Samstagfrüh, ein Hotel im Zentrum von Bamberg. Hinter dem Eingang zur Tiefgarage hat sich eine lange Schlange gebildet. Vornehmlich junge Frauen und Männer wippen nervös hin und her, unterhalten sich angeregt. Fast alle sind schlank, perfekt gestylt und wollen unbedingt eine Etage höher - und dann irgendwann in die Welt hinaus. Lufthansa hat im Erdgeschoss des Hotels zum Flugbegleiter-Casting geladen.

Erik Ulbrich ist einer der Wartenden. Der Student der Medien- und Kulturwissenschaften hat sich schick gemacht und ist extra aus Düsseldorf angereist. Flugbegleiter, begründet der 21-Jährige, sei sein Traumberuf. "Ich habe keine Lust auf den Standard-Bürojob nach meinem Studium. Ich möchte die Welt sehen."


Gespäch mit Psychologen

Bevor Ulbrich und die anderen Bewerber vorsprechen dürfen, werden sie in einer Art Vorauswahl zunächst auf Herz und Nieren geprüft. Mindestens 1,60 und höchstens 1,95 Meter groß darf man sein, "sicher Schwimmen" sollte man können, sichtbare Tattoos und Piercings sind tabu. Eine abgeschlossene Schulausbildung ist ebenso ein Muss, wie auch gute Englischkenntnisse und das Mindestalter von 18 Jahren. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, wird zu zwei Gesprächen gebeten. Eines, um die Englisch-Kenntnisse zu prüfen. Anschließend folgt der Dialog mit einem Psychologen.
Bis es so weit ist, braucht es vor allem eines: Geduld. Immer wieder sitzen die Bewerber bei Mineralwasser auf gelben Würfelhockern in Kleingruppen und warten darauf, aufgerufen zu werden. Zu ihnen gesellen sich gut gelaunte und ebenfalls perfekt gestylte Lufthansa-Mitarbeiter und beantworten erste Fragen.

Eine, die bereits seit drei Jahre über den Wolken arbeitet, ist Theresa Hess. "Fliegen ist wie eine Droge", sagt sie. Keinen anderen Job könne sie sich vorstellen. Auch keinen anderen Arbeitgeber. "Das Kranich-Logo ist eine Marke. Und der Zusammenhalt im Team ist wirklich toll."


"Eine wunderschöne Stadt"

Seit 2016 veranstaltet Lufthansa die Castings. Der Bedarf ist seit Jahren unverändert hoch, über den klassischen Weg bewerben sich einfach viel zu wenige. "Die Resonanz 2016 war enorm. Deshalb führen wir es fort", sagt Pressesprecher Klaus Jacobsen. In Salzburg und Offenburg wurde bereits Station gemacht. Warum Bamberg? "Es gibt viele Studenten hier und nach München und Frankfurt ist es nicht allzu weit", begründet Jacobsen, der sich als Bamberg-Fan outet. "Eine wunderschöne Stadt!"

Knapp 30 Prozent der fast 400 Bewerber dürfen an diesem Tag jubeln. Um exakt 9.48 Uhr werden die ersten fünf Glücklichen ausgerufen. Symbolisch wird ihnen eine Bordkarte überreicht, dazu gibt es noch einen Schnappschuss vor einer New-York-Fotoleinwand.


Kennen gelernt über eine Facebook-Gruppe


Auch Chiara Müller (19) und Christina Lang (20) aus Nürnberg lächeln erleichtert in die Kamera. Sie haben sich über eine Facebook-Seite für angehende Flugbegleiter kennen gelernt und sind gemeinsam angereist. "Um sieben Uhr standen wir hier auf der Matte und haben in der Schlange geübt", berichtet Lang. Für die Freundinnen ist dies schon länger der Traumberuf. "Wir freuen uns schon auf das, was jetzt kommt", sagt Müller. Zwischen dem Casting und dem Arbeiten über den Wolken steht für die jungen Frauen jetzt noch ein Medizincheck und eine zwölfwöchige Ausbildung an.

Auch Erik Ulbrich gehört zu den Auserwählten. Gegen 15 Uhr erhält der 21-Jährige die Zusage. "Als mir die Bordkarte überreicht wurde, habe ich mich ein bisschen gefühlt wie bei Germany´s Next Topmodel", lacht der Student.