Der Posten ist nicht irgendeiner in der Bosch-Welt. Wer für Finanzen, Strategie oder Personal des Bamberger Werks verantwortlich ist, übernimmt eine bedeutende Aufgabe. Oliver Stief weiß das. Morgen wird der 48-Jährige offiziell kaufmännischer Werkleiter am zweitgrößten Bosch-Standort in Deutschland.

"Das ist ungefähr so, als wenn Pep Guardiola von Jupp Heynckes übernimmt", wählt Stief einen Vergleich mit der Welt des Fußballs. Champions League spielt man in Bamberg schon lange. Der Kfz-Technik-Standort ist im Konzern Leitwerk für 19 Fertigungsstandorte in elf Ländern. Erst müssen Produkte wie Einspritzinjektoren oder Zündkerzen hier serienreif werden, dann kommen die Fertigungslinien auch in andere Länder.

Hoffmann zieht nicht um

Der Vergleich mit Jupp Heynckes trifft auf Stiefs Vorgänger nur bedingt zu.
Hans Hoffmann kann zwar Erfolge vorweisen; in seine Zeit fällt der Gesamtsieg für den Standort beim Wettbewerb der europäischen Stiftung für exzellentes Management (EFQM) und er übergibt ein Werk mit innovativen Produkten und rund 7500 Mitarbeitern. Anders als der ehemalige FC-Bayern-Trainer zieht sich der promovierte Diplom-Kaufmann aber keineswegs zurück. "In seiner neuen Rolle ist er jetzt mein Chef", erklärt Stief. Hoffmann wechselt nach Schwieberdingen, vor den Toren Stuttgarts. Dort ist er verantwortlich für den kaufmännischen Part im Bosch-Geschäftsbereich Gaso-line Systems. "Da geht es hauptsächlich um Benzin und Elektromobilität", erklärt Hoffmann. Bamberg ist diesem Geschäftsbereich zugeordnet.

Hoffmann bleibt der Region aber nicht nur beruflich verbunden. Der gebürtige Niederbayer will zunächst weiterhin mit Frau, Sohn und Tochter in Bischberg wohnen. "Mein Sohn macht in zwei Jahren Abitur, da wäre ein Umzug nach Baden-Württemberg schwierig", sagt er. Also sei er nur "unter der Woche in Schwieberdingen oder irgendwo anders in der Welt".

Mit 60 ist Schluss

Mehr als sieben Jahre lang war Hoffmann, der in einigen Tagen 52 Jahre alt wird, Werkleiter in Bamberg. Länger als acht Jahre wird er auch an seiner neuen Stelle nicht arbeiten. Mit 60 ist Schluss. So steht es im Bosch-Arbeitsvertrag. Auch bei Werkleitern ist das so.

"Ich habe noch zwölf Jahre", sagt Oliver Stief. Auch er pendelt im neuen Amt regelmäßig zwischen Bamberg und Stuttgart. Doch das hat private Gründe. Seine Partnerin ist wie er beruflich gebunden. "Wir sind eine Patchwork-Familie", erzählt er. Vier Kinder, zwei von ihm, zwei von der Partnerin, im Alter zwischen 16 und 19 Jahren. Eine Wohnung in Bamberg hat er schon bezogen. "Wir wollen in beiden Städten Zeit verbringen", kündigt er an.
An Ortswechsel hat sich der gebürtige Flensburger gewöhnt. Stiefs Vater war Soldat. Und auch er hat sich nach der Schule gleich für drei Jahre verpflichtet: Offiziersausbildung an den Standorten Flensburg und Böblingen.

Heute ist er Oberleutnant der Reserve. "Ich wusste von vornherein, dass ich das nur drei Jahre machen werde."
Stief studierte anschließend Betriebswirtschaftslehre an der Berufsakademie Stuttgart (heute Duale Hochschule Baden- Württemberg) - in Zusammenarbeit mit Bosch. Das Unternehmen hatte als erstes auf seine Bewerbungen reagiert und ihn zum Gespräch vom hohen Norden in den Süden eingeladen. Nach dem Studium begann Stief 1991 im Controlling des Bosch-Geschäftsbereichs Thermotechnik, damals noch unter der Marke Junkers (heute Buderus). Acht Jahre später schickte ihn der Konzern für dreieinhalb Jahre nach Südkorea, als Geschäftsführer für Automotive. Es folgten Führungspositionen in Salzgitter und Gerlingen. Zuletzt arbeitete der 48-Jährige in Schwieberdingen als Leiter für Finanzen und Controlling. "Eine Ebene unter dem Geschäftsbereich, zu dem Herr Hoffmann wechselt", erklärt er.

"Elektromobilität ausbauen"

In Bamberg führt Stief nun zusammen mit Technik-Chef Bernd Gschaider das Werk. Als Ratschlag gibt ihm Hoffmann mit auf den Weg, "die zusätzlichen Kompetenzen in der Elektro mobilität noch weiter auszubauen". Außerdem sei es wichtig, sich bei den Leuten in der Fertigung regelmäßig sehen zu lassen. Bei Hoffmanns neuem Aufgabenfeld ist Bamberg künftig nur ein Teilaspekt. "Die Kunst für mich wird es sein, das Werk nicht offensichtlich zu bevorzugen", sagt er.

Stiefs Herausforderung ist es seiner Meinung nach, Bambergs Kompetenz zu halten. "Wir müssen überall dabei sein, weil wir nicht wissen, was in Zukunft wirtschaftlich sinnvoll ist." Berührungsängste mit den Franken hat er keine. Aber "mir wird immer gesagt, dass ich als Norddeutscher ein wenig intellektuell wirke", berichtet er.