Melanie Huml selbst hat Mitte der 1990er Jahre ihr Medizinstudium an der Universität Erlangen begonnen. Seitdem hat sich viel geändert: Seit diesem Jahr ist die Krankenhausstrukturreform in Kraft, die Klagen über den Ärztemangel werden bei gleichzeitigem Anstieg der Ärztezahlen lauter und der Trend, dass Krankenhäuser in Kooperationen mit ausländischen Universitäten selbst ausbilden, entzweit die fränkischen Hochschulstandorte. Während die einen es als Chance sehen, sprechen andere vom Versagen des Freistaats, der nur froh darüber sei, dass durch solche Kooperationen billig Mediziner ausgebildet werden. Die CSU-Politikerin und Gesundheitsministerin Melanie Huml nimmt Stellung zu drei Punkten, die derzeit heiß diskutiert werden.


Seit Januar gilt die Krankenhausstrukturreform - wie verändert sie die Klinikstandorte in Franken?

Ministerin Huml: Die Reform bringt den Kliniken finanzielle Verbesserungen, von denen gerade auch die kleineren Kliniken in Franken profitieren können. Durch die Reform werden etwa Kliniken besser vergütet, die die Versorgung auch in dünn besiedelten Gebieten sicherstellen. Welche konkreten Auswirkungen die Krankenhausstrukturreform auf die Krankenhauslandschaft in Franken und unsere dortigen Klinikstandorte haben wird, lässt sich im Moment jedoch noch nicht seriös abschätzen. Die Reform enthält nämlich eine Reihe von Maßnahmen, unter anderem zur Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung, zu deren Umsetzung derzeit noch nähere Vorgaben durch die Selbstverwaltung entwickelt werden müssen.
Außer Frage dürfte jedoch stehen, dass sich der schon seit Jahren vollziehende Strukturwandel in der Krankenhauslandschaft fortsetzen wird. Da nicht mehr alle Krankenhäuser alle medizinisch möglichen Leistungen anbieten können, arbeiten viele Krankenhäuser längst zusammen und stimmen ihre Leistungsangebote ab. Wir werben deshalb gerade in ländlichen Räumen für Kooperationen und eine Abstimmung der Angebote, vor allem auch, um die für die flächendeckende Versorgung wichtigen kleineren Häuser zu stützen. Darauf achten wir auch im Zuge der Krankenhausplanung. Interdisziplinäre Zentren, wie Brustzentren oder Darmzentren, lassen sich aber nun einmal nur sinnvoll in einer gewissen Größenordnung darstellen. Auch in der Bevölkerung ist das Bewusstsein gewachsen, dass die Qualität des Versorgungsangebots oft wichtiger ist als größtmögliche Wohnortnähe
Veränderungen in der Kliniklandschaft wird es in der Zukunft wie in der Vergangenheit geben. Oberstes Prinzip ist und bleibt für die Bayerische Staatsregierung eine ausreichend flächendeckende, bedarfsgerechte und leistungsfähige Versorgung der Patienten. Für die Krankenhäuser kommt es deshalb nicht zuletzt darauf an, wirtschaftliche innere Strukturen zu schaffen, also vor allem ausreichend große Abteilungen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Probleme nicht vorrangig durch zu kleine Krankenhäuser, sondern durch zu kleine Fachabteilungen hervorgerufen werden. So haben z. B. Krankenhäuser mit 150 Betten und nicht mehr als drei Fachabteilungen gute Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg. Der ist aber eine wesentliche Voraussetzung auch für gute Behandlungsqualität.
Wir in Bayern werden im Übrigen auch darauf achten, dass heute keine Strukturen zerstört werden, die in Zukunft im Hinblick auf die alternde Bevölkerung wieder gebraucht werden. Nicht nur das Statistische Landesamt geht in seinen Prognosen trotz rückläufiger Verweildauer von einem weiteren spürbaren Anstieg der stationären Krankenhausfälle aus - bedingt durch die demographische Alterung. Allerdings ist mit unterschiedlichen Entwicklungen in den Regionen zu rechnen. Das werden wir bei der Krankenhausplanung berücksichtigen.


Bei den Landärzten ist es schon lange Thema, doch inzwischen geht es auch in den Krankenhäusern immer mehr um den Ärztemangel - wie dramatisch schätzt das Gesundheitsministerium die Situation ein?

