Als Michael Bosch die Post seiner verstorbenen Tante durchforstet, stößt der Bamberger unter anderem auf mehrere Dankesbriefe verschiedener Spendenorganisationen. Seine Tante, berichtet der Bamberger, "hatte ein gutes Herz" und habe deshalb auch regelmäßig gespendet.

Bei der Stornierung der Daueraufträge machen Bosch einige Briefe stutzig. Unter anderem schreibt eine Organisation, dass es "fantastisch" wäre, wenn die Tante eine weitere Geldspende tätigen könnte. Es gäbe ja noch eine Vielzahl hungernder Kinder ...


Virtuelle Adresse in Berlin

Das Schreiben stammt von der "CHF Hoffnung für Kinder gGmbH". Diese gibt auf ihrer Homepage an, sich hauptsächlich für Kinder in Afrika einzusetzen. Unter anderem würden Projekte in Kenia und Mosambik unterstützt.

Im Impressum wird die Adresse "Unter den Linden 21, Berlin" aufgeführt. Ein nobles Geschäftsviertel, viele angesehene Unternehmen haben hier ihren Sitz. Vor Ort findet man allerdings keinen direkten Ansprechpartner, geschweige denn ein Büro. Eine Empfangsdame im fünften Stock informiert auf Nachfrage, dass die "CHF Hoffnung für Kinder gGmbH" vor Ort nur "virtuell gemeldet" sei.

E-Mails bleiben unbeantwortet, unter der angegeben Telefonnummer meldet sich eine junge Frau. Einen Sprecher für offizielle Anfragen, sagt sie, gebe es in Deutschland nicht. Wenn die Anfragen bisher nicht beantwortet wurden, würde wohl auch nichts mehr kommen.


Verdächtiges Indiz

Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) kennt eine Vielzahl derartiger Organisationen. Der DZI-Geschäftsführer betont, dass eine virtuelle Adresse nicht automatisch impliziert, dass die Organisation dahinter nicht seriös arbeitet oder nichts Gutes tut. Allerdings sei es eben ein auffälliges Indiz. "Eine Spendenorganisation sollte immer ein Gesicht zeigen."

Das DZI prüft Hilfswerke hinsichtlich ihrer Transparenz und verteilt Spendensiegel. Auch bei der "CHF" fragt man seit einigen Jahren nach sogenannten Basisauskünften - allerdings ohne Erfolg. "Wir haben bisher keine Antwort erhalten", berichtet Wilke. Dementsprechend stufe man die Organisation weiterhin als nicht förderungswürdig ein. "Ich rate davon ab, dafür zu spenden."

Speziell für ältere Menschen ist es nicht leicht, seriöse Organisationen von den "Schwarzen Schafen" zu unterscheiden. Zwar existiert neben dem DZI-Spendensiegel auch eine Mitgliederliste des Deutschen Spendenrats. Bei knapp 630 000 gemeinnützigen Organisationen in Deutschland fallen aber nur ein Bruchteil darunter. "Was die Anerkennung der Gemeinnützigkeit angeht, ist der Staat sehr großzügig", kritisiert Wilke. In Deutschland existiere kein Kontrollorgan, welches die weniger seriösen Organisationen entlarvt. Daher helfe häufig nur der gesunde Menschenverstand. "Man muss sich genau informieren", betont auch Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat.

Drastische Fotos von kranken Kindern, dubiose Schein-Adressen, aufdringliche, regelmäßige Werbepost: Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, die einen hellhörig werden lassen sollten. Häufig entdeckt man auf den Internetseiten der Organisationen auch die Anmerkung, dass die Adressen "zum Zwecke der Werbung" weitergegeben werden. Sprich: Hat man für eine Organisation gespendet, landet anschließend Post von anderen, ähnlich strukturierten Hilfswerken im Briefkasten.


Deutsche Botschaft äußert Zweifel

Auch eine Internet-Recherche kann helfen. Mehrere seriöse Hilfsorganisationen geben auf Nachfrage an, dass sie von einer "CHF Hoffnung für Kinder gGmbH" noch nie etwas gehört haben. Unter anderem schreibt eine Sprecherin von "Ärzte ohne Grenzen": "Bei uns kennt diese Organisation niemand. Wir haben auch im Kontext unserer Projekte nie von ihr gehört."

Die wenigen Projekte, zu denen auf der Homepage Details genannt werden, lassen viele Fragen offen. Beispielsweise soll im westafrikanischen Monrovia die "Gremyachev Medical Clinic" mit Medikamenten im Wert von 400 000 Euro unterstützt worden sein. Eine Nachfrage bei der Deutschen Botschaft vor Ort lässt zumindest Zweifel aufkommen: "Ich habe noch niemanden getroffen, der von dieser Klinik gehört hat", erklärt der Boschafts-Vertreter Günter Plambeck. Zwar beweise dies nicht, dass sie nicht existiert. Allerdings komme, wenn überhaupt, nur eine kleinere Klinik infrage. Und eine Medikamentenspende im Wert von 400 000 Euro wäre "für so eine Einrichtung dann maßlos überdimensioniert. 4000 Euro wäre da schon üppig genug."

Michael Bosch ist aktuell immer noch mit Stornierungen beschäftigt. Nicht nur aufgrund seiner Erlebnisse rät der Bamberger jedem, vor dem Spenden genau hinzuschauen.



Tipps: Darauf sollten Sie beim Spenden achten

Wer sichergehen will, dass sein Geld auch an den richtigen Stellen ankommt, kann zum Beispiel auf das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) achten, rät die Verbraucherzentrale NRW. Trägt ein Spendenaufruf das Logo, ist garantiert, dass die Organisation eindeutig und sachlich wirbt, sparsam wirtschaftet und außerdem nachprüfbar ausweist, wie das Geld der Spender verwendet wird.

Geprüft werden aber nur Hilfswerke, die sich selbst beim DZI melden und die Kosten für die Prüfung zahlen. Kleinere Organisationen sparen sich dies oft. Wenn ein Verein in der DZI-Liste fehlt, muss das also nicht zwangsläufig bedeuten, dass er unseriös ist.

Darüber hinaus sollten Spendenorganisationen stets erreichbar und auskunftsfreudig sein. Wem das Hilfswerk aus dem Internet oder Fernsehen schlicht zu wenig greifbar ist, der sollte sich in der Nachbarschaft umgucken, rät Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI): "Vor Ort gibt es viele Organisationen, die sich über Spenden freuen. Und meist hat man da einen direkten Ansprechpartner."


Steuerlich geltend machen

Gaben an kirchliche, mildtätige oder gemeinnützige Organisationen lassen sich normalerweise steuerlich geltend machen. Steuerzahler können bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte in der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben absetzen. Die entsprechenden Nachweise müssen dem Finanzamt nur noch auf Anforderung vorgelegt werden. Steuerzahler sollten die Bescheinigungen also mindestens ein Jahr nach Bekanntgabe des Steuerbescheides aufbewahren. Bei Spenden bis 200 Euro reicht die Bestätigung der Bank über die Annahme des Überweisungsauftrags. Bei Spenden über 200 Euro bedarf es einer Zuwendungsbescheinigung.