Pläne der Bahn für den viergleisigen Ausbau der Bahntrasse zwischen Nürnberg und Bamberg gibt es seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Fast ebenso lange gibt es die Bürgerinitiative in Altendorf, die sich gegen Belastungen für die Bürger durch den Ausbau wehrt. Denn entlang der Strecke ist Altendorf mit am stärksten betroffen - obwohl es offiziell nicht mal einen Bahnhof hat. Denn bisher heißt der Bahnhalt mitten in Altendorf - an der in den 1840er Jahren als "Ludwig-Süd-Nordbahn" entstandenen Strecke - "Bahnhof Buttenheim".

Auch das wollen die Altendorfer gerne geändert wissen, und in den neuen Bahnplänen ist auch vom S-Bahnhaltepunkt Altendorf/Buttenheim die Rede. Aber es ist wohl die geringste Sorge, die den Ort in Zusammenhang mit dem Bahnausbau umtreibt. Lärmschutz, Schutz vor Erschütterungen, Behinderungen und Belastungen durch die jahrelange Baustelle wiegen deutlich schwerer. Und es gibt eine ganz große Sorge: Wird Altendorf durch die Bahn künftig zweigeteilt?

Gemeinde plant und zahlt

Auf der Ausbaustrecke müssen alle höhengleichen Bahnübergänge weichen. So auch der in der Jurastraße in Altendorf. In ihren Planungen sah die Bahn an dieser Stelle lediglich eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer vor. Der motorisierte Verkehr soll über eine Umgehung südlich des Gewerbegebiets geleitet werden. Inzwischen hat die Gemeinde mit Bürgermeister Karl-Heinz Wagner die Bahn immerhin so weit gebracht, dass sie einer zumindest Pkw-tauglichen Unterführung zustimmt. Allerdings zu einem hohen Preis. Die Gemeinde muss die Kosten der Planung und die Mehrkosten für das Bauwerk tragen.

Ein Unding, finden Heinz Schielein, Wolfgang Rössler und Hans Friedrich von der Bürgerinitiative bei einem Gespräch vor Ort. Noch mehr entsetzt sie aber, dass auch diese Lösung auf der Kippe stehen könnte. Bei einer Bürgerversammlung Ende Januar hieß es, die von der Gemeinde geplante Unterführung könne möglicherweise nicht gebaut werden, weil es Probleme beim Grunderwerb gebe. Mittlerweile hat Bürgermeister Wagner bekanntgegeben, dass es nach leichten Planänderungen und weiteren Gesprächen mit den betroffenen Grundeigentümern wieder ganz gut aussehe.

Doch aus der Erfahrung heraus bleibt eine grundsätzliche Skepsis. "Ich bin an diesem Staat schier verzweifelt", sagt etwa Heinz Schielein, der als Sprecher der Bürgerinitiative und über 20 Jahre lang als Vorsitzender ihres Dachverbandes "Das bessere Bahnkonzept" die Bürger mit ihren Klagen bis vor die höchsten Gerichte begleitet hat. Oft genug ohne Erfolg. "Eine unendliche Geschichte", sagt Wolfgang Rössler, bis 2008 Bürgermeister von Altendorf - und fühlt sich ins Jahr 1992 zurückversetzt, als die Planungen der Bahn begannen. Eine Verkehrsberuhigung der Ortsmitte wird von den Mitgliedern der Bürgerinitiative prinzipiell begrüßt. Denn bislang rollt hier auch viel Fernverkehr vom Regnitztal über die Jurastraße und weiter zur Staatsstraße Richtung Ebermannstadt/Fränkische Schweiz.

Durchgangsverkehr unerwünscht

Die Pkw-Durchfahrt müsse jedoch unbedingt möglich bleiben. So lebten östlich der Bahn mehr Einwohner als im Altort, wo sich aber alle öffentlichen Einrichtungen wie Kindergarten, Schule, Kirche, Gaststätten und Rathaus fänden.

Was sei mit den Menschen, die dort etwas zu erledigen hätten, beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit das Kind in den Kindergarten bringen? Ein Umweg von knapp drei Kilometern sei zwar nicht die Welt, aber unsinnig. Und drei oder vier Minuten könnten in Notfällen entscheidend sein. Deswegen müsse die Durchfahrt auch für Rettungsfahrzeuge möglich bleiben. Wäre der Umweg 200 Meter länger, müsste auch die Bahn zahlen, stellt Schielein mit Verweis auf höchstrichterliche Rechtsprechung zudem fest.

Andererseits müsse natürlich der reine Durchgangsverkehr ferngehalten werden. "Die Autounterführung zu benutzen muss für Einheimische eine Notwendigkeit darstellen und für Auswärtige abschreckend sein", fasst es Rössler zusammen. Die Hoffnung nun, dass sich die Frage der Verkehrsberuhigung überhaupt stellt und es zu einer Einigung kommt. "Der Zeitdruck ist hoch", stellen sie bei der Bürgerinitiative fest.