Ministerin Huml: Die Versorgung durch niedergelassene Ärzte ist in ganz Bayern nach wie vor gut bis sehr gut. Einen generellen Ärztemangel gibt es nicht. Die Zahl der in Bayern tätigen Ärzte steigt zudem nach wie vor jedes Jahr an. Die Situation in Franken ist hier grundsätzlich nicht anders als im übrigen Freistaat.
Ein Blick in die Bayerische Krankenhausstatistik belegt: Auch wenn die Nachbesetzung freiwerdender Stellen mancherorts schwieriger wird, lässt sich ein Ärztemangel nicht belegen. Demnach ist die Anzahl der Ärzte in den fränkischen Krankenhäusern überproportional zur Zahl der stationären Krankenhausfälle gestiegen: Während die Krankenhausbehandlungen in den Jahren 2009 bis 2014 um neun Prozent anstieg, wuchs die Zahl der Ärzte im gleichen Zeitraum um 18 Prozent.
Klar ist: Auf Grund der demografischen Veränderungen in unserer Gesellschaft - Zunahme von chronischen und Mehrfacherkrankungen sind hier die Stichworte - steigt absehbar jedoch auch der Behandlungsbedarf der Patienten und - wegen der Altersstruktur in der Ärzteschaft - zusätzlich der Nachwuchsbedarf an Medizinern weiter an.
Ich sehe daher vielmehr ein Verteilungsproblem: In städtischen Ballungsregionen sind oft mehr Ärzte niedergelassen als benötigt, in ländlichen Regionen besteht hingegen mancherorts Verbesserungsbedarf. Deshalb hat das Bayerische Gesundheitsministerium bereits seit 2012 ein Förderprogramm aufgelegt, um die medizinische Versorgung gerade im ländlichen Raum zu sichern. Damit wird einerseits die Niederlassung von Haus- und Fachärzten unterstützt, andererseits erhalten Medizinstudenten ein Stipendium, wenn sie sich bereiterklären, nach ihrem Studium im ländlichen Raum tätig zu werden, ganz gleich ob im ambulanten oder stationären Sektor. Das Programm ist ein wichtiger Anreiz.


Vor dem Hintergrund, dass sowohl Wissenschaftsministerium als auch Gesundheitsministerium Pläne für Studienplätze der Uni Erlangen am Standort Bayreuth befürworten (aber dafür kein Geld geben), wird dem Freistaat vorgeworfen, lieber "Billigmediziner ungeprüfter ausländischer Qualität" zu unterstützen als Geld in eigene Studienplätze zu investieren, die demnach dringend für die Zukunft benötigt werden. Wie steht die Gesundheitsministerin zu dem Vorwurf, der Freistaat ziehe sich bei der Medizinerausbildung aus der Verantwortung?

Melanie Huml: Die Finanzierung von Studienplätzen in Medizin ist ausschließlich Sache des Wissenschaftsministeriums. Allerdings habe ich mich im Rahmen der Verhandlungen zum Masterplan 2020 stets für eine Erhöhung der Zahl der Studienplätze ausgesprochen. In Bayern wird es mit der neuen Medizinischen Fakultät an der Universität Augsburg 250 zusätzliche Studienplätze geben.
Gemeinsam mit meinen Gesundheitsministerkollegen aus den anderen Ländern plädiere ich außerdem dafür, den Ländern die Möglichkeit zur Einführung einer so genannten Landarztquote einzuräumen. Diese soll eine Vorabquote für Bewerber darstellen, die sich verpflichten, als Hausärztin beziehungsweise Hausarzt in einem unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebiet tätig zu werden.
Das Angebot der Medical Schools ergänzt in gewisser Weise das Studienplatzangebot der deutschen und bayerischen medizinischen Hochschulen. Derartige Kooperationen können dazu führen, dass Studierende, die ihre medizinische Ausbildung an einer hiesigen Klinik absolviert haben, sich später eher für eine Tätigkeit in dieser Klinik oder in der Region entscheiden.
Die Medizinerausbildung ist EU-weit harmonisiert. Die jeweiligen Studienabschlüsse werden gegenseitig automatisch anerkannt. Medizinstudiengänge innerhalb der EU gelten aufgrund von Unionsrecht als gleichwertig. Insofern wäre es widersprüchlich, die Ausbildung als solche zu kritisieren, den Abschluss anschließend aber ohne Weiteres anzuerkennen.