"Sagenhaft, was der Viktor alles herausgefunden hat!" Barbara Gülta ist fasziniert von ihrem Teamkollegen Viktor Fieger aus der Leitung des kleinen aber feinen Ebracher Museums. Bereits zum neunten Male ist der 78-Jährige gefordert, einen Beitrag zum jeweiligen Thema dieses besonderen Museumstages zu kreieren. Denn Ebrach hat sozusagen ein Abo auf die Teilnahme an der beliebten Denkmal-Veranstaltung.

Nach dem letzten "Tag des offenen Denkmals" wird meist das Thema für den kommenden bekannt, so Fieger. Letzten Herbst nahm er es zur Kenntnis, überlegte ein bisschen. Ab diesem Frühjahr dann machte sich der Geschichts-Fan ans Werk. Das heißt, er begab sich auf die Suche zu Wissenswertem, Wundersamem und Wichtigem zum Thema Farbe, natürlich mit speziellem Bezug zu Ebrach.
Nun erwartet den Besucher in der ehemaligen Abtswohnung der einstigen Zisterzienserabtei so einiges an museumspädagogisch aufbereiteten Anschauungsobjekten.

Leuchtendes aus der JVA

Nirgendwo dürfte das gezeigt werden, was hier als erstes ins Auge sticht: leuchtende Gesellenstücke aus dem Malerbetrieb der Ebracher Justizvollzugsanstalt. Wenn man in dessen Bann gezogen ist, hat man freilich das kleinste "Exponat" schon übersehen: An der Eingangstür legt eine etwa fünf mal zwei Zentimeter große Fläche die Farbgeschichte der Tür frei. "Wir versuchen, den Raum in die Ausstellungen mit einzubeziehen," erklärt Barbara Gülta diese Ebracher Besonderheit.

Zum besonderen Blickfang komponiert hat Viktor Fieger die Krägen von Ministranten-Messgewändern. Über einander drapiert werden sie selbst schon fast zu einem bunten Kunstwerk. Als ziemlich ungewöhnlich bezeichnet die diplomierte Volks- und Heimatkundlerin Barbara Gülta das aus dem 18. Jahrhundert stammende Messgewand von St. Rochus. "Etwas ganz Schönes", begeistert sie sich. Es zeigt gar weltliche Motive wie Pflanzen, Früchte, Blätter in Pastell-Tönen und hebt sich dadurch deutlich von den üblichen meist von Kreuzen und Ornamenten bestimmten schlichten ab. "Es wirkt fröhlich," so Gülta.

Einzigartige Schätze

Echte Schätze hat die Ebracher Klosterkirche zu bieten. Sie sind aber für kaum jemanden zu sehen - höchstens Organist, Mesner und Pfarrer erblicken Teile davon. Hinter den Chororgeln tut sich ein einzigartiger Blick auf eine ganz spezielle Epoche der Klosterkirche auf: Wie Barbara Gülta, die auch profunde Ebrach-Kennerin und Kirchenführerin ist, weiß, entstanden an den Bögen vermutlich um 1650 Malereien.

Den größten Teil davon hatte wohl Abt Petrus II. in Auftrag gegeben. Bei der Restaurierung der Chororgeln war man auf sehr gut erhaltene Bilder gestoßen. Da die Orgel für die Arbeiten abgebaut werden musste, hatten die Kirchenbesucher während dieser Jahre den einzigartigen (Ein-)Blick in diese bunte Epoche der Kirche. Der Ebracher Forschungskreis ließ die Bilder - dargestellt waren unter anderem Ebracher Äbte - fotografieren. Nun kann der Besucher der Sonderausstellung sie im Detail studieren.

Ab heute geöffnet

Nicht fehlen darf in dieser Farb-Ausstellung der berühmte Siegfried Kalb. Der Mönch gehörte dem Konvent von 1303 bis 1315 an und war ein sehr begabter Schreiber und Illustrator.

"Anfangs hätte ich mir nicht vorstellen können, wieviel Interessantes es zum Thema Farbe gibt," erinnert sich Barbara Gülta. Aber Viktor Fieger habe es aus seiner langjährigen Erfahrung aus Ausstellungs-Kompositeur geschafft, wieder etwas Einzigartiges zu schaffen, zeigt sich die 49-Jährige über das begeistert, was Fieger hier wieder gelungen ist. Ihre Arbeit bezieht sich bei dieser Ausstellung neben der praktischen Aufbau-Arbeit auf die Zuarbeit im wissenschaftlichen Bereich. Fieger jedenfalls hat in Sachen Farbe ein breites Spektrum an Wissenswertem aufgetan. Der Besucher erfährt letztlich, dass "eigentlich nichts ohne Farbe existiert", so Fieger. "Die Sonderausstellung versucht, einen Einblick in die Vielfalt der Farben und Deutungen zu geben", ebenso in die praktische Umsetzung im Alltag.
Die "Sonderausstellung Farbe" ist bereits ab Samstag, 6. September, und bis 31. Oktober zu üblichen Öffnungszeiten - täglich 14 bis 16 Uhr - zu sehen. "Das ist bei uns deswegen möglich, weil sich knapp 30 Ehrenamtliche als Museumsaufsicht zur Verfügung stellen," hebt Fieger hervor. Am Tag des "Offenen Denkmals", am 14. September, werden zudem Führungen durch die ehemalige Klosterkirche, Museum, Treppenhaus und Kaisersaal angeboten.

Goethes Trick

Wenn Goethe übrigens Besucher nicht so lange empfangen wollte, bat er sie in das blaue Zimmer. Er meinte, bei dieser Farbe würden sich die meisten unwohl fühlen.