Und dann ging alles sehr schnell. "Am Heiligen Abend haben wir vom Gesundheitsamt die Info bekommen, dass wir dran sind", erzählte Christine Lechner, Leiterin des Seniorenzentrums Albrecht Dürer in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim. "Dran" als erste stationäre Einrichtung in Bamberg mit der Corona-Impfung.

Schon am Sonntag rückte also ein mobiles Impfteam ins Seniorenzentrum ein - vor dem Haus zunächst begrüßt von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg), Landrat Johann Kalb (CSU) und seinem Stellvertreter Bruno Kellner, Gesundheitsamt-Leiterin Dr. Susanne Paulmann, den Vertretern der Sozialstiftung MVZ am Bruderwald, Dr. Tobias Pfaffendorf und Isabella Dietel-Curtis. Auch eine Handvoll Impfgegner hatte sich zum Auftakt der Bamberger Corona-Impfaktion eingefunden. "Die Gesellschaft wird ausgeschlossen!", beklagte einer von ihnen überlaut und heftig, nachdem Karl-Heinz Seib, Zweiter Vorsitzender des Diakonischen Werkes, dieses Grüppchen vom Grundstück zurück auf den Bürgersteig verwiesen hatte.

45 von 65 Bewohnern machen mit

Ins Haus durfte ohnehin nur derjenige, der einen negativen Corona-Test vorweisen durfte. "Wir sind bis jetzt alle gesund geblieben und haben keinen einzigen Corona-Fall", zeigte sich Heimleiterin Lechner dankbar für diese Fügung. Und auch dafür, dass immerhin zehn Pflegerinnen einer Impfung am Sonntag zugestimmt hätten und 45 Bewohner im Alter von 59 bis 103 Jahren von insgesamt 65: "Freiwillig, selbstbestimmt und informiert", wie Christine Lechner betont. Bewohnerin Rosina Weber zum Beispiel wartete an ihrer offenen Zimmertür, ob sie an der Reihe ist. "Na klar lasse ich mich impfen! Wenn's schöner macht!", lachte die gepflegte Dame fröhlich.

Doch Frau Weber musste sich noch gedulden. Um "ein Signal an andere zu geben, die noch unschlüssig sind, setze ich mich als erste für die Spritze hin", kam ihr Christine Lechner zuvor. Dr. Klaus Weiner, ärztlicher Leiter des Bamberger Impfzentrums in der Brose-Arena, schritt zur Tat, assistiert von Ärztin Dr. Kirstin Froese.

Kühltemperatur ist der Knackpunkt

Es ist aber nicht eben mal nur ein Pieks, der verabreicht wird. Bevor der Biontech/Pfizer-Impfstoff intramuskulär in den desinfizierten Oberarm gespritzt wird, muss er aufbereitet werden: "Ein Aufwand im Logistikbereich", bringt Arzt Weiner allein schon die notwendige und durchgängige Kühltemperatur von minus 70 Grad Celsius ins Spiel - an dieser scheiterte der Impfstart in vielen oberfränkischen Landkreisen, denn nach der Auslieferung in Bamberg und dem Weitertransport scheint unterwegs die Kühlkette unterbrochen worden zu sein. Dann folgt das Auftauen auf Raumtemperatur, um den Stoff spritzfertig zu machen, das Verbringen von Kochsalzampullen in die Impffläschchen, das mehrfache Wechseln von Kanülen bei diesem Vorgang, das zehnmalige Schwenken zum Vermischen der Flüssigkeiten. "Uns bleibt dafür ein Zeitfenster von sechs Stunden", weiß Dr. Weiner wie die ausführenden Medizinischen Fachangestellten (MFA) von der Empfindlichkeit des Impfstoffes.

Was der Mediziner nicht prophezeien kann, ist die Wirksamkeit der ganzen Aktion: "Wir hoffen, dass der Geimpfte auch geschützt ist, eine Langzeitbeobachtung fehlt noch", sagt Weiner, der weniger zum praktischen Impfen der Altenheim-Bewohner gekommen ist, als vielmehr für die Aufklärungsgespräche vor jedem Impfen. Entsprechende Aufklärungsbögen, die ständig aktualisiert werden, haben die Pflegerinnen und die Senioren natürlich bereits vorher erhalten.

Letzten Fragen nach möglichen Nebenwirkungen weichen weder Weiner noch seine Kollegin Froese aus. Es könne für ein, zwei Tage Schmerzen an der Impfstelle geben oder ein Frösteln und allgemeine Abgeschlagenheit. Auch allergische Reaktionen könnten bei Disposition nicht vollends ausgeschlossen werden. Fest steht jedoch, dass nach 21 Tagen eine zweite Impfung erforderlich ist.

Am Dienstag folgt das Klinikum

Noch offen scheint hingegen, wie schnell Bamberg "durchgeimpft" sein kann. "Das wird von der Impffreudigkeit der Bevölkerung abhängen", vermutet Dr. Weiner. Und wohl auch davon, wie viele Impfdosen in die Stadt gelangen. An diesem Sonntag waren es lediglich 94 für das Seniorenzentrum Albrecht Dürer und ein Altenpflegeheim im Landkreis. Am Dienstag, 29. Dezember, sollen 1000 Dosen angeliefert werden, deren größter Teil für das Personal im Klinikum verwendet werden soll. Diese Impfungen erledigen die mobilen Teams, die immer von Polizisten begleitet werden.

Dr. Susanne Paulmann, Leiterin des Gesundheitsamtes, bittet um Geduld: "Aufgrund der aktuell noch begrenzten Menge an Impfstoff liegt unser Hauptaugenmerk im Moment auf den Alten- und Pflegeheimen, wo viele Menschen im hohen Alter nahe beieinander leben und arbeiten. Diese Gruppen werden bei vorliegendem Einverständnis zuerst geimpft - sowohl die Bewohner als auch die Mitarbeiter in den Pflegeheimen. Kliniken und Krankenhäuser, Notfall- und Intensivstationen, Dialysezentren folgen unmittelbar und dann parallel zu den Heimen. Die alleinlebenden über 80-Jährigen kommen als Nächste dran."

Wann geht es in der Arena los?

Alle über 80-Jährigen, die gemäß der Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums ebenfalls zu Impfgruppe der höchsten Priorität gehören, sollen per Brief in der zweiten Januarhälfte über ihren Impfstart und die Modalitäten informieren werden. Wann es im Impfzentrum in der Brose-Arena tatsächlich losgehen kann, muss sich zeigen: "Wir informieren die Öffentlichkeit, wenn es soweit ist", sagt Judith Weingart, Sprecherin der Stadt Bamberg.