Elmar Hollfelder kommt immer noch ins Schwärmen, wenn er an die Landesgartenschau denkt. "Das war ein wunderschönes halbes Jahr", sagt der Bamberger, der mit seiner Frau viele Sommerabende auf der Faltenwiese verbrachte. Dabei war der Handwerker aus dem Sandgebiet ursprünglich durchaus skeptisch gewesen, wenn es um den hohen Aufwand für manche Projekte wie zum Beispiel den Uferweg ging.

Vom Kritiker zum Fan der Gartenschau - den Wandel der Einstellung haben viele Bürger in Bamberg auf ähnliche Weise vollzogen. Nun scheinen ihnen Informationen Recht zu geben, die dieser Tage aus dem Rathaus sickern. Es geht um drei Millionen Euro, die der anhaltende Ansturm der Besucher auf das Erba-Gelände über das bisher geplante Maß hinaus in die Kassen der Gesellschaft gespült haben soll.


Gute Nachricht zur falschen Zeit

Ein sattes Einnahmenplus von drei Millionen Euro? Zu Zeiten, als in Bamberg noch Brücken gebaut wurden, hätte sich die Stadt nach solchen Nachrichten die Finger geleckt. Nun, da der noch vor kurzem als sehr unwahrscheinliche eingestufte Fall eingetreten ist, bedurfte es erst einer politischen Initiative von fünf Aufsichtsratsmitgliedern aus mehreren Stadtratsfraktion, um die frohe Botschaft aktenkundig zu machen.

Und allem Anschein nach ist wahr, was in der nicht öffentlichen Sitzung mündlich vorgetragen wurde: Bambergs Landesgartenschau erfreute sich überraschend hoher Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Pachten.Genau geht es um 8,8 Millionen Euro, die derzeit auf dem Habenkonto zu Buche schlagen. Eingeplant waren auf der Einnahmenseite des so genannten Durchführungshaushalts der Schau nur 5,5 Millionen Euro. Über ihn laufen sämtliche Kosten der Veranstaltung mit Ausnahme der baulichen Investitionen.


Auch Dauergäste gab es reichlich

Erklären lässt sich der Euro-Regen vor allem mit dem Strom der Gäste, der bis zum letzten Tag der Schau am 7. Oktober anhielt. Laut Claudia Knoll besuchten insgesamt 1.052.894 Menschen das Gartenschaugelände. Es wurden 677.000 Tageskarten gelöst. Und auch das lässt sich aus den Zahlen erschließen: Viele der 16.663 Dauerkartenbesitzer haben "ihre Schau" tatsächlich dauernd, das heißt zwanzig Mal und mehr besucht und damit auch die Kassen der Gastronomen reichlich gefüllt.

Trotz der unbestrittenen Erfolgszahlen scheut sich Claudia Knoll das Wort "Überschuss" im Zusammenhang mit der Bamberger Landesgartenschau in den Mund zu nehmen: Der Grund scheint nachvollziehbar: Selbst wenn man die zusätzlichen drei Millionen von den 18 Millionen Euro abzieht, die der Stadtrat als maximalen Eigenbetrag bewilligt hat, kosteten die Landesgartenschau und die Erweckung einer Industriebrache Bambergs Bürger immer noch stolze 15 Millionen Euro.

Auch aus dem Rathaus kommen Stimmen, die vor allzu große Euphorie warnen. "Wir sollten uns hüten, das Fell des Bären zu verteilen, bevor wir ihn erlegt haben", sagt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), der auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gartenschau-Gesellschaft ist. Nach seinen Angaben steht noch Einiges aus, was Einfluss auf das endgültige Ergebnis haben könnte: die Betriebsprüfung, der Verwendungsnachweis der Fördergeber und Schlussrechnungen für den Rückbau des Busterminals am Weidendamm. Dennoch ist auch das Stadtoberhaupt optimistisch, dass am Ende mehr Geld in der Kasse bleiben und die Landesgartenschau wirtschaftlich besser abschneiden wird als geplant.

Deutlich weniger Zurückhaltung zeigen die einfachen Aufsichtsratsmitglieder. Von einem "Traumergebnis", an dessen Zustandekommen viele beteiligt gewesen seien, spricht die Stadträtin und Bürgervereinsvorsitzende Daniela Reinfelder. Dieser Geldsegen werde der Stadt gut tun.

Auch Gärtnerstadtrat Pankraz Deuber (CSU) ist sehr zufrieden über die Entwicklung auf der Erba-Insel: Bamberg sei eine der wenigen Gartenschau-Städte, die ein solches Ergebnis vorzuweisen haben. Das Plus bei den Einnahmen könne dazu beitragen, den Eigenanteil der Stadt zu senken.