Party-Endspurt vor den Sommerferien: Ein Festival jagt das nächste. Während der Countdown für "Bamberg zaubert" läuft, gehen am Alten Kanal die Vorarbeiten für Canalissimo in die heiße Phase. Mit im Boot: Werner Richter, der als Teil des fünfköpfigen Veranstalterteams das Kulturfest seit 2006 mitorganisiert. Mit welchem Ballast man backstage kämpfte, während Gäste das venezianische Flair bei Konzerten, Theater und Gondelfahrten genossen, davon berichtet der Gastronom im Interview.

inFranken: Lange schien Canalissimo vom Pech verfolgt: Man spottete, weil die Eröffnung des Wasserfestes regelmäßig ins Wasser fiel. Erinnern Sie sich?

Werner Richter: Ja, das Wetter war so miserabel, dass uns das 2008 zu einem Pressefoto inspirierte, bei dem das Veranstalterteam in einer Gondel sitzend aus einer Gießkanne beregnet wird.

Singen bei 14 Grad, im Regen

inFranken: Wie übel ist das für alle beteiligten Künstler: Das Publikum verzieht sich nach Hause und lässt sie auf der Bühne im Regen stehen. Wer war besonders hart im Nehmen?

Werner Richter: Ich erinnere mich noch gut an einen Frühschoppen mit Brand Old, den wir bei 14 Grad und Nieselregen eigentlich absagen wollten. Waldi Bauer und Uwe Gaasch aber trotzten selbst starken Güssen und sangen tapfer weiter. Einige wenige Fans hielten ebenso tapfer bis zum Schluss aus und genossen das Konzert unter erschwerten Bedingungen.

inFranken: So aber wuchs und gedieh Canalissimo. Vervielfältigte sich die Besucherzahl nicht seit der Premiere 2006?

Werner Richter: Sicherlich. An vier Tagen erreichten wir im vergangenen Jahr möglicherweise zehnmal so viele Besucher wie anfangs. Damals schätzten wir an drei Tagen knapp 1000 Gäste.

Steinchen für Steinchen sortieren?

inFranken: Inwieweit wurde im vergangenen Jahr die Landesgartenschau spürbar?

Werner Richter: Sie brachte Besucher von außerhalb, die Canalissimo neu entdeckten. Weniger erfreulich war das Nachspiel, das man uns von der Seite aus einbrockte. Wir wurden aufgefordert, den in Unordnung geratenen Kies (hell auf dem Treidelpfad, dunkel im Randstreifen) auseinanderzuklauben. Etwa per Hand, Stein für Stein in Aschenputtel-Manier ("die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen")? Außerdem wurde das Fehlen zweier Tütschengereuther Pflastersteine im Bereich der Uferböschung angemahnt. Weshalb die wohl verschwanden? Ob jemand die Steine mit Gewalt herausriss oder sie einfach nur schlecht verlegt waren? Die Aufforderung wurde schnell wieder zurückgezogen.

inFranken: Welche kleinen und großen Katastrophen entgingen Besuchern darüber hinaus?

Werner Richter: Da fällt mir der Hydrant ein, der in einer Aufbauphase von einem Auto angefahren wurde und für Alarmstimmung sorgte. Der Fahrer des Wagens hatte das Zufahrtsverbot missachtet und war nach dem Crash mit den Worten abgehauen: "Sonst verpasse ich meinen Flug." Glücklicherweise war ein Installateur vor Ort, der die emporschießende Wasserfontäne stoppen konnte.

inFranken: Ein Ärgernis ist ja auch der Bauzaun an der historischen Kaimauer. 2010 begann der Untergrund einzubrechen. Und nun müssen Sie zum dritten Mal um die Absperrung herum planen?

Werner Richter: Sieht so aus. Ich habe einigen Fragenden übrigens im vergangenen Jahr erläutert, dass der Bauzaun mit dem "Ebracher Feuervogel" korrespondiert: Symbolhaft unterstreiche er die Gefängnissituation. Die blanke Ironie, offenbar aber so glaubhaft, dass einige die Erklärung akzeptierten.

Verzweifelte Versuche, ans Ufer zu gelangen

inFranken: Apropos Besucher: Blieben die meisten in den vergangenen Jahren friedlich oder gab's Alkoholausfälle und Randale wie bei anderen Events?

Werner Richter: Ein nicht mehr ganz nüchterner US-Amerikaner sprang während des Festes von der Nonnenbrücke ins Wasser. Glücklicherweise verletzte er sich nicht schlimmer, obwohl in der Regnitz ja Räder und anderer Schrott endlagern. Bemerkenswert die zahlreichen Versuche des Mannes, der übrigens kein Canalissimo-Besucher war, die Böschung hinaufzuklettern. Fehlender Gleichgewichtssinn ist ein Problem. Als es der Amerikaner letztendlich schaffte, war ihm stürmischer Beifall sicher.

inFranken:Kommen wir zum Thema Lärmbelästigung, das in Bamberg seit Monaten für verbissene Diskussionen sorgt: Gab's bei Canalissimo in den vergangenen Jahren viele Anwohnerbeschwerden oder gar Klagen ?

Werner Richter: Natürlich haben wir auch in unserem Bereich den einen oder anderen, der das Fest am liebsten auf die grüne Wiese schicken möchte. Die meisten Anwohner aber sind tolerant. Ich denke sogar, wir haben diesbezüglich eine gute Akzeptanz.

inFranken: Und wie denken Sie als Gastronom über die Sperrzeitenregelung?

Werner Richter: Eine generelle Aufhebung ist meiner Meinung nach nicht sinnvoll. Gerade wenn es dann nachts zu Anwohnerbelästigungen, Randale und Vandalismus kommt. Es sollte allerdings Ausnahmeregelungen für Kulturveranstalter geben, die über Partys eben beispielsweise auch Konzerte quersubventionieren.

inFranken: Na dann wünschen wir Ihnen noch frohes Schaffen bis Canalissimo und viel Sonnenschein!

Werner Richter: Nicht zu viel, auch das wirkt sich verheerend aus - vor allem in der Kombination mit Fußball. Bei der WM 2010 war's brütend heiß. Nach dem Spiel Deutschland gegen England überlegten wir schon, die Stände zu schließen, weil das Gelände fast menschenleer war. Alle grillten offenbar bis in die Nacht. Eine ganz erbärmliche Besucherbilanz. Deswegen findet Canalissimo jetzt übrigens immer eine Woche nach "Bamberg zaubert" garantiert fußballfrei statt.

"Bamberg zaubert", Canalissimo, gefolgt von der Sandkerwa: In den kommenden Wochen ist an der Regnitz einiges geboten.

Schreiben Sie uns Ihre Festival-Erinnerungen!

Haben Sie bei einem der Feste Ihre große Liebe getroffen (oder eine Beziehung beendet)? Erinnert Sie sich an Gluthitze, Kälte, Regen oder stürmische Episoden? Was nervt Sie, was fasziniert Sie an den Events? Schreiben Sie uns Ihre eigene witzige, skurrile oder auch romantische Erlebnisse als Kommentar unter diesen Artikel!