Lockdown, Ausgangsbeschränkungen und Schließungen - für die meisten Menschen ist die Corona-Zeit ein sehr schwieriger Lebensabschnitt. Doch auch wenn Corona viele Pläne und Wünsche in den Sand gesetzt hat, haben einige Menschen durch die zusätzliche Zeit Zuhause,  eine ganz neue Seite an sich entdecken können.

Das ständige Zuhause sein motivierte viele Menschen dazu, sich selbst wieder ein bisschen besser kennenzulernen und kreativ tätig zu werden. Während vermehrt wieder Zeit für alte Hobbys zur Verfügung stand, wurden vor allem im musikalischen Bereich viele Menschen aktiv. 

Musiklehrer Köstner aus Bamberg: "Gerade jetzt ist Musik für Menschen besonders wichtig"

Fritz Köstner, Musiklehrer und Student für Musikpädagogik aus Bamberg hat dieses Phänomen ebenfalls deutlich bemerkt: "Insgesamt greifen immer mehr Menschen auf die Musik zurück, um sich auszudrücken. Gerade in meinem Umfeld bemerke ich das sehr stark. Viele kaufen sich eine Gitarre oder andere Instrumente." Der Musiklehrer ist sich sicher, dass musikalisches Schaffen ein regelrechtes Ventil geworden ist, welches viele Menschen nutzen, um mit der aktuellen Situation umgehen zu können. 

"Ich denke, gerade jetzt in der Lockdown-Zeit ist Musik für Menschen besonders wichtig. Da aktuell viele Wege der Interaktion und Kommunikation eingeschränkt sind, ist Musik der beste Weg um mit sich selbst und anderen Menschen zu interagieren.", so Köstner gegenüber inFranken.

Forscher sicher: Musik ist eine universelle Sprache, die jeder versteht 

Musik ist für viele Menschen dabei weitaus mehr als nur ein Hobby. Samuel Mehr von der Harvard University in Cambridge untersuchte, wie Musik in verschiedenen Kulturen miteinander vergleichbar ist. Dabei stellten die Forscher heraus, dass es sich bei Musik um eine universelle Sprache handelt die kulturübergreifende gesprochen wird. Bereits zu Beginn der Lockdown-Zeit haben Menschen von ihren Fenstern oder Balkonen musiziert, um ein Signal zu geben, nicht alleine zu sein. Musik ist somit ein wichtiger Teil menschlichen Zusammenlebens und Baustein jeder Kultur selbst. Überraschend dabei: wie wissenschaft.de mitteilt, sind die Unterschiede innerhalb einer Kultur meist größer, als zwischen verschiedenen. 

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So hat auch Franken in seiner Lockdown-Zeit eine ganz eigene Sparte an musikalischen Künstlern hervorgebracht. Und auch wenn diese sich in deren Stilrichtungen meist stark unterscheiden, haben sie doch alle durch die Musik einen weg gefunden auszudrücken. Vor allem präsent ist aktuell allem Hip-Hop Musik, die schon längst nicht mehr nur als Jugendkultur fungiert. Denn im Jahre 2021 ist Hip-Hop  vielseitiger als jemals zuvor und präsentiert sich mit einer unglaublichen Fülle an Facetten als enorm attraktiv für eine Vielzahl von Menschen. Dies schneidet sich ebenfalls mit der Annahme des Forschers Mehr, der feststellte, dass die musikalischen Unterschiede innerhalb einer Kultur meist größer sind, als zwischen verschiedenen Kulturen selbst.

Fränkische Künstler, für welche Corona durchaus keine Schaffenskrise darstellte, waren zum Beispiel die Bamberger Rapper Prince Polo, Pino Pacino und Berex. Die Musiker, welche ihrer Kreativität im Deutschrap freien Lauf lassen, wissen genau, wie sie die Lockdown-Zeit für sich nutzen können. Musikalisch verfilmen die jungen Musiker vor allem Emotionen und Gefühle. "Ich verpacke meine Gefühle und möchte sie durch die Musik den Hörern näher bringen. Vielleicht hilft's und ich schaffe es für gute Stimmung verantwortlich zu sein.", so Prince Polo im Gespräch mit inFranken.de.

