Das Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern ist eine der 31 Unesco-Schulen in ganz Bayern. Damit hat die Schule vor vielen Jahren nicht irgendeine Anerkennung zugesprochen bekommen. Eher einen Bildungsauftrag. "Unesco-Projektschule zu sein, bedeutet, sich für eine Kultur des Friedens einzusetzen", erklärt Studienrat Thomas Beck. Im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung sollen sich die Schulen in ihrer täglichen Arbeit an den fünf Leitlinien der Unesco orientieren: Menschenrechte, Verständigung zwischen den Kulturen, Schutz der Umwelt, Globales Lernen und Erhaltung des Welterbes.

"Wir versuchen immer wieder den Schülern den Unesco-Gedanken zu verdeutlichen", sagte die Lehrerin Julia Rogner, die aufgrund ihrer Fächerkombination Englisch und Französisch schon einige andere Kulturen außerhalb Deutschlands kennengelernt hat.
"Die Arbeit rund um den Unesco-Gedanken ist nichts Künstliches, was man sich erst ausdenken muss. Das, um was es der Unesco geht, kann ganz einfach in den Alltag eingebunden werden."

Und fast so alltäglich waren auch die Aktivitäten, die beim Unesco-Projekttag des Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern auf der Agenda standen. Es ging dabei mit dem Motto "Welterbe Erde - mach dich stark für Vielfalt!" unter anderem ums Essen, Bäume pflanzen und die bayerische Politik. "Das ist zwar ein Haufen Arbeit noch am Ende des Schuljahres", sagte Julia Rogner, "aber die Schüler haben einfach Spaß daran, sich auch sozial zu engagieren."

Bei den siebten Klassen stand an diesem Projekttag die nachhaltige Nutzung von Ressourcen auf dem Stundenplan. Zusammen mit Studenten des Verein Change (Chancen nachhaltig gestalten) aus Bamberg haben sie Smartphones und Handys in ihre Einzelteile zerlegt und gestaunt, wie viele verschiedene Metalle in so einem kleinen "Ding" leben. Flaschenkorken wurden zu Pinnwänden verarbeitet und im Kochunterricht ging es darum, Mahlzeiten besonders energiearm zu kochen. "Deckel drauf", wussten die engagierten Schüler um Nu. "Am Wandertag haben die Klassen auch den Wertstoffhof in Knetzgau besucht. Da gibt es so viel zu erfahren. Man muss nicht alles gleich wegschmeißen", sagte Thomas Beck, der federführend im Unesco-Team am Gymnasium in Ebern mitarbeitet.

"Bereits im letzten Schuljahr war die Umweltbildung ein großes Thema", so Julia Rögner über die Achtklässer, die den Unesco-Tag mit dem Eberner Revierförster Wolfgang Gnannt im Wald verbrachten. "Es ging um die naturnahe Waldbewirtschaftung rund um unsere Schule. Jetzt wissen wir auch, wie man einen Baum richtig pflanzt", war das Fazit der Schüler. Denn die kühne Vorstellung, selbst einmal Bäume im Wald zu pflanzen, konnten sie in die Wirklichkeit umsetzen. Diese Pflanzaktion geht auf die Schülerinitiative "Plant-for-the-Planet" zurück, die im Jahr 2007 von dem neunjährigen Felix Finkbeiner in Deutschland gegründet wurde. Mittlerweile wurden auf der Erde 12 990 394 326 Bäume zur Bekämpfung des Klimawandels gepflanzt. In Ebern stehen jetzt vier davon.

In dem Unesco-Gedanken, der am Friedrich-Rückert-Gymnasium Ebern in fast allen Köpfen präsent ist, steckt auch die Demokratieerziehung. "Es geht darum, den Schülern den Weg eines Gesetztes vom Entwurf bis zur Durchführung ganz praktisch aufzuzeigen", beschrieb Andreas Sommer vom Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwigs-Maximilian-Universität München. Zusammen mit seinen Kommilitonen führte er das Planspiel des Bayerischen Landtags mit den zehnten Klassen durch. Am Ende kam der neue Gesetzentwurf zum Thema "Jugendkriminalität und Alkoholkonsum" im Plenarsaal des Gymnasiums zum Scheitern. Zwischen die politischen Schüler-Fraktionen mischte sich auch der Politiker Steffen Vogel (MdL).

Seine pink-farbenen Socken fielen dem Schüler-Presseteam sofort auf. "Die mag ich einfach. Ich habe auch gelbe, grüne und blaue", antwortete der Politiker auf die Frage, die er fast überhört hätte. Er sprach mit den jungen Erwachsenen über seine politische Laufbahn, Selbstbestimmung und Diäten. "Es ist wichtig, selbst mitanzupacken. Wer sich mit Ernsthaftigkeit und Ausdauer engagiert, kann auf Dauer auch etwas beenden." Und das gilt sowohl in der Politik als auch beim Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung.