Man feiert Internationale Jahre der Kleinstkredite und des Sportunterrichts (2005). Begangen wird der Welttag des Fernsehens, der Welttag des Lehrers, der heuer praktischerweise auf einen Samstag (5. Oktober) fällt. Zwischen dem Internationalen Tag der Muttersprache (21. Februar) und dem Welttag der französischen Sprache (20. März) zelebrieren wir heute nun im "Internationalen Jahr der Zusammenarbeit im Bereich Wasser" den Internationalen Frauentag. Ein alljährlich wiederkehrendes Ritual aus der Mottenkiste des Frühfeminismus? Wir befragten Bambergerinnen aus verschiedensten Berufssparten, wie sie zu der Tradition in Zeiten stehen, in denen eine Kanzlerin die Republik führt.

"Erneut ein Internationaler Tag, der von den Medien gepusht wird, gefeiert wird, konkret aber doch wenig ändert", meint Petra Schwarz, die man in Bamberg als Leiterin des "Neuen Palais" kennt. Themen würden hochgespielt und dann ebenso schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Dabei steht die Fränkin hinter dem Kampf um Gleichberechtigung, wie ihn Frauen heute landauf und landab propagieren: "Gleichberechtigung, die Menschen im 21. Jahrhundert aber längst leben sollten."

Kein Wahlrecht

In einer ganz anderen gesellschaftlichen Realität feierte am 19. März 1911 die Pionierveranstaltung Erfolge. Frauen hatten in der Kaiserzeit kein Wahlrecht. Sie durften ohne Erlaubnis ihres Ehemanns nicht arbeiten gehen. - Ein Jahrhundert aber verging seither, in dem frau das traditionelle Rollenbild zu Grabe trug, wie es Schwarz auf den Punkt brachte. "Und heute sehe ich uns längst nicht mehr als schützenswerte Wesen." Gerade aber über die Geschlechterdebatte lebten Klischees auf, die viel zu lange das gesellschaftliche Bewusstsein prägten.

Wie Petra Schwarz betont Elke Weidner die Bedeutung des Internationalen Tags in Zeiten, in denen sich Frauen ihre heutige soziale und berufliche Stellung noch erkämpfen mussten. "Der Frauentag aber ist überholt in einer Welt, in der es um das WIR geht", sagt die gelernte Verkäuferin. Männer, Frauen, Ausländer, Asylanten, Arbeitslose, Arbeitnehmer - "die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung aller Menschen sollte praktiziert und nicht nur an bestimmten Tagen propagiert werden", so die Bambergerin. Traurig sei es, daran immer wieder erinnern zu müssen. "Ebenso wie Frauen auch in der Praxis weiter benachteiligt werden - und sei es, dass sie beim Reinigen einer Bluse mehr als Männer fürs Reinigen eines Hemdes zahlen."

Muttertag statt Frauentag

"Für mich ist der Frauentag ein Kampftag", meint ver.di-Bezirksgeschäftsführerin Doris Stadelmeyer: Ein Kampftag, dessen Botschaften und Anliegen nicht verwässert werden dürften. Jahr für Jahr sei der 8. März eine Chance, auf Missstände zu verweisen und das Problembewusstsein zu schärfen: "In Krisenzeiten sind ja auch Frauen die ersten Verlierer." Die Altersarmut sei weiblich, was Forderungen nach Entgeltgleichheit und einer Sozialversicherungspflicht für alle Arbeitsverhältnisse ab dem ersten Euro unterstreiche. "Ich sehe heute junge Frauen, die sich am liebsten wieder von einem Mann ,versorgen' ließen", sagt Doris Steadelmeyer. Auch das ein Beleg dafür, wie wichtig die Diskussionskultur um jenen 8. März sei. "Verzichtbar ist für mich dagegen der Muttertag, den die Nationalsozialisten zum Feiertag auserkoren, nachdem sie den Frauentag verboten."

Großen Respekt vor allen, die sich am 8. März zu Wort melden, Veranstaltungen organisieren und auf andere Weise für die Rechte der Frau engagieren, bekundet die Direktorin des Amtsgerichts Bamberg, Gudrun Göller. Auch sie sprach die Erfolgsgeschichte des Frauentags wie alle anderen Umfrageteilnehmerinnen an. "Eine andere Frage aber ist, ob er unsere Sache heute noch voranbringt - in Deutschland", so die Amtsgerichtsdirektorin. "Ich jedenfalls kann mit dem institutionalisierten Tag wenig anfangen", meint Gudrun Göller, die das Thema Frauenquote mit ebenso gemischten Gefühlen sieht. "Benachteiligt habe ich selbst mich beruflich auch nie gefühlt, obwohl ich weiß, dass ich damit großes Glück hatte."

"Frauentag? Den hätte ich fast vergessen. Als ich in Thüringen lebte, erinnerten mich daran immer Rosen, die man allen Kolleginnen im Büro überreichte", sagt Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing, die ursprünglich aus Stuttgart kommt, und somit einen Ost-West-Vergleich ins Spiel bringt. "Ja, vielleicht hat der Tag in der ehemaligen DDR noch einen größeren Stellenwert - aufgrund der Geschichte", meint die Wahlbambergerin mit Blick auf die deutsche Feministin und Sozialistin Clara Zetkin, auf die die Initiative zurückgeht. 1910 hatte sie den Frauentag nach amerikanischem Vorbild auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen angeregt. "Und ich denke, dass dieser Tag bis heute Zeichen setzt", so Stephanie Eißing. Inwieweit solche Signale aber noch Entwicklungen anstoßen, sei eine andere Frage. "Ich denke, letztendlich macht es nur Sinn, den Frauentag groß zu zelebrieren, wenn damit seine Themen nicht für den Rest des Jahres abgehakt, sprich vergessen sind."