Neun Jahre sind es her, dass Klaus Stieringer das Metier wechselte. Er wurde vom Bankmitarbeiter zum Stadtmarketing-Chef, was in einer Stadt wie Bamberg ein großes Publikum garantiert. Den öffentlichen Auftritt ist der gebürtige Bremer daher gewohnt, was ihm vor allem dann zugute kommt, wenn es mal wieder um die Wurst geht. Zum letzten Mal war das im November 2011 der Fall, als in den Haushaltsberatungen eine Gruppe von Stadträten aus mehreren Fraktionen den Aufstand probte und Stieringer das Geld kürzen wollte. Eine Mehrheit wusste das zu verhindern.

Doch noch können Stieringer und sein siebenköpfiges Team nicht aufatmen. Am heutigen Dienstag starten die Bamberger Grünen einen zweiten Anlauf. Sie wollen dem ungeliebten Stadtmarketing den Förderhahn zudrehen, weil sie die Interessensvertretung der Einzelhändler nicht für eine öffentliche Aufgabe halten. "Die Anschubfinanzierung war sinnvoll. Aber jetzt kann das Baby selber laufen", formuliert die grüne Fraktionschefin Ursula Sowa die Ziele der GAL-Fraktion. Ihr Vorschlag: Die Stadt soll den Zuschuss 2013 von 61.000 Euro auf 43.000 Euro kürzen. Im weiteren Verlauf wollen die Grünen, dass die Stadt komplett aussteigt. "Stadtmarketing hat eine Existenzberechtigung. Aber nicht auf Kosten der öffentlichen Hand", sagt Sowa.


Kaum verschmerzbarer Einschnitt

20.000 Euro weniger - das wäre in der Tat ein kaum verschmerzbarer Schnitt für den Verein mit dem großen Aufgabenfeld und derzeit 250 Mitgliedern. Der Veranstalter und Lobbyist von Handel, Gastronomie und Dienstleistern muss seit Jahren mit zwei großen Fördergebern leben: dem Handel, der zum Etat rund 80.000 Euro beisteuert, und der Stadt, die ihren Zuschuss von ursprünglich 70.000 Euro vor drei Jahren auf 61.000 Euro gesenkt hat.

Klaus Stieringer macht keinen Hehl daraus, was droht, wenn sich die Grünen mit ihrer Initiative durchsetzen würden: "Ohne öffentliche Gelder wird es Stadtmarketing in der jetzigen Form nicht mehr geben", sagt er knapp. Es steht also viel auf dem Spiel. Nicht nur für das Personal in der Oberen Königstraße, sondern auch für die Vielzahl von Veranstaltungen, die Stadtmarketing in den letzten Jahren aus der Taufe gehoben und unterstützt hat: "Bamberg zaubert" und das Blues- und Jazzfestival im August sind nur die bekanntesten Großereignisse. Auch die Weihnachtsbeleuchtung, die Bamberger Einkaufsgutscheine, den Faschingsumzug und selbst caritative Projekte wie den Fünferlessteg gäbe es ohne den Verein nicht. "Als man Stadtmarketing vor 15 Jahren gegründet hat, war es das Ziel, die Bamberger Innenstadt im Wettbewerb mit anderen Städten zu stärken. Das haben wir sehr erfolgreich gemacht", sagt der gelernte Bankkaufmann.

Mit dieser Auffassung ist Stieringer, seit 2008 auch Stadtrat der Bamberger Realisten, nicht allein. Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hält große Stücke auf die Arbeit von Stadtmarketing: "Der Verein ist unverzichtbar für den Wirtschaftsstandort Bamberg. Eine lebendige Innenstadt braucht aktives Stadtmarketing", sagt das Stadtoberhaupt. Er rät dringend davon ab, den Etat einer Einrichtung einzudampfen, die 2012 den Bayerischen Stadtmarketingpreis erhalten hat. "Andere Städte beneiden uns um unser Stadtmarketing."


In Bamberg gibt es Kritiker

Der überregionalen Anerkennung zum Trotz hat der Verein in Bamberg selbst nicht nur Freunde. "Stadtmarketing ist zu laut, zu schrill für Bamberg", urteilt Ursula Sowa von der GAL. Sie und ihr Parteikollege Peter Gack stützen sich in ihrer Einschätzung vor allem auch auf die kritischen Stimmen vieler Innenstadtbewohner: "Trotz mancher Berührungspunkte - ein großer Teil unserer Mitglieder sehen die Polarisierung im Auftreten von Stadtmarketing mit Skepsis", sagt Reiner Dietz vom Bürgerverein Mitte. Auch die Vielzahl von lauten Großveranstaltungen in der Innenstadt stößt auf Kritik: "Public Viewing ist bei unseren Mitgliedern nicht vermittelbar."

Ob sich die Grünen mit ihrem Wunsch nach einem Ausstieg der öffentlichen Hand bei Bambergs Stadtmarketing durchsetzen, ist dennoch fraglich. Zwar gab es in der Vergangenheit bei vergleichbaren Vorstößen immer wieder Sympathisanten in anderen Fraktionen, teils auch in der CSU. Doch wirklich ernst wurde es nie.

Auch für die Sitzung des Finanzsenats am Dienstag signalisiert Helmut Müller von der CSU keine Zustimmung zum Antrag der Grünen: "Angesichts der öffentlichen Lorbeeren wollen wir nicht kleinlich sein."