Für Bürgermeister Klaus Homann (CSU) ging es um Fragen zum Konzept und um Zuschüsse zum Projekt Dokumentationszentrum Judenschule. Die Leiterin der Hirschaider Museen, Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer, erläuterte den Mitarbeitern der in München beheimateten Landesstelle für nichtstaatliche Museen jedoch erst einmal die Hintergründe. "Eingefädelt" hatte die Tour im Landkreis zu nichtstaatlichen Museen bzw. solchen, die es werden wollen, der heimische Landtagsabgeordnete Heinrich Rudrof (CSU).

Dr. Alexander Wießmann und Shahab Sangestan staunten nicht schlecht, über das, was sie da direkt an der Hauptstraße erlebten: Ein Gebäude, zu dem sich bereits diverse Pflanzen Zugang verschaffen, mit einem Dach, das kaum mehr als solches zu bezeichnen ist. Aber: ein echter Schatz, wie es in den Schilderungen der Kreisheimatpflegerin Schäfer deutlich wurde. In der Hauptstraße 12 findet sich eines der ganz wenigen, noch erhaltenen ältesten Gebäude Hirschaids, das auf das Jahr 1517 zurückgeht. Besondere Bedeutung kommt dem Bau zudem durch die Nutzung als Judenschule und ganz speziell dem noch erhaltenen Klassenzimmer zu.

Freilich soll hier kein konventionelles Museum entstehen. Vielmehr gehe es darum, wie Schäfer ausführte, einen Dokumentations- und lebendigen Lernort zu schaffen. Die Einzigartigkeit der früheren Judenschule bestehe darin, dass hier sozusagen ein jüdisches Schulzentrum bestanden hatte.

Auch die Geschichte des Gebäudes brachte Annette Schäfer den illustren Gästen in Kurzfassung näher. Neben Rudrof und dem Bürgermeister interessierte sich auch Landrat Johann Kalb (CSU) für die Judenschule in seiner Nachbargemeinde.

Ursprünglich war das Gebäude wohl als Wohnhaus eines wohlhabenden Handwerkers errichtet worden. Um das Jahr 1880 tauschte die jüdische Gemeinde Hirschaid dieses Haus gegen ein am südlichen Ortsrand gelegenes, vermutlich auch weil es sich in der Bamberger Straße gegenüber der Synagoge befand. Eingerichtet wurden eine (jüdische) Religionsschule und eine Lehrerwohnung.1903 wurde die Religionsschule in eine (jüdische) Elementarschule umgewandelt und 1924 wieder zur Religionsschule. 1939 fiel das Haus an die politische Gemeinde. Die tauschte es 1980 gegen ein Grundstück und 2013 wieder zurück.

Nun soll die alte Judenschule lebendiges Dokumentationszentrum werden. Als Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen jüdischen Einrichtungen zur jüdischen Geschichte stellte Annette Schäfer die Existenz des früheren Schulraumes im Erdgeschoss heraus.

Mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen sei man seit längerem in Kontakt. Allerdings mit Kollegen der beiden Gäste aus München. Die kannten das Projekt zwar prinzipiell, verwiesen wegen Detailfragen freilich an ihre Kollegen und konkret an Dr. Otto Lohr, der auch schon in Hirschaid war.

"Wir brauchen ein Stimmungsbild", betonte der Bürgermeister. In welche Richtung kann es weiter gehen, welche Leute müsse man hierher holen, um weiter zu kommen, um an Fördermittel zu gelangen, betone er mehrfach. Dass hier "echt Gefahr in Verzug ist", was den baulichen Zustand der alten Judenschau betrifft, gestand nicht nur Shahab Rangestan zu. Den es ebenso wie seinen Kollegen wunderte, dass das Gebäude bis in die 90er Jahre tatsächlich noch bewohnt war. Dass zumindest das Dach eigentlich noch vor diesem Winter erneuert werden müsste, darüber waren sich alle einig.

"Das Dach wird gemacht", so Homann, aber man brauche eben ein Konzept. Vor allem eines für den Betrieb, ergänzte der Landrat. Ein Grobkonzept sei mit Frau Deusel, und damit der Kultusgemeinde Bamberg abgestimmt, machte Annette Schäfer dazu deutlich. Das gelte auch für die Landesstelle, das benachbarte Buttenheimer Levi-Strauss-Museum und die Servicestelle für Museen des Bezirks Oberfranken.

Am Ende des Besuchs fasste Rudrof zusammen, dass die Sanierung wohl nicht das Problem sei. Entscheidend sei ein detaillierteres Konzept, vor allem eines zum Betreiber und auch ein Finanzierungsplan müsse nun aufgestellt werden. Landrat Johann Kalb legte den Hirschaidern die Gründung eines Fördervereins an Herz.