Ausnahmezustand in Burgwindheim! Fest in der Hand der Freunde mittelalterlichen Treibens war der 800-Seelen-Ort am Wochenende. Der älteste Markt im Steigerwald zog die Massen an. Die wollten gemeinsam mit den Burgwindheimern Jubiläum feiern, denn denen hat Kaiser Karl IV 1363 das Marktrecht verliehen. Dem Anlass entsprechend drehte man hier das Rad der Zeit noch einmal schwungvoll zurück. Wobei sich wirklich der ganze Ort einbrachte, schwärmt Christine Rottmund. Sie hat allen Grund zum Schwärmen, schließlich hat die Verwaltungsangestellte das Jubiläums-Highlight seit einem halben Jahr akribisch vorbereitet.

Von der mittelalterlichen Turnierbahn mit Ringelstechen für die Kinder bis hin zur ganz profanen Organisation von Parkplätzen für die Besucher.
"Alle haben spontan mitgemacht", spart sie nicht mit Lob für die Burgwindheimer, die in Sachen Festivität durch ihr großes Blutsfest (Fest zum Heiligen Blut) seit langem immer wieder unter Beweis stellen, wie hervorragend man zusammenarbeitet und -hält, wenn es darauf ankommt.

Das sahen die begeisterten Besucher bereits an der Optik: Nahezu alle Burgwindheimer hatten historische Gewänder angelegt, was zu einem einzigartigen Flair beitrug. Selbstverständlich gewandete sich auch Christine Rottmund entsprechend: in ein schwarz-blaues Samtkleid mit Goldrand. Ob sie da nicht mächtig in Schwitzen gekommen ist, angesichts der doch recht sommerlichen Temperaturen? "Überhaupt nicht.

Geheimtipp in Höchstadt

Der Samt hat wunderbar gekühlt." Und was passiert nun nach dem Jubiläumswochenende mit den schönen Textilien? Wahrscheinlich leihen sich die dann andere aus. Denn Burgwindheim hatte einen Geheimtipp, eine Adresse in Höchstadt, wo es derartige Gewänder zu Hunderten gibt.
Zu Hunderten, mindestens, wurde auch die Münze "650 Jahre Marktrecht" unters begeisterte Volk gebracht - in limitierter Auflage die Ausführung in Silber und in unzähligen Exemplaren die vor Ort und in Zinn geprägten Münzen.

Nach so intensiver und anstrengender Vorbereitung, was hat ihr persönlich denn nun am besten gefallen? "Alles!" schwelgt Christine Rottmund in Begeisterung, begeistert auch vom Lob der Einheimischen, die das große Festwochenende wohl genauso mitgerissen hat, wie die Gäste. Geboten wurde im Herzen des Ortes gar viel für Aug' Ohr und natürlich den Gaumen, auf und an der Hauptstraße mit ihren Höfen, entlang der Aschbacher Straße und natürlich hinterm Schloss (Dorfsee), wo ein mittelalterliches Lager aufgeschlagen und das Lagerleben eine echte Attraktion war.

Abendliche Feuershow

So wie das Schafescheren, die Vorführung mit den Jagdhunden, die der Falkner, die abendliche Feuershow, die Tanz-Darbietungen, die Auftritte der Jagdhornbläsern und die der "Liedertafel" sowie der Jugendblaskapelle, aber auch die der Schul- und Kindergartenkinder. Märchenerzähler sorgten ebenso für Kurzweil wie das mittelalterliche Basteln. Große Aufmerksamkeit genossen die Handwerker bei ihren Vorführungen, aber auch die Betriebe, die ihre Türen geöffnet hatten. Eigens zum Festwochenende hatte die Brauerei Ibel ein Festbier, "ein dunkles", gebraut. Ein Renner, verrät Christine Rottmund, weshalb das Bier im Sortiment wohl Bestand haben wird. So wie die Badebürste bei Rottmunds daheim. Schließlich ist die Festorganisatorin mit gutem Beispiel vorangegangen und hat auf dem Markt, unter anderem beim Besenbinder, eingekauft.

So richtig aufgeschnauft hat sie freilich erst am Sonntagmittag, da erkannte sie, "jetzt ist es ein Selbstläufer". Mit ihr schnauften gleichfalls Maria Hollmann, Heinrich Vay und Norbert Würz auf, die mit ihr die Hauptlast der Organisation geschultert hatten. Wenig Zeit zum Durchschnaufen blieb da freilich Joseph Herbstsommer der den Taktstock gegen Foto und Filmkamera eingetauscht hatte, um das einmalige Fest für die Nachwelt festzuhalten.
Während er noch lange mit der Nachbereitung befasst sein dürfte, ist Christine Rottmund wieder in ihr ganz normales Verwaltungsgeschäft eingetaucht. Freilich steht die Abrechnung für das Wochenende noch aus und als nächstes dann die Vorbereitung des Festvortrages von Bezirksheimatpfleger Günter Dippold - am 23. November in der Turnhalle - an. Aber das dürfte im Vergleich zu diesem Wochenende wirklich kein Problem mehr werden. Nach dem phänomenalen Erfolg dieses Wochenendes hofft sie, dass sich die Burgwindheimer dann wieder so mitreißen lassen. Was selbstverständlich auch für den Adventsmarkt der Pfarrei am 1. Dezember gilt. Großes Lob für die Cheforganisatorin hat übrigens Bürgermeister Heinrich Thaler parat: Sie habe die Strippen gezogen "für das schönste Fest, das Burgwindheim je erlebt hat." Natürlich war Thaler dafür ins Gewand eines Ratsherren geschlüpft, führte den Festzug als gar edle Familie mit Gattin Sabine und Sohn Lukas an.