Aber auch Künstler, welche schon lange vor Corona aktiv waren, haben nun wieder angezogen. So hat der Bamberger Rap Artist Dizzl, der gekonnt Gesang mit Rap verbindet und mittlerweile seit nun mehr 21 Jahren Texte schreibt, innerhalb der Lockdown-Zeit in Zusammenarbeit mit dem Musiker "Maurice" eine komplett neue EP produziert. Er beteuert selbst, dass Franken musikalisch sehr viel zu bieten hat und dass er sehr viel Potenzial in jungen Künstlern sieht. "Hier gibt es viel musikalisches Talent und Potenzial. Ich würde mir wünschen, das man ein bisschen intensiver untereinander netzwerkt. Würden sicherlich interessante Sachen entstehen.", so Dizzl. 

Musik als Ventil, um miteinander zu kommunizieren

In Nürnberg hat sich eine weitere interessante Künstlergruppe zusammengefunden. Die Spaceboys "SP4CE8OY2"  bestehend aus insgesamt 4 Mitgliedern im Alter zwischen 18 und 20 Jahren produzieren englischen Rap. In einem Gespräch mit inFranken.de bestätigen die Künstler, dass Musik für sie ein wichtiger Grundpfeiler geworden ist um in eine andere Welt abzutauchen. 

Aber nicht nur im Rap-Bereich hat sich während der Lockdown-Zeit viel getan. Ebenfalls aus Bamberg stammend, beschreibt der Dj STKLA die Corona-Zeit als sehr schwierige aber wichtige Phase: "Anfangs hat man gemerkt, dass die Leute richtig motiviert waren und die Zeit zu Hause zu nutzen wollten, aber das ist dann irgendwann ziemlich schnell abgeflacht." Der DJ hat selbst im ersten Lockdown regelmäßig per Live-Stream aufgelegt, sogar mit der Unterstützung mehrere Freunde. "Als DJ aufzulegen ist noch einmal was anderes als selbst Musik zu produzieren. Das Auflegen lebt einfach von der Interaktion und der Rückgabe des Publikums. Natürlich hat man sich irgendwo neu ausprobiert und ist aktiv geblieben, aber es ist noch mal was ganz anderes als wenn man wirklich direkt mit Menschen interagiert."

Djane Senaria aus Nürnberg: "Wir kehren zu unserem menschlichen Dasein zurück - der Kunst!"

Ähnlich sieht es auch die 23--jährige DJane Senaria aus Nürnberg. "Man ist öfter demotiviert, weil man immer den gleichen Alltag hat aber im Großen und Ganzen versucht man weiter zu machen.", die junge Künstlerin begrüßt aber den Fakt, dass immer mehr junge Menschen angefangen haben sich kreativ auszuleben."Im Allgemeinen ist es revolutionär, dass alle etwas Kreatives machen, denn wir kehren zu unserem menschlichen Dasein zurück. Der Kunst!"

Die Lockdown-Zeit hat sich somit nicht generell nur schlecht auf junge Menschen ausgewirkt - auch ich selbst als Autor dieses Textes -  gebe zu, dass die zusätzliche Zeit, die durch den Verzicht auf anderwärtige Freizeitaktivitäten dazu beigetragen hat, mir selbst Zeit für Dinge zu nehmen, die durch den Alltag keinen Raum fanden. Das die Pandemie das Leben definitiv nicht leichter machte, ist Fakt. Trotzdem konnte das den Tatendrang kreativer Köpfe nicht bremsen. Somit zeigt sich die Corona-Pandemie neben den starken Einschränkungen auch, als Gelegenheit sich selbst wiederzufinden. Und als Sprungbrett für viele Menschen ihr kreatives Potenzial auszuschöpfen.

"Es ist durchaus auch so, dass viele Menschen sich selbst durch die Zeit Zuhause seit langem wieder neu kennenlernen mussten. Das ist definitiv etwas Gutes. Denn viele wussten gar nicht mehr, das sie zum Beispiel eigentlich gern singen oder malen. Auch wenn Corona zwar aktuell viele kulturelle Angebote in die Knie zwingt, wurden durch den wachsenden Schöpfungshunger vieler Menschen alle Weichen gestellt, um diese neu beleben zu können." , so Köstner.