Runde Geburtstage - zumal im vorgerückten Alter - verleiten zu Schönfärberei der eigenen Vita. Klaus Guth bleibt jedoch nüchtern: "Ich bin nicht stolz auf das Erreichte, weil ich immer Helfer hatte", sagt der seit 1999 emeritierte Professor für das Fach Volkskunde und historische Landeskunde an der Universität Bamberg. Mit fester Stimme ergänzt der geistig und körperlich vitale Mann, dass er in seinem Leben "nichts bedauert, ich konnte immer das machen, was ich wollte". Das erfüllt ihn, der am Sonntag mit Verwandten und Freunden im Bamberger Umland seinen 80. Geburtstag feiert, mit Dankbarkeit.

Schließlich hat Klaus Guth so manchen Gipfel in seinem Berufs- und Privatleben erklommen. Und das im Wortsinne! Der passionierte Bergsteiger stand auf dem Matterhorn oder an Gipfelkreuzen in den Dolomiten, hält sich noch heute mit Bergwandern und ausgiebigen Touren auf dem Mountainbike fit.
Gesellig, wie der Jubilar ist, kartelt er regelmäßig in froher Runde und genießt überhaupt das Zusammensein mit Gleichgesinnten jeden Alters - gern bei einem Seidla Bier auf einem Keller.

Klaus Guth wurde am 3. August 1934 in Bamberg geboren, wuchs mit vier Geschwistern in der Oberen Pfarre auf. Die harten, entbehrungsreichen Nachkriegsjahre sind ihm noch gut in Erinnerung. Auch die Schulzeit am Kaiser-Heinrich-Gymnasium ist nicht verblasst, zumal schon früh in ihm der dringende Wunsch aufkam zu studieren. Seine Bestnoten hätten für ein Medizinstudium empfohlen. "Aber ich kann kein Blut sehen, also ging ich in die Kultur", erzählt Guth. Und das gleich ausgiebig, denn er wählte die Studienfächer Geschichte, Germanistik, Klassische Philologie, Volkskunde, Philosophie und Theologie in Bamberg, München, Würzburg und Lille.

Nach einigen Jahren als Gymnasiallehrer in Prien am Chiemsee wurde der schon 1963 Promovierte Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Heimat- und Volkskunde an der Hochschule Bamberg. Die Habilitation folgte, und somit auch von 1980 bis zum Wintersemester 1999/2000 die Position eines Professors für Volkskunde und Historische Landeskunde an der hiesigen Universität. Über seinen aktiven Dienst in Forschung und Lehre hinaus leitete Guth auch das Universitätsarchiv und bis 2013 die Forschungsstelle Landjudentum. Schwerpunkt seiner Forschungen waren Dokumentationen und Darstellungen zur Geschichte und Volkskultur des Landjudentums des 18. bis 20. Jahrhunderts in Franken.

Besonderes wissenschaftliches Steckenpferd war ihm die Erkundung von durch Verfolgung und Vertreibung betroffener Minderheiten. Schier endlos scheint die Liste seiner Publikationen, Bücher, Aufsätze zum ganzen breiten Spektrum seiner Fachgebiete. Bis heute ist Klaus Guth gewähltes Mitglied in hochrangigen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen.

Fast wunschlos glücklich

In Bamberg hat sich Professor Guth obendrein einen guten Namen als Stadtheimatpfleger erworben. Von 1974 bis 2006 hatte er dieses Ehrenamt inne. "Sie haben erheblich dazu beigetragen, den geschichtlichen Reichtum Bambergs zu bewahren und für kommende Generationen zu erhalten", fasste der damalige Bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch Guths fachlich anspruchsvolle Alltagsarbeit der städtischen Denkmalpflege zusammen, als er ihm 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande überreichte. Neben weiteren Ehrungen erhielt Klaus Guth durch Benedikt XVI. 2008 die Ernennung zum Ritter des Päpstlichen Silvesterordens.

Der 80-Jährige kennt seine Heimatstadt Bamberg natürlich wie seine Westentasche. "Ich liebe den Dom, St. Stephan, den Rosengarten", schwärmt Guth. Wie gern geht er am Alten Kanal oder im Hain bis zur Buger Spitze spazieren! So ist der Jubilar fast wunschlos glücklich. "Die Stadt Bamberg möge weiterhin ihr lebendiges politisches und kulturelles Leben führen", lautet ein Geburtstagswunsch. Ein weiterer: "Der Austausch zwischen den Christen aller Konfessionen soll im Dialog wachsen", weil sich "Tradition wandeln muss und sich nicht festsetzen darf". Und dann gibt es noch einen Traum: "Ich möchte gern noch einmal nach Brasilien", um Bischof Erwin Kräutler zu besuchen, den Ehrendoktor der Universität Bamberg.