Rudolf Härtl war der Erste. Der Erste, der sich einen Anteilsschein für die Unternehmergesellschaft zum Ausfüllen holte, die für den Betrieb der Marktscheune verantwortlich zeichnet. Die Scheune selbst befindet sich im Bau.

Donnerstagabend wurde die Unternehmergesellschaft gegründet. Annähernd ein Zehntel der Hallstadter Bürgerschaft, konkret 84 Frauen und Männer nahezu jeder Altersgruppe, war zur Gründungsversammlung in das katholische Pfarr- und Jugendheim gekommen. Dort erklärte Wirtschatsberater Wolfgang Gröll der das Projekt betreutund bis zu den schwarzen Zahlen begleiten wird, ausführlich die Regularien. Und er lotste die Versammlung durch die nötigen Verfahrensschritte zur Gründung.

In der Art einer Genossenschaft wird die Unternehmergesellschaft den Betrieb des Einkaufsmarktes leiten. Anteilsscheine gibt es ab dem Einstiegspreis von 200 Euro.
Zahlen müssen die Gesellschafter aber erst nach der notariellen Eintragung, frühestens 2014 und in zwei Raten. Als nächstes ist eine Gesellschafterversammlung einzuberufen, die ihrerseits den Aufsichts- oder Beirat wählt.

Bis zum Jahresende

Über drei Stunden nahmen sich die Hallstadter Zeit, für die Gründung dessen, was das Herz der Marktscheune, der Betrieb des Einkaufsmarktes werden soll. Bis Ende des Jahres, so Bürgermeister Markus Zirkel ist noch Zeit, sich Anteilsscheine zu sichern. Als Startkapital wird die Summe von 100.000 Euro angepeilt. Bleiben alle bei der Stange, die am Donnerstag Scheine gezeichnet haben, dann kann die Unternehmergesellschaft bereits auf 18.100 Euro bauen. Ein gutes Ergebnis, das ernstes Interesse belege, befand Gröll.

58 Prozent beziehungsweise 49 Anwesende haben Anteilsscheine im Durchschnitt für 369,39 Euro gezeichnet.
Rudolf Härtl gehört dazu. Der 75-Jährige will, dass sich in Hallstadt etwas tut, auch wenn er durchaus Bedenken hegt. Nicht zuletzt deswegen möchte er seinen Beitrag leisten, dass es funktioniert. "Was ich dazu beitragen kann, tue ich."

Das gilt auch für Hans-Jürgen Tytyk. Der 51-Jährige ist viel zu Fuß und mit dem Rad unterwegs und vermisst einen Vollsortimenter, den er auf diese Weise erreichen kann. Den Aspekt, dass in der Marktscheune verstärkt auch regionale Produkte vermarktet werden, begrüßt er besonders und freut sich über die hohe Zahl von über 100 Regionalvermarktern, die Gröll gegenüber Interesse an einer Kooperation bekundet haben. Er wertet die hohe Zahl der ersten Anteilszeichner als Zeichen der Identifikation mit dem Projekt und hofft auf viele Nutzer der Marktscheune.

Ein Markt für die City

Das tut auch Mathilde Biesterfeld. "Natürlich" haben sie und ihre Ehemann Hermann Anteile gezeichnet. "Wir möchten schließlich, dass in die City ein Markt kommt", unterstreicht die 66-Jährige. "Dazu leisten wir unseren Beitrag."

"Wir werden auch älter", gesteht Rike Straub mit Blick auf eine fußläufig zu erreichende Einkaufsmöglichkeit zu. Die 50-Jährige und ihr Mann waren deswegen auch bei der Veranstaltung, aber gezeichnet haben sie nicht. Noch nicht. "Wir wollen keinen Schnellschuss machen und alles in Ruhe nochmal klären", sagt sie. Viele hätten sich wohl intensiv mit der Materie befasst. Das sei eben ein Gebiet, in das man sich erst einarbeiten müsse.

Das hat Bürgermeister Zirkel selbstredend getan und so war es nicht verwunderlich, dass der routinierte Sportler am schnellsten seinen ausgefüllten Anteilsschein abgeben konnte...Rudolf Härtl tat es ihm ein wenig später gleich...