Können die Gemeinden auch im Freizeitbereich für alle Menschen mit Behinderung eine Heimat sein? Auch um diese Frage geht es bei der Landkreiswette.

Integra Mensch, ein Bereich der Lebenshilfe Bamberg, hat vor einigen Monaten den ganzen Landkreis herausgefordert, Landrat Johann Kalb (CSU) und 34 Gemeinden samt Bürgermeister haben die Herausforderung angenommen. Wenn der Landkreis gewinnen will, müssen sich binnen einen Jahres 1964 Menschen finden, die sich für Inklusion stark machen. Die DJK Priegendorf ist ein weiteres Musterbeispiel aus der Landkreis-Wette. Die DJK zeigt auf, wie ein Sportverein kreativ das Ehrenamt nutzen kann, um Inklusion zu ermöglichen.

345 Einwohner, 550 Mitglieder

Derbystimmung auf der Priegendorfer Alm: Das Heimspiel der DJK Priegendorf gegen die SpVgg Lauter ist eines der neuen Highlights in der Kreisklasse Bamberg 1. Bereits eine Stunde vor Spielbeginn kommen die ersten Fans zum Sportgelände. Gerade Sportvereine leisten mit ihren Angeboten eine wertvolle Arbeit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Obwohl in Priegendorf nur 345 Einwohnern leben, gibt es bei der DJK 550 Mitglieder, die in den Abteilungen Fußball, Gymnastik, Laufgruppe, Veitenstein-Biker und in der Jugendgruppe "Fraeggles" ein breites Betätigungsfeld finden.

Die Organisation eines solchen Vereins ist kein leichtes Unterfangen und die finanziellen Mittel sind zwangsläufig begrenzt. Vorsitzender Günter Häfner betont: "Ohne engagierte Menschen im Ehrenamt können wir unsere Arbeit kaum leisten. Es ist sehr hilfreich, wenn der Sportverein für seine aktiven Helfer wenigstens kein Geld ausgeben muss." Einer der Ehrenamtlichen ist Integra-Mitarbeiter Jochen Wolf. Er sitzt an der Kasse, begrüßt jeden Besucher einzeln und kassiert die Eintrittsgelder. Die Einnahmen sind wichtig für den laufenden Betrieb des Vereins.

Jochen Wolf betätigt sich wie viele andere Vereinsmitglieder unentgeltlich. Er tut es teils der Ehre wegen, wie der Name schon sagt, teils des Spaßes wegen, der dabei entsteht: "Ich bin ein echter Fußballfan. Selbst kann ich nicht mitkicken, weil ich eine körperliche Behinderung habe. Aber ich treffe hier viele Vereinskollegen und alle finden es gut, das ich hier mitmache. Die Vereinsarbeit macht mir immer sehr viel Spaß. Ich helfe gerne auch bei Festen." Es ist die Anerkennung der Vereinskollegen und seines persönlichen Umfelds, die ein hohes Maß an Motivation mit sich bringt.

Jochen Wolf kann aufgrund seiner Behinderung nicht in der Mannschaft spielen. Die Mitarbeit im Ehrenamt ist deshalb für ihn entscheidend. So wie Jochen Wolf geht es vielen Menschen mit Handicap. Häufig sind sie in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Auch wenn es zunehmend Angebote für behinderte Sportler und Sportlerinnen gibt, finden sich in den traditionellen Mannschaftssportarten kaum Teams, die mit einem behinderten Spieler im Wettkampf antreten. Im Training entsteht kein Nachteil, doch wenn es um körperliche Schnelligkeit, Kraft und Koordination unter Wettbewerbsbedingungen mit nichtbehinderten Sportlern geht, geraten Menschen mit Handicap in der Regel an ihre Grenzen. Trotz guter Vorsätze sind ihre Möglichkeiten im Spielbetrieb daher begrenzt.

Das Beispiel der DJK zeigt, wie Inklusion im Mannschaftssport trotzdem funktionieren kann. Zweiter Vorsitzender Jonas Trautmann erklärt: "Es sind die Aufgaben am Rande, wo ein aktives Mitwirken möglich ist. Menschen mit Behinderungen können Verantwortung auf sich nehmen und so einen wertvollen Beitrag im Vereinsalltag leisten."