumindest Gelegenheiten, gut und flexibel auf die jeweiligen Veränderungen zu reagieren.

Die Fragen stellte unser Redaktionsmitglied Anette Schreiber